Campingplatz-Kosten: So teuer ist der Campingurlaub wirklich

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Wie teuer ist der durchschnittliche Campingplatz in Europa? Mit was für zusätzlichen Kosten muss ich im Campingurlaub rechnen? In diesem Ratgeber geben wir einen Überblick über die Kosten, die auf einem Campingplatz anfallen und verraten nützliche Tricks, um im Campingurlaub Geld zu sparen.

Camping gilt im Unterschied zu Pauschalreisen oder einem All-Inklusive-Urlaub als besonders kostengünstige Reiseform. Allerdings wird es seit Jahren auch immer beliebter und wo die Nachfrage wächst, steigt auch der Preis. Dazu kommt: Neben dem reinen Preis für die Übernachtung, gibt es etliche Nebenkosten, die man im ersten Moment nicht unbedingt bedenkt.

Um dir die Planung ein wenig zu erleichtern, begeben wir uns in diesem Artikel auf Spurensuche und schlüsseln verschiedene Posten auf, die auf den meisten Campingplätzen anfallen. Dazu zählen: Übernachtungspreise, Kosten für Strom und Duschen, Gebühren für Animation und Pools sowie individuelle Nebenkosten. Mit dieser Kostenübersicht bekommst du einen guten Überblick, wieviel der Campingurlaub ungefähr kosten wird und kannst entsprechend planen.

Übernachtungskosten auf dem Campingplatz

Frau im Campingstuhl vorm Wohnmobil.
© Andrey Armyagov - stock.adobe.com

Die Übernachtungskosten auf einem Campingplatz variieren je nach Standard, Lage und Angebot der Anlage sowie Saison. Die Grundregel ist recht einfach: Große, moderne und umfassend ausgestattete Plätze sind in der Regel teurer als Naturcampingplätze oder Campinganlagen mit vergleichbar geringer Ausstattung.

Für den Vergleich potenzieller Reiseländer äußerst praktisch ist zudem der ADAC-Durchschnittspreis. Dabei ermittelt der ADAC die durchschnittlichen Übernachtungskosten für eine Übernachtung auf einem Campingplatz für eine 3-köpfige Familie (2 Erwachsene, 1 Kind) in der Hochsaison. Ergebnis: Deutschland, Schweden und Österreich sind recht günstige Reiseländer für Camper. Bei Reisen nach Spanien, Frankreich oder in die Schweiz musst du mit höheren Kosten kalkulieren. Am teuersten sind die Campingplätze in Italien.

Durchschnittliche Preise für eine Nacht auf einem Campingplatz (Stand 2019):

  • Deutschland – 30,31 €
  • Schweden – 31,46 €
  • Österreich – 37,02 €
  • Frankreich – 38,54 €
  • Kroatien – 38,66 €
  • Niederlande – 39,75 €
  • Spanien – 40,42 €
  • Dänemark – 42,02 €
  • Schweiz – 44,90 €
  • Italien – 48,35 €

Wichtig: Bei diesem durch den ADAC ermittelten Durchschnittspreis sind bereits folgende Aspekte berücksichtigt worden:

  • Stellplatz für das Auto, Wohnmobil, Zelt oder Wohnwagen
  • 5 kW Stromverbrauch
  • Drei Mal duschen mit warmem Wasser
  • Mögliche Kurtaxen

Unterschiedliche Kosten in der Haupt- und Nebensaison

Für die Planung der Kosten ist auch die Reisezeit von entscheidender Bedeutung. Nicht nur auf besonders beliebten und hoch bewerteten Campingplätzen können sich die Preise in der Haupt- und Nebensaison deutlich unterscheiden. Deshalb solltest du einen genauen Blick auf die jeweiligen Preistabellen werfen: Gerade bei längeren Aufenthalten kann es sich lohnen, den Urlaub im Zweifelsfall um eine Woche zu verschieben und den Geldbeutel zu schonen.

Die höchsten Preise sind in der Regel in den Sommermonaten, an Feiertagen und insbesondere während der Ferienzeit zu erwarten. Diese alljährlichen Stoßzeiten solltest du, wenn möglich, umgehen. In den Alpenländern haben viele Campingplätze zudem auch zum Wintercamping geöffnet und sind zu dieser Zeit nicht wirklich preiswerter, da gerade in Skigebieten die Winterzeit die zweite Hochsaison ist. In der Regel lässt sich mit Camping in der Vorsaison und im Herbst oder aber Wintercamping in Ländern wie Spanien oder Italien bares Geld sparen.

Lage und Ausstattung des Stellplatzes

Auf vielen Campingplätzen spielt auch die Lage des jeweiligen Stellplatzes eine erhebliche Rolle bei der Preisgestaltung. Der Klassiker: Standplätze mit Blick auf das Meer oder einen See. Diese Plätze sind fast immer teurer als reguläre Stellplätze, vor allem wenn sie sich in der ersten Reihe am Wasser befinden. Exklusivität muss eben auch beim Camping extra bezahlt werden.

Stellplätze in besonders ruhiger Lage sind manchmal ebenfalls mit höheren Kosten verbunden. Außerdem spielen die Ausstattung und die Größe der Stellplätze eine Rolle. Solche mit einem eigenen Wasser- und Stromanschluss sind teilweise in einer höheren Preiskategorie angesiedelt als Standplätze ohne entsprechende Infrastruktur. Auf vielen Campingplätzen wird dazu zwischen Premium- und Standard-Standplätzen unterschieden. Auch Stellplätze für größere Reisemobile (Maxi-Stellplätze) können zusätzlich kosten.

Sind Mietunterkünfte und Mobilheime teurer als der Stellplatz?

Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält: Mobilheime und andere Mietunterkünfte sind auf Campingplätzen immer teurer als ein regulärer Stellplatz. Für viele Campingplätze mag das durchaus zutreffen. Allerdings lohnt es sich, die Kosten genau zu vergleichen. Gerade bei Stellplätzen in Top-Lage und mit voller Strom- und Wasserversorgung kann eine Mietunterkunft letztlich sogar preiswerter sein. Schau dir zum Thema diesen Artikel an: Camping in Mietunterkünften: Tipps und Vorteile

Nebenkosten auf dem Campingplatz

Ein Schild, das den Weg zur Toilette zeigt.
© Roadfun - stock.adobe.com

Neben den reinen Kosten für den Stellplatz oder die Mietunterkunft lohnt sich auch ein genauer Blick auf die zu erwartenden Nebenkosten. Am einfachsten planen kannst du mit den sogenannten Fixkosten. Diese (meist täglichen) Nebenkosten musst du in jedem Fall entrichten, allerdings haben die Campingplätze in Deutschland und in Europa hierzu ganz unterschiedliche Regelungen getroffen. Bei manchen Campingplätzen werden die Nutzung von Strom, Duschen, Freibädern & Co. pauschal im Standplatz-Preis angeschlossen, während sie bei anderen Campingplätzen individuell abgerechnet werden. Was vorteilhafter für dich ist, hängt davon ab, wie intensiv du welche Angebote nutzen möchtest.

Stromverbrauch auf dem Campingplatz

Der Stromverbrauch ist ein wichtiger Faktor bei der Kalkulation der Gesamtkosten. Bei einigen Campingplätzen wird eine Tagespauschale erhoben, die in der Standplatzmiete gleich inklusive ist. Andere entscheiden sich für die genaue Abrechnung über einen Zähler. Als Richtwert gilt: Pro Tag werden auf dem Campingplatz rund fünf Kilowattstunden verbraucht.

Im Gegensatz zum Sommercamping sieht es beim Wintercamping bei der Preisgestaltung der Stromkosten etwas anders aus. Hier ist der Bedarf an Strom meist erheblich höher. Deshalb erhöhen die meisten Campingplätze im Winter die Strompauschale oder entscheiden sich für eine centgenaue Abrechnung der Stromkosten.

Duschen mit Zeitdruck

Auch die Wasserkosten eines Campingplatzes werden entweder als Pauschalpreis oder individuell getaktet auf die Urlauber umgelegt. Heißt: Der Wasserverbrauch, z.B. beim Duschen, wird genau erfasst und abgerechnet. Je nach Ausstattung der Anlage werden die Duschkosten beispielsweise mittels einer Magnetkarte oder eines Armbandes erfasst. Andere Campingplätze setzen auf das bewährte Münzsystem oder Duschmünzen, die man an einem Automaten oder an der Rezeption gegen eine Gebühr kaufen kann.

Mit der Aktivierung der Dusche wird für ein bestimmtes Zeitintervall warmes Wasser bereitgestellt, meist um die 5 Minuten. Über die jeweiligen Zeitintervalle entscheiden die Campingplätze selbst. Außerdem entscheidet auch jeder Camper wie häufig und lange er duschen möchte. Wenn das eigene Wohnmobil oder der Camper über ein Bad verfügt und die Duschanlage des Campingplatzes nicht genutzt wird, ist die individuelle Taktung gegenüber der Pauschale von Vorteil. Hier müssen dann die Kosten für das Auffüllen des Wassertanks und Strom beziehungsweise Gas für das Aufheizen des Wassers einkalkuliert werden.

WLAN und mobiles Internet

Wer kennt es nicht? Mobilfunkverträge mit begrenztem Datenvolumen, schlechte Netzabdeckung, besonders auf abgelegenen Campingplätzen. Daher ist WLAN auf dem Campingplatz ein geschätztes Angebot. Die Bereitstellung handhaben die Anlagen auf unterschiedliche Art und Weise.

Bei einigen Plätzen ist die Nutzung komplett kostenlos oder in der Standplatzmiete inbegriffen. Andere wiederum rufen für die Nutzung je nach Zeitraum unterschiedliche Preise auf. Meist gilt: Je länger der Aufenthalt, desto günstiger die Kosten für das WLAN.

Nutzung von Waschmaschine und Trockner

Bei einem längeren Aufenthalt auf einem Campingplatz muss man vielleicht auch mal eine Waschmaschine oder den Trockner benutzen. Gerade Familien mit Kindern wissen diesen Service zu schätzen, der auf den meisten Anlagen jedoch kostenpflichtig ist. Ähnlich wie in einem Waschsalon wird pro Wasch- und Trocknerladung abgerechnet. Dabei kann direkt mit Bargeld bezahlt oder ein Münzsystem des Platzes in Anspruch genommen werden. Wer hier Geld sparen möchte, benutzt eine eigene Camping-Waschmaschine.

Animation, Pools, Saunas & Fitnessräume

Ein Pool auf einem Campingplatz
© Michal Adamczyk - stock.adobe.com

Ein weiterer Punkt sind die Serviceangebote des Campingplatzes. Die Kostenpflichtigkeit wird von Platz zu Platz unterschiedlich geregelt. Auf vielen Campinganlagen sind Serviceleistungen bereits inklusive, manchmal werden aber auch Gebühren erhoben.

Übliche inklusive Services sind: Nutzung von Pools, Sauna oder Fitnessräumen, Kinderanimation oder die Teilnahme an Kursen. Hier lohnt sich der genaue Blick auf die Campingplatzbeschreibung und mögliche Nebenkosten, die sich im Laufe eines Urlaubs summieren können. Anwendungen im Wellnessbereich wie Massagen sind fast immer kostenpflichtig, da diese Leistungen extra gebucht werden.

Umweltabgabe oder Müll- bzw. Abwassergebühren

Ebenfalls zu beachten sind die Umweltabgabe oder die Müll- bzw. Abwassergebühren, die auf vielen Campingplätzen verlangt werden. Damit legen die Campingplätze die Kosten für die Entsorgung von Abfällen und/oder Abwasser auf die Camper um. So wird beispielsweise vom Camping Zeh am See in Bayern eine Umweltabgabe in Höhe von 2,10 Euro pro Tag und Stellplatz erhoben. Andere Anlagen wie der Campingplatz Schiefer Turm in Kitzingen haben diese Preise in der Stellplatzmiete inkludiert.

Hunde kosten meistens extra

Der Urlaub mit dem geliebten Vierbeiner ist beim Camping häufig mit weiteren Kosten verbunden. Dabei musst du mit einem Kostenaufwand von drei bis fünf Euro pro Tag für den Hund kalkulieren.

Brötchenservice und Shop auf dem Campingplatz als Nebenkosten

Die Kosten für Dinge des täglichen Bedarfs verlieren viele Camper aus den Augen. Der Brötchenservice ist schnell gebucht, auch der Shop wird im Verlauf des Urlaubs gerne angesteuert. Beide erweisen sich für den Campingplatz als lukrative Einnahmequelle, da die Preise für Lebensmittel, Eis oder Grillutensilien meist etwas höher als im Supermarkt oder im Laden für Campingzubehör sind. Wer nach einem Sparpotenzial für seinen Campingurlaub sucht, dürfte an dieser Stelle auf jeden Fall fündig werden.

Kosten für Boots- und Fahrradverleih

Die traumhafte Lage an einem See, einem Fluss oder anderen reizvollen Landschaften lässt bei vielen Campern den Wunsch wachsen, die Wasserwege mit einem Boot oder die Region mit einem Fahrrad zu erkunden. Zahlreiche Campingplätze in Deutschland und Europa bieten deshalb einen Boots- und Fahrradverleih.

Der Tagespreis für ein Boot, Kajak oder Kanu liegt durchschnittlich bei rund 20 Euro. Beim Fahrradverleih gibt es eine Unterscheidung zwischen dem klassischen Fahrrad und einem E-Bike. Bei der klassischen Ausführung starten die Preise bei 8 Euro pro Tag und reichen bis 15 Euro. E-Bikes hingegen sind etwas teurer. Hier beginnt der Einstieg ab 15 Euro und der Durchschnittspreis liegt bei 20 Euro. Selbstverständlich gibt es preisliche Ausnahmen, die günstigere oder höhere Preise verlangen.

Tipp: Wer seine Kosten umfassend im Blick behalten möchte, sollte bereits vor dem Beginn des Campingurlaubs die Gesamtpreise verschiedener Campingplätze miteinander vergleichen. Eventuell kompensieren inkludierte Serviceleistungen und Angebote die höhere Miete für einen Stellplatz.

Individuelle Nebenkosten: Maut, Sprit, Verpflegung

Zum Schluss sind noch individuelle Kosten, die stark vom Reiseziel und den persönlichen Vorlieben abhängen, zu betrachten. Ein wichtiger Punkt, gerade bei größeren Strecken und längeren Anfahrtswegen sind die Kosten für den Kraftstoffverbrauch. Ein regulärer Campervan verbraucht pro 100 Km ungefähr 10 Liter. Hierbei spielen aber Faktoren wie die Beschaffenheit der Strecke und die Größe des Reisemobils eine große Rolle.

Ebenfalls nicht außer Acht lassen sollte man die Mautkosten, die in vielen europäischen Ländern anfallen. Infos dazu gibt es in diesem Artikel: Maut und Gebühren: Der große Europa-Guide. Und auch die Verpflegungskosten sind ein Kostenfaktor: Am meisten Geld sparen kann man als Selbstversorger. Viele Campingplätze bieten neben Restaurants für das Zubereiten von Mahlzeiten auch Kochgelegenheiten, mit denen man sich das Essen einfach selbst zubereitet. Wer noch unabhängiger sein möchte, installiert eineCampingküche im Fahrzeug.

Author: Riko Wetendorf