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Die große Ungarn-Rundreise: 1.300 Kilometer Abenteuer
Badeurlaub am Balaton kennt jeder – aber Ungarn kann so viel mehr! In diesem Artikel stellen wir eine 14-tägige Camper-Rundreise, die euch die volle Bandbreite von Ungarn zeigt: Pulsierende Metropolen, wilde Steppenlandschaften, prächtige Kulturschätze und dampfende Thermalquellen. Ein spannender Roadtrip voller Kontraste.
Ungarn ist zwar schon seit über 20 Jahren Mitglied der Europäischen Union. Als Reiseziel ist Ungarn für viele trotzdem immer noch Neuland. Vielleicht mit Ausnahme des Balaton-Sees, der zur Zeit des Eisernen Vorhangs ein extrem beliebtes Sommerreiseziel für Camper aus der DDR war – und Schauplatz so manch Treffens zwischen West und Ost. Inzwischen ist der Gulaschkommunismus nur noch eine ferne Erinnerung, viele fahren heute eher Richtung Alpen oder Adria. Ungarn selbst hat aber nichts von seiner Faszination verloren.
Zu sehen gibt es in dem Land im Herzen Europas einiges: Majestätische Jugendstil-Paläste in Budapest, die endlosen Weiten der Puszta bis hin zu mediterran angehauchten Gassen im geschichtsträchtigen Süden. Wer sich auf Ungarn einlässt, wird mit einem extrem vielseitigen Roadtrip-Paradies belohnt, das sowohl grandiose Natur und eine tief verwurzelte Kultur bietet. In diesem Artikel stellen wir euch dazu eine 14-tägige Route für eine komplette Rundreise vor – natürlich auch mit einem Abstecher zum berühmten Balaton. Aber auf diesem Trip werdet ihr noch viel mehr entdecken!
Praktische Tipps
Für die Anreise habt ihr zwei Optionen: Entweder die schnelle Autobahnroute über Passau und Wien direkt über die Grenze ins ungarische Nickelsdorf. Alternativ fahrt ihr ab Passau auf malerischen Landstraßen entlang der Donau durch die idyllische Wachau. Beide Wege führen zum Startpunkt nach Budapest, wo das zweiwöchige Camper-Abenteuer beginnt. Beachtet, dass ihr für die ungarischen Autobahnen zwingend eine elektronische Vignette benötigt(E-Matrica), die ihr am besten vorab online über das offizielle Portal kauft.
- Hier unbedingt auf das Gesamtgewicht des Reisemobils beachten: Fahrzeuge über 3,5 Tonnen müssen seit 2026 eine neue E-Vignette anstelle des alten HU-GO-LKW-Mautsystems nutzen.
- Die Kontrollen auf den Strecken erfolgen vollautomatisch über Kamerasysteme, daher solltet ihr den Kauf rechtzeitig vorher erledigen, um Strafen zu vermeiden
- Wenn ihr es im Eifer des Gefechts doch vergesst: Es gilt die 60-Minuten-Regel. Wer innerhalb von einer Stunde nach Passieren der ersten Kamera eine Vignette nachbucht, muss keine Strafe zahlen.
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Freistehen oder Wildcamping ist in Ungarn verboten und wird besonders in den Nationalparks wie der Puszta mit Bußgeldern geahndet. Zum Glück ist das Land hervorragend auf Camping-Touristen eingestellt, sodass man flächendeckend gut ausgestattete und meist preiswerte Campingplätze findet, häufig direkt an den Highlights. Ein Tipp zum Bezahlen: Obwohl Ungarn Mitglied der EU ist, wird mit dem Ungarischen Forint (HUF) bezahlt. Daher solltet ihr für kleinere Einkäufe (Bäcker, traditionelle Märkte etc.) immer etwas Bargeld mitführen sollten. An Tankstellen, Campingplätzen und Supermärkten ist die Kartenzahlung per Visa oder Mastercard hingegen Standard.
| Praktische Informationen zur Camping-Tour | |
|---|---|
| Route | Budapest - Szentendre - Visegrád - Eger - Hercegkút - Hortobágy - Tiszafüred - Szeged - Pécs - Keszthely - Hévíz - Révfülöp - Tihany - Pannonhalma - Győr - Budapest |
| Strecke | ca. 1.365 km |
| Fahrtzeit | 14 Tage |
| Highlights | Ruinenbars in Budapest, Steinkeller von Hercegkút, Steppenlandschaft der Puszta, Nekropole von Pécs, Camping am Balaton |
| Beste Reisezeit | Mai - Juni, die Hauptsaison im Juli & August ist gut zum Baden, auf den Campingplätzen herrscht zu dieser Zeit aber viel Betrieb |
| Maut | Für alle Autobahnen und Schnellstraßen ist eine elektronische Vignette erforderlich, für Camper bis 3,5 Tonnen reicht eine PKW-Vignette, schwere Reisemobile über 3,5 Tonnen benötigen eine spezielle Vignette |
Auf den Spuren von Barock und Wein im Norden
Los geht’s in der Metropole Budapest – einer spannenden Mischung aus Wien und Berlin im Kleinformat. Klassische Sehenswürdigkeiten sind die prachtvolle Fischerbastei und das monumentale Parlamentsgebäude direkt an der Donau. Weltberühmt ist die Stadt aber auch für ihre Ruinenbars (Romkocsmák), die in alten, halb verfallenen Fabriken eingerichtet wurden. Nach einer entspannten Auszeit im historischen Széchenyi-Heilbad fahren wir nach Norden zum malerischen Donauknie. Hier schmiegt sich das charmante Künstlerstädtchen Szentendre mit seinen bunten Galerien an das Flussufer. Etwas weiter flussaufwärts bietet die geschichtsträchtige Burgruine von Visegrád einen tollen Panoramablick über das tief eingeschnittene Flusstal.
Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Osten, wo uns die sanften Ausläufer des Bükk-Gebirges erwarten – die perfekte Kulisse für die barocke Perle Eger. Die historische Festung und das markante osmanische Minarett erzählen von bewegten Zeiten, während das nahegelegene „Tal der schönen Frau“ zu einer Verkostung des berühmten Rotweins einlädt. Kulinarische Highlights bietet auch die Tokaj-Region, die heute zum UNESCO-Welterbe zählt. Zauberhaft ist vor allem das idyllische Weindorf Hercegkút mit seinen dreieckigen Steinkellern, die aus den saftig grünen Hügeln ragen – fast wie die Hobbit-Häuser aus „Herr der Ringe“, nur in echt!
Campingplatz-Tipp: Öco-Camping & Glamping Tiszadada
Durch die endlose Weite der Puszta in den sonnigen Süden
Unsere weitere Reise führt anschließend mitten hinein in den Hortobágy-Nationalpark und die legendäre Puszta – die größte zusammenhängende Grassteppe Europas. Diese schier unendlich weite, häufig baumlose Landschaft ist berühmt für die weißen Rinder mit langen Hörnern und ist außerdem ein echtes Paradies für Vogelbeobachter. Traditionelle Reitershows der Hirten sorgen für ein bisschen Wildwest-Romantik. Nach einer erholsamen Nacht auf Dieter’s Camping im nahegelegenen Tiszafüred nehmen wir dann Kurs auf den tiefen Süden des Landes.
Das nächste Ziel ist die lebendige Universitätsstadt Szeged mit ihren prachtvollen Jugendstil-Bauten und der gigantischen Votivkirche an der Uferpromenade. Hier lohnt sich ein ausgiebiger Spaziergang durch die sonnenverwöhnte Fußgängerzone, bevor wir uns in einem traditionellen Gasthaus die berühmte Szegediner Fischsuppe gönnen (Tipp: Kiskörössy Fish Tavern, direkt am Ufer der Theiß). Danach führt die Route durch das sanfte Hügelland der Baranya-Region zur fast schon mediterran angehauchten Kulturstadt Pécs am Fuße des Mecsek-Gebirges.
Mediterranes Flair und Wellness am Ungarischen Meer
In Pécs tauchen wir in eine faszinierende Mischung aus Orient und Okzident ein. Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in der ehemaligen osmanischen Moschee von Pascha Gasi Kassim, die heute wieder eine Kirche ist – wahrscheinlich die einzige auf der Welt, in der ein christliches Kreuz direkt aus einem islamischen Halbmond herauswächst. Sehenswert sind auch die frühchristlichen Grabstätten aus dem 4. Jahrhundert. Rund um den prächtigen Dom von Pécs und direkt unter den Straßen der Altstadt erbauten die frühen Christen eine riesige Totenstadt, heute UNESCO-Welterbe.
Nach diesem Kulturstopp geht’s dann zum Balaton, dem unangefochtenen Camper-Highlight Ungarns. Der größte Binnensee Mitteleuropas verdankt seinen legendären Ruf vor allem dem angenehm warmen Wasser und optimalen Windbedingungen, die ihn zu einem Eldorado für Segler, Surfer und Stand-up-Paddler machen. Wer die Badehose gegen das Fahrrad tauscht, kann den See aber auch auf dem Balaton-Radweg umrunden oder entspannte Touren entlang der weiten Weinberge am Nordufer unternehmen. Perfektes Seefeeling bietet das weitläufige Balatontourist Camping Napfény in Révfülöp – direkt am Ufer gelegen, mit einer 200 Meter langen Liegewiese und sogar einem eigenen Strandabschnitt.
Über geschichtsträchtige Abteien zurück zur Donau
Im letzten Abschnitt der Tour umrunden wir den Plattensee entlang des hügeligen Nordufers. Ein Highlight ist hier die malerische Halbinsel Tihany, auf der historische Reetdachhäuser und eine majestätische Abtei zwischen weiten Lavendelfeldern hoch über dem türkisblauen Wasser des „Ungarischen Meers“ thronen. Über die tausendjährige Erzabtei Pannonhalma geht es dann weiter nach Győr. Das ist eine der schönsten Barockstädte des Landes – mit ihren verwinkelten Gassen und prachtvollen Palästen ist sie wie gemacht für einen ausgiebigen Altstadtbummel.
In Győr schließt sich der Kreis. Über die gut ausgebaute Autobahn geht es auf der letzten kurzen Etappe ganz entspannt zurück nach Budapest. Hier gönnen wir uns vielleicht noch einen letzter Gulasch in der Großen Markthalle, um die vergangenen zwei Wochen Revue passieren zu lassen. Wer ein bisschen mehr Zeit hat, bleibt ein paar weitere Tage, um die Umgebung zu erkunden. Eine ideale Basis dafür ist das zentrale und dennoch sehr grüne Arena Camping Budapest mitten in der City. Für die Heimreise können wir alternativ auch über eines der Nachbarländer zurückfahren, z.B. Slowenien.
Artikelbild: Wikimedia Commons/Jakub Hałun