Camper Stories

Ein Camping-Abenteuer in Europa

Seit Jahren träume ich schon davon, einen Roadtrip mit einem Wohnmobil zu machen. Traumhafte Bilder anderer Camper haben diesen Wunsch stetig gestärkt und meine Sehnsucht visuell gefüttert. Das Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit manifestierte sich direkt im Kopf. Da ich selbst seit Jahren ortsunabhängig selbständig arbeite, war es eigentlich nur noch ein kleiner Schritt, um die völlige Freiheit zu genießen. Leben und Arbeiten von überall. Immer dort, wo es gerade schön ist und so weit die Räder des Wohnmobils eben rollen.

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Die ursprüngliche Idee: Ein Roadtrip durch Neuseeland

2019 entschieden mein Partner und ich uns dann für ein Auslandsjahr in Neuseeland, das wir 2020 starten wollten. Der Plan: Ein Roadtrip durch Neuseeland und dessen malerische Landschaft. Die Vorbereitungen liefen schnell auf Hochtouren: Zunächst ein Visum besorgt, dann die Flugtickets gekauft, die ersten Reisepläne für Neuseeland waren bereits geschmiedet. Sogar die ersten Fahrzeuge hatten wir uns schon online angesehen. Im April sollte der Flug starten. Ein neues Abenteuer, bei dem wir alles hinter uns lassen wollten. Weit weg in die Ferne, in das Unbekannte und Neue. Ein Roadtrip mit 20 und 30 Jahren durch Neuseeland. Danach sollte es für ein weiteres Jahr nach Australien gehen, wo wir einen weiteren Roadtrip durch die trockenen und heißen Regionen Australiens planten.

Dann kam die Corona-Pandemie. Unsere Flüge wurden einen Monat vor Abflug storniert und die Welt war im Lockdown. Unsere Träume von Neuseeland waren von jetzt auf gleich geplatzt, die monatelangen Vorbereitungen alle umsonst. Zuerst haben wir noch versucht durch Umbuchungen irgendwie unser Ziel zu erreichen, aber letztlich war es unmöglich. Für uns sollte es nicht nur ein Roadtrip sein, sondern auch das Ende unserer dreijährigen Fernbeziehung. Endlich vereint die Welt entdecken und gemeinsam den Alltag erleben.

Ein neuer Plan: Europa Tour mit dem Wohnmobil

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Schnell haben wir einen neuen Plan entwickelt: Eine Tour durch Europa mit dem Wohnmobil. Warum in die Ferne, wenn auch vor der Haustür die schönsten Landschaften auf uns warteten?

Wir hatten uns vorgenommen etwa ein Jahr durch Europa zu reisen und möglichst viele Länder zu erkunden. Aber wir merken jetzt schon, dass wir mehr Zeit brauchen und die Reise vermutlich dauern wird. Vielleicht sogar zwei Jahre. Wir sind deutlich langsamer unterwegs und genießen unsere Zeit, anstatt hastig durch das Land zu fahren. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass wir von unterwegs arbeiten und immer mal wieder längere Pausen einlegen.

Natürlich ist eine globale Pandemie nicht der optimale Zeitpunkt für so ein Vorhaben. Und wie man sich denken kann, ist unsere Reise auch mit vielen Hindernissen und ständigen Umplanungen verbunden. Wir wollten eigentlich zuerst in den Süden nach Spanien fahren. Aufgrund der Lage entschieden wir aber doch für Schweden mit anschließender Weiterfahrt nach Norwegen.

Ausrüstung für unser Camping-Abenteuer in Europa

Ein weiterer Punkt: Wir hatten viel weniger Zeit zu planen, als für Neuseeland. Außerdem mussten wir neben der Reiseplanung auch erstmal ein Wohnmobil kaufen. Weil sich die Pläne vieler anderer Menschen ebenfalls änderten und Wohnmobile im Sommer einen regelrechten Boom erlebten, war die Suche gar nicht so leicht. Bei den Händlern gingen die Wohnmobile im ungeahnten Tempo in neue Besitzer über. Schnell waren favorisierte Modelle bereits verkauft. Unser Suchradius erstreckte sich bereits über ganz Deutschland, um noch irgendwie unsere Reise antreten zu können. Als absolute Neulinge im Campingbereich lernten wir parallel so viel möglich über Wohnmobile, Campingausrüstung und Tipps, um optimal vorbereitet zu sein.

Die Erstausstattung für unser Wohnmobil kauften wir nach und nach ein, beispielsweise 2x 11kg Stahlgasflaschen, Zubehör für die Wasserversorgung sowie CEE-Stromkabel. Für die Gasflaschen haben wir ebenfalls Adapter für die unterschiedlichen Gasanschlüsse in Europa gekauft, damit wir unsere Flaschen auch außerhalb Deutschlands nachfüllen lassen können.

Auch für die Wasserversorgung haben wir 5 verschiedene Gardena-Anschlüsse, um möglichst überall Wasser zu erhalten. Für die Stromversorgung kauften wir neben dem 25m CEE Kabel auch noch ein Schuko-CEE-Kabel, um auch an normalen Steckdosen Strom zu erhalten. Das ist auf manchen Plätzen sehr hilfreich.

Am Ende fanden wir aber doch unser Traum-Wohnmobil und die Verwirklichung unserer Europa-Tour rückte ein ganzes Stück näher. Wir entschieden uns für ein teilintegriertes Wohnmobil von Carado mit 7 Meter Länge. Für uns war vor allem wichtig, dass wir genügend Platz bei der langen Reise haben, um uns auch bei schlechtem Wetter frei bewegen zu können und wir ein Gefühl von einem Zuhause haben. Auch der Wohn- und Essbereich lässt sich mit einer Tür zum Schlafbereich trennen, damit sich jeder von uns auch mal zurückziehen kann. Für unsere Stromversorgung zum Arbeiten ließen wir zusätzlich noch eine Solaranlage und zwei Wohnraumbatterien verbauen.

Probleme bei der Reiseplanung

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Etwa ein Monat sollte noch vergehen bis wir dann unser Wohnmobil endlich abholen konnten. Die Reisepläne verschoben sich immer weiter nach hinten. Dabei hatten wir immer die Entwicklung von Corona im Blick und natürlich auch die Reisebeschränkungen von Norwegen, Schweden und Dänemark. Sollte schlussendlich doch noch alles platzen? Wieder einmal änderten sich unsere Reisepläne, da Norwegen die Einreise aus Schweden erschwerte und wir somit kurzfristig doch Norwegen als erstes Ziel festlegten.

Die Zeit vor der Abreise war ein einziges Auf und ab der Gefühle. An einem heißen Tag im August sollte es spät am Abend endlich losgehen nach Dänemark an die Küste, um dann am nächsten Morgen die Fähre zu nehmen. Natürlich war das nicht ohne neue Probleme möglich, denn Dänemark verhängte kurz zuvor neue Reisebeschränkungen und eine Einreise mit einer Übernachtung war ungewiss. Ich denke in der ganzen Zeit haben wir gelernt mit neuen Gegebenheiten umzugehen und spontan umzuplanen, ohne unseren Traum vor den Augen zu verlieren.

Ungewiss nach Dänemark

Unsere Europa-Tour startete mit Ungewissheit und etwas Risiko an die dänische Küste. Es war die erste lange gemeinsame Fahrt mit dem Wohnmobil. Zugegebenermaßen etwas furchteinflößend mit diesem riesigen Wohnmobil unterwegs zu sein. Je weiter wir fuhren, umso vertrauter wurden wir jedoch mit dem fahrenden Zuhause. Den Sonnenuntergang ließen wir bei Hamburg hinter uns und verschwanden in die Nacht nach Dänemark. An der Grenze warteten bereits dänische Soldaten, umhüllt von Flutlichtern, auf Einreisende und winkten alle Fahrzeuge heraus. Ein freundlicher Soldat fragte uns nach unserem Reiseziel und ließ uns aufgrund unserer sehr frühen Fährabfahrt am nächsten Morgen weiterfahren. Mit der Durchfahrt haben wir unsere Sorgen hinter uns gelassen. Enorme Erleichterung nach Monaten der Ungewissheit, ständig wechselnder Pläne und neuer Steine, die immer wieder in den Weg geworfen wurden. Die Freiheit wartete auf uns.

Unsere erste Nacht im Wohnmobil verbrachten wir direkt am Meer in der Nähe der Fähre. Meeresrauschen begleitete uns beim Einschlafen. Trotzdem waren wir aufgeregt auf die Fähre nach Norwegen und was uns dort erwarten würde. Wir waren noch nie in Norwegen. Das Land begrüßte uns am nächsten Tag nach einer ruhigen Fährfahrt mit sonnigem Wetter und einem Besuch am ersten See. Wir haben es geschafft und unser Leben im Wohnmobil konnte endlich beginnen.

Zwei Monate in Skandinavien

Nun sind wir seit über zwei Monaten in Skandinavien unterwegs und haben bereits unfassbar schöne Orte und wilde Landschaften erkundet, tolle Menschen kennengelernt und lieben es nach wie vor in unserem Wohnmobil die Länder zu entdecken und immer woanders aufzuwachen.

Vor allem Norwegen überrascht hinter jeder Ecke mit einer noch schöneren Landschaft als zuvor. In Norwegen wird der bekannte Satz: "Der Weg ist das Ziel" durchaus gerecht. Denn nicht nur die Hotspots wie Preikestolen, der Geiranger Fjord oder die Lofoten waren ein Highlight, nein auch die Wege dazwischen. Wir empfehlen auf jeden Fall auch mal abgelegene Straßen zu befahren, auch wenn diese mit viel Adrenalin bei entgegenkommenden Verkehr einhergehen. Schweden begrüßte uns bei bestem Wetter mit Rentieren und unserer ersten Nacht unter starken Polarlichtern. Ein unvergessliches Erlebnis.

Wenn man so will hat die Corona-Pandemie dann doch auch etwas Gutes: Die Hotspots waren bedeutend leerer und auch sonst standen wir oft allein oder nur mit sehr wenigen weiteren Campern auf den Campingplätzen. Sehr zu empfehlen ist zum Beispiel der Campingplatz Oldevatn mit einem wundervollen Ausblick auf türkis-blaues Wasser.

Wir haben in der Zeit als Camping-Neulinge enorm dazugelernt und unser Wohnmobil wurde für uns ein kleines Zuhause. Wir bereuen überhaupt nicht, dass wir nicht nach Neuseeland konnten und sind überzeugt, dass Europa uns auf unserer Europa-Tour viel mehr Abwechslung in Landschaft und Kultur bieten wird. Es war die richtige Entscheidung nicht in die Ferne zu verschwinden, sondern vor der Haustür in die Freiheit zu rollen.

Lust bekommen, auch einmal einen Roadtrip mit dem Camper auszuprobieren? Hier findest du unsere besten Tipps und Tricks für Einsteiger:

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Danny Giebe ist mit seinem Partner Tim im Wohnmobil auf Europa Tour. Beide arbeiten ortsunabhängig und dokumentieren ihre Reiseerlebnisse sowie Tipps und Erfahrungen rund um die Themen ortsunabhängiges Arbeiten, digitale Produktentwicklung und Camping auf ihren Instagram-Kanälen @solonomade und @_mittim sowie ihrem Blog Solonomade.

Bilder: © Danny Giebe

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