Rumänien-Rundreise: Mit dem Camper zu den Legenden Transsilvaniens

Artikel von: Selim Baykara (5 min Lesedauer) 22.06.2026

Traumhafte Landschaften zwischen Hochgebirge und den größten Wäldern Europas, wunderschöne mittelalterliche Städte – und viel Geheimtipp-Charakter: Rumänien zählt derzeit zu den spannendsten Destinationen für abenteuerliche Roadtrips in Europa. In diesem Artikel stellen wir eine komplette Route zum Nachfahren für Camper vor.

Inhaltsverzeichnis

Morgennebel kriecht durch dichte, tiefgrüne Fichtenwälder. Am Horizont zeichnen sich die schroffen, Gipfel der Karpaten ab, während im Tal die spitzen Türme einer jahrhundertealten Kirchenburg im ersten Sonnenlicht aufleuchten. Wer bei Rumänien und der historischen Region Transsilvanien nur an düstere Dracula-Legenden denkt, verpasst eines der letzten echten Campingparadiese Europas.

In diesem Artikel stellen wir eine spannende Route vor, die euch in zehn Tagen und auf rund 1.000 Kilometern einmal quer durch das faszinierende Herz Transsilvaniens führt: Die Region Siebenbürgen. Nach dem Start in der pulsierenden Hauptstadt Bukarest geht es direkt hinein in die spektakuläre Bergwelt der Karpaten mit weltberühmten Burgen wie Bran und Corvinus und einigen der schönsten mittelalterlichen Städte Europas.

Praktische Tipps

Generell ist Rumänien ein sicheres Reiseland, die Gastfreundschaft ist riesig. Wir empfehlen dennoch, in den Städten bewachte Campingplätze zu nutzen. Freistehen ist recht beliebt. In den Naturreservaten ist es aber streng verboten – nicht zuletzt, weil die dichten Wälder der Karpaten Europas größte Population an Braunbären beherbergen. Die Nationalstraßen sind in der Regel gut ausgebaut, Autobahnen sind aber selten. Plant daher immer 35-40 % mehr Fahrzeit ein, als Google Maps und Co. anzeigen. Für Rumänien benötigt ihr zudem auf allen Straßen zwingend die digitale Vignette (Rovinieta), die ihr vorab online beantragen könnt.

Praktische Informationen zur Camping-Tour
Route Bukarest - Brașov - Bran - Biertan - Sighișoara - Cluj-Napoca - Turda - Alba Iulia - Hunedoara - Sibiu - Pitești – Bukarest
Strecke ca. 1.100 km
Fahrtzeit rund 10 Tage
Highlights Dracula-Schloss, Festungsstadt Sighișoara, Unterirdischer Freizeitpark in der Salina Turda, Corvinus-Burg in Hunedoara, Altstadt von Sibiu
Beste Reisezeit Mai – Juni, September – Oktober
Maut Für alle Straßen in Rumänien wird eine digitale Vignette (Rovinieta) benötigt. Die Kosten hängen vom Gewicht des Fahrzeugs ab, sind aber sehr niedrig.

Brasov – das Tor zu den Karpaten

Unser Rumänien-Roadtrip startet in der quirligen Metropole Bukarest. Das flache Tiefland der Walachei lassen wir aber schnell hinter uns und folgen dem Prahova-Tal nach Norden. Hier hat sich der gleichnamige Fluss tief in die Südkarpaten gegraben. Die landschaftlich schöne Bergstraße führt uns vorbei an dichten Nadelwäldern und sprudelnden Gebirgsbächen hinauf in die frische Höhenluft Später ragen die mächtigen Steilwände des Bucegi-Gebirges links und rechts der Straße auf, die schroffe Gipfel sind oft von dichten Nebelschwaden umhüllt – ein stimmungsvolles Bild.

Schließlich erreichen wir unser erstes Etappenziel, die geschichtsträchtige Stadt Brașov. Hier lohnt sich ein Zwischenstopp, um die monumentale Schwarze Kirche und den barocken Rathausplatz zu erkunden. Über den geschwungenen Rucăr-Bran-Pass, der sich malerisch zwischen den Karpatengipfeln hindurchschlägelt, steuern wir anschließend das weltberühmte Schloss Bran an. Die legendäre „Dracula-Burg“ thront spektakulär auf einem Felssporn über einer engen Schlucht. Nur wenige Kilometer weiter erklimmen wir die nahegelegene Festung Râșnov, die uns mit einem grandiosen Rundblick über das gesamte Rosenauer Becken belohnt.

Campingplatz-Tipp: Vampire Camping Bran

UNESCO-Schätze im siebenbürgischen Hügelland

In Făgăraș startet die berühmte Transfăgărășan-Höhentraße. Auf unserer Tour umfahren wir die weltbekannte Passstraße durch das raue Hochgebirge allerdings und halten uns westlich. Die Berge werden im weiteren Verlauf zu einem sanften Hügelland. Die Straßen führen durch breite, friedliche Täler, in denen kleine Flüsse die Schafweiden durchschneiden und alte Weidenbäume die Ufer säumen. Entlang von Weilern wie Cinku und Agnita fahren wir immer tiefer in das ländliche Herz Siebenbürgens hinein.

Unser nächstes Ziel ist das beschauliche Dorf Biertan, bekannt für die gewaltige, dreifach umwallte UNESCO-Kirchenburg, die weithin sichtbar auf einem Hügel thront. Im Inneren der Wehrkirche faszinieren das historische „Ehescheidungsgefängnis“ und der riesige, kunstvolle Flügelaltar. Nur eine kurze Fahrt durch die idyllischen Hügelkuppen entfernt empfängt uns Sighișoara. Das bunte Städtchen gilt als die besterhaltene bewohnte Festungsstadt Europa, der historische Stadtkern wurde 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Das sollte man sich natürlich nicht entgehen lassen! Zu den Highlights zählen der historische Stundenturm und die überdachte Schülertreppe, die hinauf zur Schäßburger Bergkirche mit ihren spitzen Glockentürmen führt.

Campingplatz-Tipp: Camping De Oude Wilg

Flusstäler und Freizeitparks unter der Erde

Anschließend geht es in einer langen Schleife nach Nordwesten: Ab Târgu Mureș schneller auf der Autobahn A3, landschaftlich aber viel schöner auf der Nationalstraße 15 entlang des Flusses Mureș. Schließlich erreichen wir Cluj-Napoca, das urbane Kulturzentrum der Region, das ein überraschend modernes Flair verströmt. Die Stadt begeistert neben der monumentalen St.-Michaels-Kirche auf dem riesigen Hauptplatz mit dem weitläufigen Botanischen Garten und einer hippen, studentischen Café-Szene rund um den Museumsplatz.

Das berühmte Dracula Schloss Bran. Bild: Wikimedia Commons/Todor Bozhinov

Der nächste Abschnitt der Tour folgt dem Fluss Arieș und führt uns zur Kleinstadt Turda. Hier verbirgt sich unter der Oberfläche ein fast schon surreales Highlight: die Salzmine Salina Turda. Das ist eines der ältesten Salzbergwerke Rumäniens – noch faszinierender ist aber, dass es heute zu einem unterirdischen Freizeitpark umgebaut wurde. In den über 100 Meter tiefen Hallen der Rudolf-Mine kann man heute Riesenrad fahren, in der Terezia-Mine auf einem unterirdischen Salzsee paddeln. Zurück an der Oberfläche fahren wir weiter nach Alba Iulia, wo uns gleich die nächste Top-Attraktion erwartet: die sternförmige Festung Alba Carolina mit sechs prachtvollen Barocktoren und einer historischen Wachwechsel-Zeremonie.

Sibiu und das spektakuläre Olt-Tal

Der letzte Teil unserer Reise führt uns zunächst zur spektakulären Corvinus-Burg in Hunedoara. Mit ihren spitzen, roten Türmen, der tiefen Zugbrücke über einem schwindelerregenden Graben und den riesigen Rittersälen wirkt die Burg eindrucksvoller als so mache Filmkulisse. Von dort aus geht es weiter nach Sibiu, der schönsten Stadt in Siebenbürgen. Gegründet wurde sie im 12. Jahrhundert von sächsischen Siedlern. Heute fasziniert die ehemalige Kulturhauptstadt Europas (2007) durch ihre perfekt erhaltene mittelalterliche Altstadt und die berühmten „Häuser mit Augen“. Die Dachaufbauten der alten Speicherhäuser sehen aus wie schläfrige Augen, die auf die Plätze hinabsehen – ein weltberühmtes Fotomotiv.

Campingplatz-Tipp: Camping Ananas Sibiu

Der krönende landschaftliche Abschluss unseres Roadtrips ist dann die Fahrt nach Süden durch das wildromantische Olt-Tal auf der Nationalstraße DN7. Der Olt, Rumäniens längster innerer Fluss, hat sich hier eine spektakuläre, über 30 Kilometer lange Schlucht direkt durch die Transsilvanischen Alpen gegraben. Eingebettet zwischen den steilen Felswänden des Făgăraș- und des Lotru-Gebirges fahren wir direkt am Flussufer entlang, passieren alte Klöster und riesige Stauseen. Nach einem letzten Camper-Servicestopp am Verkehrsknotenpunkt Pitești erreichen wir dann wieder Bukarest, wo sich der Kreis schließt und eine erlebnisreiche Rundreise endet.

Titelbild: Wikimedia Commons//Todor Bozhinov

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