PiNCAMP im Gespräch mit Angelique Joosten

„Ich freue mich, bald wieder unsere deutschen Gäste zu begrüßen!“

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Angelique Joosten (49) ist Marketing und Sales Direktorin beim niederländischen ADAC Superplatz Camping De Leistert – viel verkaufen konnte sie im vergangenen Jahr aber nicht. Denn die meisten Standplätze blieben leer. Der Familien-Ferienpark musste umdenken und auch flexibler werden. Die finanziellen Aufwendungen wurden auf das Nötigste heruntergefahren, geplante Investitionen auf später verschoben und die Buchungs- und Stornierungsregeln gelockert. Dann hieß es: Abwarten und das Beste aus der Situation machen. Statt Ferienunterkünfte verkaufen oder Werbung machen, ging es in Joostens Joballtag vielmehr um Kommunikation, erzählt die Marketing-Chefin. Warum das Campinggeschäft auf Sparflamme dennoch funktioniert hat und mit welchem Gefühl sie in den Sommer 2021 geht, erzählt sie im Interview.

Frau Joosten, wie ist es Ihnen im ersten Pandemie-Jahr ergangen?

Angelique Joosten: Im Frühjahr 2020 war es schwer – an Ostern hatten wir eine Familie da statt der üblichen 7.000 Osterferien-Gäste. Jeder war ängstlich und wir wussten nicht, wie die Zukunft aussehen wird. Trotzdem hatten wir die ganze Zeit geöffnet. Wir haben versucht, so gut es geht zu funktionieren. Immerhin waren unsere Bungalows für Familien durchweg vermietet. Diese Ostern war es etwas besser, da wir viele Gäste aus 2020 auf dieses Jahr umgebucht haben. Darunter auch viele Holländer und Belgier. Ende Februar zeichnete sich ab, dass die Deutschen erst einmal nicht mehr reisen können – wir waren eigentlich komplett ausgebucht und dann wieder nicht mehr. So ist das Arbeiten in der Pandemie: Gefühlt macht man eine Sache drei Mal!

Camping de Leistert
Urlaubg auf Camping De Leistert ist immer ein Grund zur Freude - © Camping De Leistert

Konnten Sie aus dem Sommer noch etwas herausholen?

Joosten: Ja, der Sommer war durchweg gut – das war für Campingplätze sicherlich einfacher als für Hotels. Viele Campingplätze hatten für die Sommersaison die Preise angehoben, um so noch etwas mehr Umsatz zu machen. Das hätten wir gar nicht machen können, weil wir alle Buchungen schon fest drin hatten. Es war aber auch kein Problem. Juli und August waren sehr gut – diese Monate sind jedoch immer gut. September war dann so gut belegt wie ein Sommermonat. Dadurch konnten wir noch einen sehr guten Umsatz realisieren. Es war schön, wieder mehr arbeiten zu können – auch wenn es hier und da herausfordernd war.

Angelique Joosten ist selbst gerne auch auf Reisen
Angelique Joosten ist selbst gerne auch auf Reisen - © Camping De Leistert

Inwiefern?

Joosten: Wir haben festgestellt, dass manche Gäste nur wenig Verständnis für die beschlossenen Maßnahmen und die Corona-Regeln hatten. Oft mussten die Mitarbeiter die Gäste darauf aufmerksam machen, manchmal sogar ermahnen. Das wird gerne mal vergessen, weil man im Urlaub ist. (lacht)

Tourismus in der Pandemie – aus Marketingsicht eine ganz schöne Herausforderung, oder?

Joosten: Es ging im letzten Jahr nicht um Verkauf. Großes Thema war die Kommunikation, denn wir mussten mehr als zuvor mit Gästen kommunizieren. Wir haben letztes Jahr viel gelernt und sind flexibler geworden. Anfangs waren wir sehr streng mit Stornierungen, erlaubt haben wir nur Umbuchungen. Mit freien Stornierungen haben wir erst später gearbeitet, als dann der zweite Lockdown kam und die Gäste wieder nicht reisen konnten. Es hat keinen Sinn gemacht, die Leute in den Buchungen zu halten und sie ständig von einem Jahr auf das nächste umzubuchen. Dadurch wird das Geld von einem Jahr in das nächste geschoben – zwar haben wir dann Umsatz, aber keine Liquidität.

Spielplatz auf dem Campingplatz
Spielplatz auf dem Campingplatz - © Camping De Leistert

Und gab es auch etwas Positives?

Joosten: Aber ja! Wir haben jetzt die Erfahrung! Das macht es in diesem Jahr einfacher. Zwar ist die Lage immer noch unsicher, aber wir wissen auch, dass wir das schaffen können, wenn wir wieder einen einigermaßen guten Sommer haben. Wir sind ein gesundes Unternehmen – der finanzielle Boden war schon vor der Pandemie gut.

Die Campingbranche in Europa erlebt seit Corona einen Boom. Spüren Sie das auch?

Joosten: Wir bekommen mehr Anfragen nach Dauerstandplätzen. Und der kommende Sommer ist bereits ausgebucht – aber die Sommermonate sind in der Regel gut gebucht. Vor allem in der Schulferienzeit wollen die Menschen campen gehen oder in einem Bungalow Ferien machen. Ich glaube, dass vor allem kleinere Campingplätze von der aktuellen Lage profitieren. Große Ferienressorts, wie wir das sind, sind in den Schulferien gut belegt – aber in der Nebensaison sind weniger Gäste als üblich da.

Glamping Zelt auf dem Campingplatz
Glamping Zelt auf dem Campingplatz - © Camping De Leistert

Mit welchem Gefühl gehen Sie in den Sommer?

Joosten: Ich freue mich, bald wieder unsere deutschen Gäste zu begrüßen! Gleichzeitig habe ich aber auch ein bisschen Angst. Wahrscheinlich dürfen wir wieder mehr öffnen, aber mit limitierter Personenzahl. Am meisten Sorgen bereitet mir das Hallenbad.

Warum das?

Joosten: Das Hallenbad ist für unsere Gäste sehr wichtig. Wenn unser Campingplatz mit rund 7.000 Gästen voll belegt ist, können normalerweise täglich bis zu 1.000 Gäste dort schwimmen gehen, und zwar so lange oder kurz, wie sie möchten. Das wird diesen Sommer aber vermutlich wieder nicht möglich sein. Schon im vergangenen Sommer mussten wir mit Zeitfenster-Tickets arbeiten. Die Gäste konnten sich ab 9 Uhr ein Ticket für eines der begehrten Zeitfenster reservieren. Damit konnten sie für eine Stunde ins Hallenbad. Der Andrang war riesig! Der gesamte Server brach irgendwann zusammen – es waren einfach zu viele Reservierungsanfragen pro Sekunde. Der Betreiber des Systems konnte es nicht glauben: Wer sind Sie denn? Bruce Springsteen oder was?, fragte er. Nein, habe ich gesagt, nur ein Campingplatz mit einem Hallenbad in Coronazeiten. (lacht) Für diesen Sommer haben wir ein besseres System. Aber für die Urlauber ist das trotzdem nicht ideal – sie wollen sich im Urlaub nicht so einschränken. Das sorgt für Unruhe beim Gast.

Schwimmbad des Campingplatzes
Schwimmbad des Campingplatzes - © Camping De Leistert

Seit wann sind Sie für Camping De Leisert tätig?

Joosten: Seit acht Jahren. Zuvor war ich in anderen Freizeitunternehmen tätig.

Sind Sie selbst ein Camping-Fan?

Joosten: Ich bin ein Glamping-Fan. Ich bin sehr kritisch, wenn es darum geht, wo ich schlafe. Ich bin verwöhnt. (lacht)

Es muss also schon ein Bett sein.

Joosten: Ja, auf jeden Fall. Ich brauche ein richtiges Bett, auch beim Campen. Glamping ist auch bei uns sehr gefragt. Unsere Glamping-Unterkünfte werden sehr gut angenommen. Wir haben vor Ort Safari-Zelte und Lodges. Die Bungalows sind mit Sauna und Jacuzzi noch luxuriöser.

Angelique Joosten beim Kamelreiten
Angelique Joosten beim Kamelreiten - © Camping De Leistert

Und wie genau sieht Ihr idealer Urlaub aus?

Joosten: Am liebsten erkunde ich fremde Länder mit meinen drei älteren Schwestern. Wir waren schon in Nepal, Indien, Surinam und Marokko. Wenn wir wieder zu Hause sind, macht jede von uns ein Fotoalbum, wir treffen uns und schauen uns gemeinsam die Bilder nochmal an. Dieses Jahr wollen wir nach Kanada reisen – ich hoffe, dass das klappt. Ich liebe es, fremde Kulturen kennenzulernen. In Indien haben wir zum Beispiel eine Feuerbestattungszeremonie am Ganges miterlebt. Das war sehr beeindruckend. Solche Eindrücke bereichern mein Leben ungemein. Aufregend war auch das Paragliding in Nepal. Das war toll, aber mir war so schlecht. (lacht)

Angelique Joosten im Urlaub mit ihren Schwestern
Angelique Joosten im Urlaub mit ihren Schwestern - © Camping De Leistert

Ich ahne Schlimmes…

Joosten: Als wir in der Luft waren, sagte der Guide: Schön, nicht? Ich: Ja… Dann fragte er: Wird dir schlecht? Ich: Ja…Kaum hatte ich das gesagt, hat er meinen Kopf zur Seite gedreht, damit es nicht ihn trifft, wenn ich kotze. Als wir wieder unten waren, habe ich ihn gefragt, ob er das öfter erlebt. Er: Jeden Tag.

Angelique Joosten beim Fallschirmsprung
Angelique Joosten beim Fallschirmsprung - © Camping De Leistert

Und reisen Sie auch gerne durch Europa?

Joosten: Ja. Vor zwei Jahren war ich mit einem Kollegen in Finnland und mit Branchenkollegen in Orlando und Frankreich. Griechenland und Norwegen haben meinem Mann, meiner Tochter und mir gut gefallen. Jedes Land hat schöne Plätze!

Author: Iunia Mihu