Camping für Einsteiger

Nackt-Camping – Urlauben, wie Gott dich schuf

Du willst den Alltag diesen Sommer komplett hinter dir lassen? Stress und Sorgen abstreifen? Dich von lästigem Ballast befreien? Dann spare dir doch gleich das leidige Packen, lasse alle Hüllen fallen und folge uns zum Nackt-Camping in den textilfreien Garten Eden.

Zusammen mit Klamotten und Hemmungen wirfst du am besten gleich alle Schönheitsideale des Instagram-Zeitalters über Bord und freust dich auf naturnahen Urlaub – ganz ohne Vorurteile und verschwitzte T-Shirts. Und das Beste: Am Ende nimmst du neben wunderbaren Erinnerungen auch ein gestärktes Immunsystem mit nach Hause.

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Nackt-Camping – Wer hat’s erfunden?

Nein, du brauchst jetzt keine verdutzten Blicke über die südliche Landesgrenze zu werfen. Denn wo der erste Nackt-Campingplatz das Licht der Welt erblickte, ist heute schwer zu sagen. Fakt aber ist, dass das Nacktsein in der Natur zu den natürlichsten Dingen der Welt gehört. Daher verwundert es kaum, dass das Baden in Seen bis ins 18. Jahrhundert meist komplett textilfrei erfolgte. Dann schwappte die Tabuisierung der Nacktheit über den Kontinent und das Adamskostüm wurde in den Schlafzimmerschrank verbannt.

Doch die erste Gegenbewegung ließ nicht lange auf sich warten: Bereits ein Jahrhundert später wurde das städtische, bekleidete Leben als spießbürgerlich abgestempelt und man lebte den Körperkult umgeben von grünen Wiesen und plätschernden Gewässern. Den Höhepunkt fand die Freikörperkultur schließlich in der DDR der 1970er Jahre. Tausende Naturisten verfielen dem neuen Nationalsport und huldigten ihm an den weiten Sandstränden der Ostsee.

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Modernes FKK-Camping: nackt, aber glücklich

Auch heute scheint das Nacktsein wieder in zu sein. Man hüpft hier und da wieder nackig in Seen und sorgt in öffentlichen Parks für streifenfreie Ganzkörperbräune. Beim Nackt-Camping steht vor allem die Rückkehr zur Natur im Vordergrund. Einfachheit, Gesundheit und das Gefühl von Freiheit und gegenseitiger Toleranz bestimmen die Ideologie der Nackt-Camper. Sexualität spielt dabei keine Rolle. Nur das nackte Miteinander. Denn so wie Gott sie schuf, ganz ohne Markenklamotten und teure Accessoires, sind alle Camper gleich.

Nackt-Camping heißt nackt campen – Ausnahmen bestätigen die Regel

Auch wenn auf unterschiedlichen Campingplätzen unterschiedliche Vorschriften herrschen, über die du dich am besten vor deiner Anreise informierst, wird beim Nackt-Camping in der Regel erwartet, dass die Hüllen fallen, sobald das Reisemobil seinen Standplatz erreicht. Die Angst, es könnte untenrum kühl werden, ist dabei eher unbegründet. Denn Nackt-Campen ist in erster Linie eine sommerliche Angelegenheit. Sollten die Temperaturen dennoch mal nicht mitspielen, darfst du dir natürlich ausnahmsweise doch mal etwas überwerfen, bevor etwas Anderes abfriert.

Auf manchen Nackt-Campingplätzen hält man sich in den öffentlichen Bereichen eh lieber etwas bedeckter. Während man hier komplett entblößt hinter der Kasse sitzt, steht man dort in Shorts und Kleid im Supermarkt Schlange. Überall jedoch gilt: Handtuch unter den Po, wenn dieser sich in seiner ganzen nackten Pracht auf den Sitzgelegenheiten des Cafés niederlässt. Denn jene alte Weisheit ist auch den Nudisten nicht unbekannt: Hygiene geht vor!

Sollte die Hemmschwelle doch noch zu hoch sein, um alle Angelegenheiten des täglichen Lebens völlig blank zu erledigen, solltest du zum Einstieg lieber einen herkömmlichen Campingplatz mit FKK-Badebereich wählen. Prüde Hobby-FKKler in Bikinihose oder T-Shirt zerstören das Bild der Gleichheit und führen zusätzlich ein Schamgefühl ein, das man erst mühsam aus dem Paradies verbannen musste.

Wohin mit Hab und Gut beim Nackt-Campen?

Während die Kleidung brav im Wagen bleibt, gehören Nackt-Camper, wie die meisten Deutschen, zu der praktischen Sorte Mensch. Taschen und Rucksäcke sind Teil der unverhüllten Standardausstattung und bewahren Handy, Schlüssel und Geldbeutel auch ohne Hosentasche wunderbar sicher auf.

Doch was, wenn gerade diese eine Zeit im Monat ansteht?, mögen sich vielleicht die Evas unter euch fragen. Ganz natürlich: Tampon rein und baumeln lassen – entweder in voller Länge oder kess gestutzt.

Nackt-Camping mit Kindern – geht das?

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Du solltest den pubertierenden Teenager vielleicht nicht gerade an dem Tag ins Nackt-Campen einführen, an dem das erste Schamhaar sich endlich den Weg ins Rampenlicht bahnt. Sobald der Spross aber mit sich und seinem Körper im Reinen ist, spricht absolut gar nichts gegen das Nackt-Campen mit Kindern oder Jugendlichen.

Viele Nackt-Campingplätze sind sogar besonders familienfreundlich eingerichtet und freuen sich über Nudisten-Nachwuchs. Dieser wiederum kann sich bei speziellen U18-Angeboten ohne elterliche Aufsicht austoben. Übergriffe auf Minderjährige sind beim Nackt-Camping eher nicht zu erwarten, da die Sexualität hier komplett in den Hintergrund tritt. Trotzdem sollten Eltern ihre Kinder vorsichtshalber aufklären, damit diese kleinste Hinweise erkennen und sofort melden können. Während Kinder in der Regel gerne gesehen sind, müssen flauschige Vierbeiner auf manchen Plätzen draußen bleiben. Wie bei klassischen Campingplätzen gilt auch beim Nackt-Camping: am besten vor der Reise online oder per Telefon informieren, ob Bello mit darf.

Nackt-Camping in der ganzen Welt

Nackt-Campingplätze findet man eigentlich überall auf der Welt. Auch in entfernten Urlaubsdestinationen wie Südfrika, Brasilien, Australien oder Thailand kannst du fündig werden. Wer die Hüllen fallen lassen will, der kann das auf allen fünf Kontinenten tun. Dabei solltest du stets die lokalen und nationalen Gesetze und Bräuche beachten, damit du nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste taumelst. Für die beliebtesten FKK-Reiseziele musst du dich übrigens längst nicht so weit bewegen. Mit Deutschland selbst, den Niederlanden, Kroatien und zu guter Letzt Frankreich sind die großen Nackt-Camping-Nationen quasi direkt vor der Haustür. In Frankreich erwartet dich übrigens der größte FKK-Campingplatz Europas, Euronat FKK Camping.

Text von Corinne Hilbert

Zu den FKK-Campingplätzen

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