Wohnmobil & Camper Van

Unabhängig im Urlaub: Wie du mit deinem Camper autark wirst

Das Interesse an autarkem Camping ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Vielen geht es dabei um Unabhängigkeit abseits der Campingplätze. Die Corona-Krise stellt nun Reisende grundsätzlich vor die Herausforderung, möglichst autark mit ihrem Wohnmobil oder Wohnwagen unterwegs zu sein.

Die Campingplätze dürfen nur unter strengen Auflagen ihre sanitären Einrichtungen öffnen oder teilweise gar nicht. Möchtest du dennoch nicht auf den Besuch deines geliebten Campingplatzes verzichten, ist der Umbau zum autarken Camper eine zwingende Notwendigkeit. Mit ein paar Tipps wollen wir dir den Einstieg in dieses Thema etwas erleichtern.

Was bedeutet autarkes Camping?

In der Vergangenheit war autarkes Camping vor allem mit dem Gedanken verbunden, sich unabhängig von klassischen Übernachtungsplätzen frei bewegen zu können. Zahlreiche Camper haben sich in diesem Zusammenhang mit dem Umbau ihres Wohnmobils auseinandergesetzt und viele interessante Ideen entwickelt, um möglichst unabhängig reisen zu können.

War das Vorhaben erst einmal in die Tat umgesetzt, galt es, die passende Reiseregion für sich zu finden. Vor allem Südeuropa, die iberische Halbinsel sowie Skandinavien gelten als Traumziele für autarke Camper. Hierbei gilt es aber die gesetzlichen Vorschriften zum Wildcamping zu berücksichtigen.

Autarkes Camping: Corona-Krise erfordert ein Umdenken beim Camping

Die Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat den Tourismus und die Campingbranche nachhaltig verändert. Zunächst mussten alle Campingplätze schließen. Inzwischen ist es nur unter strengen Auflagen möglich, nach und nach zu einer neuen Normalität zu finden. Jedes Bundesland hat dabei unterschiedliche Vorschriften, Vorgaben und Zeitpunkte für die komplette Öffnung der Plätze.

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Die Vorgaben sehen unter anderem eine Reduzierung der Stellplätze und strenge Maßnahmen im Bezug auf die Nutzung von sanitären Einrichtungen vor. Größere Anlagen dürften bei der Umsetzung kein Problem haben, kleine Campingplätze könnten zwar öffnen, aber vermutlich ohne Sanitäranlagen.

Reisende und insbesondere Camper müssen bei der Urlaubsplanung daher umdenken. Die Idee vom autarken Camping wird in diesem Jahr verstärkt in den Vordergrund rücken.

Wie werde ich mit meinem Camper autark?

Diese Frage haben sich in der jüngsten Vergangenheit schon zahlreiche Wohnmobilisten gestellt. Die Nutzung von sanitären Einrichtungen zu reduzieren – und dennoch nicht auf den gewohnten Komfort zu verzichten –, dies erfordert einen Umbau oder eine Erweiterung des Wohnmobils. Grundlegende Faktoren sind dabei:

  • Versorgung mit Frischwasser
  • Entsorgung von Abwasser
  • Stromversorgung
  • Gasversorgung
  • Internetzugang

Frisch- und Abwasser und die Camping Toilette

Die größte Herausforderung beim autarken Camping ist die Versorgung mit Frischwasser und die Entsorgung von Abwasser. Zähne putzen, Kochen, Duschen oder Geschirr spülen lassen den Verbrauch von Frischwasser schnell in die Höhe schnellen. Hier gilt es kleinere Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Beim Kochen ist es zum Beispiel möglich, Kartoffeln und Gemüse im gleichen Wasser zu garen. Eine Außendusche am Wohnmobil mit kaltem Wasser beschleunigt den Duschvorgang unheimlich und spart neben Wasser auch noch Energie.

Die neuesten Trends gehen zur Solardusche oder zur tragbaren Dusche mit Akku. Beim Camping am See kann der Sprung ins kühle Nass eventuell die tägliche Dusche ersetzen.

Wer noch unabhängiger sein möchte, der sammelt Regenwasser oder nutzt das Wasser aus Quellen oder Seen. Hier ist es absolut empfehlenswert, für zusätzliche Hygiene durch Abkochen oder Wasserfilter zu sorgen. Bei der Aufbereitung von Trinkwasser solltest du sorgfältig vorgehen, um Erkrankungen zu vermeiden.

Eine große Veränderung mit hohem Einsparpotenzial existiert bei der Camping Toilette. Bei den meisten Wohnmobilen sind Kassettentoiletten verbaut, die an einer Entsorgungsstation entleert werden müssen. Gleiches gilt für eine Chemietoilette. Die Alternative für das autarke Camping ist eine Trockentoilette oder Komposttoilette, die ohne Wasser und Chemie auskommt. Diese könnte mittelfristig zur Kompostierung verwendet werden.

Stromversorgung beim autarkem Camping

Selbst in den Corona-Krisenzeiten werden die meisten Campingplätze ihre Stellplätze mit Stromanschluss vermieten. Durch die Reduzierung der Standplätze könnte ihre Buchung jedoch in einigen Regionen schwierig sein – oder du entscheidest dich für naturnahes Camping ohne entsprechenden Anschluss. In diesem Fall ist eine autarke Stromversorgung ideal.

Eine Solaranlage wäre dann eine perfekte Investition. Mit der umweltfreundlichen Stromgewinnung kann in einem Reisemobil oder Wohnwagen das (Wasser)kochen, Heizen und die Nutzung von elektronischen Geräten problemlos realisiert werden. Die Solaranlage wird in der Regel auf dem Dach des Campers installiert, da dafür mit einem Dachträger ausgestattet sein muss. Der Nachteil an dieser Konstruktion ist, dass das Fahrzeug zur Energiegewinnung grundsätzlich in der Sonne stehen muss. Die Vorteile überwiegen jedoch, denn der Strom ist nicht nur grün, sondern kann auch in Batterien gespeichert werden. Selbst an sehr regnerischen Tagen ist somit die Energieversorgung gesichert.

Es gibt aber auch mobile Solaranlagen, die nicht auf dem Dach angebracht werden müssen. Sogenannte Solarkoffer und faltbare Solaranlagen sind platzsparend und können direkt in der Sonne aufgestellt werden, während der Camper im Schatten steht. Theoretisch könntest du die faltbare Anlage sogar auf deiner Windschutzscheibe platzieren und die Fahrerkabine damit vor Sonneneinstrahlung schützen.

Hilfreich ist es, sich Einsparpotenziale im Wohnmobil zu überlegen. LED-Lampen im Fahrzeug sind hell und deutlich stromsparender als andere Ausführungen. Eine gute Isolierung kann das Heizen an kühlen Tagen unnötig machen und den ein oder anderen Abend mit Spielen oder Gesprächen zu verbringen, statt fernzusehen, ist ohnehin empfehlenswert.

Gasversorgung beim autarken Camping

Gas ist in vielen Wohnmobilen und Fahrzeugen unerlässlich. Ob für das Heizen oder Kochen: Fehlende Gasversorgung kann zu erheblichen Einschränkungen führen. Da du nur zwei 16 Kilogramm schwere Gasflaschen mitführen darfst, können Gasflaschen schnell zu einem kostbaren Gut werden. Einsparpotenzial gibt es hier wieder durch eine gute Isolierung oder die Essenszubereitung auf einem Holzkohlegrill. Das Duschen mit Regenwasser oder das Baden im See oder Fluss spart erheblich, lindert aber den Komfort.

Ein Holzofen mit Wärmetauscher, der auch für Warmwasser sorgen kann, wäre eine denkbare Option. Dieser wird jedoch oftmals auf Campingplätzen nicht geduldet, nur auf ausgewählten Stellplätzen oder Naturcampingplätzen. Er spart bei der Heizung und der Warmwasserproduktion. Holz lässt sich zudem überall sehr schnell ausfindig machen.

Internet als geringstes Problem

Ist die Stromversorgung gesichert, rückt das Internet immer mehr in den Mittelpunkt. Letztendlich kommt es sehr darauf an, wohin deine Reise dich führen wird. Innerhalb von Deutschland gibt es sehr viele interessante Angebote für mobile Internetdienste, die eigens für den Urlaub zusätzlich gebucht werden können.

Bei Auslandsreisen ist die Herausforderung schon deutlich größer. Zahlreiche Campingplätze haben sich auf das wachsende Bedürfnis eingestellt und bieten WLAN. LTE-Prepaid-Karten, LTE-Router, LTE-Antenne oder online per Satellit heißen in diesem Kontext die Lösungsmöglichkeiten für Internet im Wohnmobil.

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Fazit: Autarkes Camping sollte mit diesen Tipps kein Problem mehr sein. Es ist zwar immer mit Einschränkungen für dich verbunden, im Reisejahr 2020 ist es aber eine gute Möglichkeit, deinen Urlaub am Wunschziel zu verwirklichen.

Artikel von Riko Wetendorf

Titelfoto: © bevisphoto – stock.adobe.com

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