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Wohnmobil-Dämmung: So isolierst du deinen Camper richtig

Eine fachgerechte Wohnmobil-Dämmung ist die beste Art, um dein Reisegefährt in ein mobiles Zuhause mit Wohlfühlklima zu verwandeln. In diesem Ratgeber beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema: welche Materialien sich zur Dämmung eignen, welche Teile des Wohnmobils isoliert werden sollten und wie du dabei am besten vorgehst. Außerdem bekommst du eine Einkaufsliste, an der du dich bei deinem Ausbau orientieren kannst.

Was bringt eine Wohnmobil-Dämmung?

Das Dämmen des Wohnmobils wird gerne übersehen, ist aber ein wichtiger Bestandteil, wenn du dich in deinem Camper wirklich wie zu Hause fühlen willst. Die Isolierung eines Wohnmobils bietet zwei entscheidende Vorteile. Zum einen ist das Reisemobil nach der Isolierung besser gegen Klimaeinflüsse und Rost geschützt. Zum anderen bekommst du mit der Dämmung auch einen Schutz gegen störende Außen- und Fahrgeräusche.

Isolierung gegen Hitze und Kälte

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Draußen kalt, innen warm, das ist das Ziel. / © Damian - stock.adobe.com

Im Wohnmobil verbringt man üblicherweise viel Zeit: Nicht nur, um von A nach B zu fahren, sondern auch zum Kochen, Essen, Schlafen und vielleicht auch einfach zum Relaxen, wenn man abends am Ziel angekommen ist. All das hat Auswirkungen auf die Luft im Inneren des Fahrzeugs. Das Leben im Wohnmobil führt dazu, dass eine ganze Menge Feuchtigkeit an die Luft abgegeben wird. Als Faustregel gilt: Eine Person gibt pro Nacht etwa einen halben Liter Feuchtigkeit ab.

Die Luftfeuchtigkeit im Innenraum wird vor allem dann zum Problem, wenn hohe Temperaturunterschiede zur Luft an der Außenseite bestehen. Wenn die feuchte, warme Luft auf die kalte Außenwand des Wohnmobils trifft, entsteht Kondenswasser, das an der Innenseite des Fahrzeugs herunterläuft und in alle Ecken kriecht. Im schlimmsten Fall entstehen auf diese Weise Rost und Schimmel. Eine Isolierung der Außenwand verhindert diesen Prozess.

Lärmschutz und Geräuschdämmung

Die Isolierung des Wohnmobils hat noch einen weiteren praktischen Nebeneffekt: Das Fahrzeug wird besser gegen Geräusche abgedämmt. Dabei handelt es sich einerseits um Schutz vor Fahrgeräuschen, aber auch die Dämmung vor Lärm von außen. Das kann sich vor allem dann als lebens- und nervenrettende Maßnahme erweisen, wenn du auf einem Campingplatz nächtigst, auf dem sich die Stellplatznachbarn nicht an die Ruhezeiten halten und bis spät in die Nacht feiern.

Wenn du mehr zur Bordtechnik im Wohnmobil erfahren möchtest, lies hier weiter.

Welche Teile des Wohnmobils müssen gedämmt werden?

Die erste Frage, die sich bei der Dämmung des Wohnmobils stellt ist: Welche Teile müssen eigentlich isoliert werden? Die naheliegende Antwort ist: alle Teile. Das ist nicht ganz falsch, allerdings hast du vermutlich Fenster in den Außenwänden. Hierzu bedarf es also eines etwas gezielteren Vorgehens.

Im Prinzip gibt es drei entscheidende Teile des Wohnmobils, die gedämmt werden müssen:

  • Boden
  • Seitenwände
  • Decke

Diese Flächen sind die größten Flächen in deinem Wohnmobil, du erzielst hier also die beste Isolationswirkung, wenn du sie großflächig abdämmst. Die Fenster und Türen musst du dabei natürlich aussparen, da du sie ja aufmachen willst. Hier solltest du allerdings darauf achten, bis ganz an den Rand zu isolieren. Dabei haben sich Isolierbänder im Klebestreifen-Format bewährt, die du in jedem gut sortierten Baumarkt bekommst. Diese Klebebänder eignen sich auch gut dazu, schwer erreichbare Stellen im Allgemeinen abzudämmen.

Der Boden des Wohnmobils ist eine der hauptsächlichen Stellen, an der Kälte ins Fahrzeuginnere eindringen kann. Ob du den Boden isolierst, hängt allerdings auch davon ab, zu welcher Jahreszeit und in welchen Regionen du mit dem Wohnmobil hinfährst.

Bei Touren in wärmeren Ländern und in den Sommermonaten wirst du vermutlich keine Probleme mit kalten Füßen im Reisemobil bekommen. Bei Touren im Herbst oder Winter oder in etwas kühleren Regionen sieht das schon ein bisschen anders aus. Hier macht die Isolierung des Bodens durchaus Sinn.

Um den Wohnmobil-Boden effektiv zu isolieren, solltest du das Isoliermaterial am besten nicht mit dem Fahrzeugboden verkleben. So kannst du den Boden einfach erreichen, wenn du das Fahrzeug beispielsweise von Rost oder Schmutz säubern willst. Die Wärmedämmung wird in diesem Fall durch das Gewicht der Bodenplatte und der Möbel an den Boden gedrückt.

Das Beladen eines Wohnmobils kann eine Kunst für sich sein. Um dir den Prozess zu erleichtern, haben wir eine Checkliste erstellt, wie du deinen Camper richtig belädst.

Welche Materialien eignen sich zur Isolierung des Campers?

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Styropor ist enorm günstig, hat aber Nachteile. / © OlekStock - stock.adobe.com

Das passende Material ist schon die halbe Miete. Die Qualität der Dämmung und der Isolierung hängt nämlich in entscheidendem Ausmaß davon ab, welche Materialien du dabei einsetzt. Am Markt gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Dämmmaterialien, was die Auswahl nicht gerade einfach macht.

Dazu kommt, dass sich nicht alle Stoffe gleichermaßen gut zum Isolieren eignen. Außerdem solltest du nicht nur darauf achten, das günstigste Material zu besorgen. Eventuell ist es nämlich deutlich schlechter geeignet – daher lohnt es sich definitiv auch ein wenig mehr draufzulegen, wenn du Wert auf eine effektive und langlebige Isolierung legst.

Im Folgenden eine kurze Übersicht über die gängigsten Isoliermaterialien mit Einschätzung zur jeweiligen Dämmwirkung.

Styropor: Styroporplatten sind beim Isolieren von Reisemobilen ein häufig verwendetes Material. Hauptargument dafür ist sicherlich der Preis, der unschlagbar günstig ist. Realistisch betrachtet ist Styropor allerdings kein besonders gutes Isolationsmaterial. Die Platten sind nicht flexibel und passen sich schlecht bis gar nicht an die gewölbten Innenwände eines Wohnmobils an. Das macht das Anbringen und Verkleben zur fast unmöglichen Herausforderung. Styropor ist zudem äußerst entzündlich und verursacht nervige Geräusche, wenn die Platten gegeneinander reiben. Auch wenn man in vielen Wohnmobilen Styroporplatten findet, solltest du dir lieber ein anderes Material zum Dämmen suchen.

Glaswolle: Glaswolle kommt ebenfalls recht häufig als Isolierschicht in Wohnmobilen zum Einsatz. Die gelben Glasfasermatten in Rollenform kennst du wahrscheinlich aus dem Hausbau, wo sie als Zwischenschicht verwendet werden. Die Funktion der Wärmedämmung erfüllt Glaswolle, allerdings nimmt das Material recht viel Feuchtigkeit auf. Daher musst zu es zusätzlich noch mit einer Dampfsperre versehen, was ein ziemlicher Aufwand ist. Ein weiterer Nachteil: Glaswolle ist nicht sehr hautverträglich. Die winzigen Fasern haben die lästige Angewohnheit, in jede kleine Ritze und Öffnung vorzudringen. Der Körper gewöhnt sich nach einiger Zeit zwar an den Juckreiz, dennoch besteht aber Entzündungsgefahr, vor allem bei bestehenden Hautproblemen. Daher ist Glaswolle ebenfalls kein besonders empfehlenswertes Isoliermaterial für Camper.

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Glaswolle kann furchtbar unangenehm auf der Haut sein. / © gangster9686 - stock.adobe.com

Armaflex: Armaflex gilt inzwischen als ein echter Geheimtipp bei der Isolierung von Wohnmobilen. Die selbstklebenden Dämmmatten werden in Rollen mit 3 Meter oder 6 Meter Länge ausgeliefert und sind in unterschiedlichen Stärken zwischen 6 und 32 mm erhältlich. Der geschlossenporige Schaumstoff erzielt sehr gute Dämmergebnisse und nimmt dabei so gut wie keine Feuchtigkeit auf. Außerdem lassen sich die Schaumstoffbahnen exzellent verarbeiten und mit einer scharfen Schere oder einem Cuttermesser zurechtschneiden. Da die Armaflex-Matten je nach Bedarf unterschiedlich dick sind, kannst du damit auch unebene Flächen gut isolieren, indem du eine dünnere Schicht des Materials verwendest. Armaflex ist unter verschiedenen Namen erhältlich, darunter Armacell oder X-Trem-Isolator.

Alubutyl: Besonders gut zur Schalldämmung eignet sich das Material Alubutyl. Auch hierbei handelt es sich um gerollte Matten mit einer selbstklebenden Rückseite. Genau wie Armaflex kannst du Alubutyl gut mit einer Schere auf die passende Größe zurechtschneiden und anbringen.

Hanf- oder Korkplatten: Armaflex und Alubutyl eignen sich hervorragend zur Dämmung des Wohnmobils, allerdings gibt es einen großen Nachteil: Die beiden Materialien sind nicht besonders umweltfreundlich. Wenn du auf der Suche nach einer ökologisch verträglicheren Alternative bist, bieten sich Hanf- oder Korkplatten an. Kork ist recht flexibel und verfügt über gute Dämmeigenschaften, außerdem lässt es sich gut verarbeiten. Hanf verhält sich bei der Feuchtigkeitsaufnahme ähnlich wie Glasfaser, ist aber deutlich verträglicher für die Haut und natürlich viel umweltfreundlicher. Der Preis ist allerdings etwas höher.

Einkaufsliste zur Wohnmobil-Isolierung mit Armaflex

Im folgenden Fall gehen wir davon aus, dass du das Wohnmobil mit Armaflex isolierst. Die benötigte Menge an Isoliermaterial hängt dabei natürlich auch davon ab, wie groß dein Wohnmobil ist. Für ein Reisemobil in der Größe eines Sprinters oder Campingbusses solltest du aber mit der folgenden Einkaufsliste auskommen:

  • 2 Rollen Armaflex 19mm
  • 1 Rolle Armaflex 9mm
  • 2 Rollen Armaflex-Band 3mm
  • 2 Rollen Alubutyl

Wenn du keine selbstklebenden Armaflex-Matten verwendest, brauchst du außerdem noch Klebstoff, gut geeignet ist dazu herkömmlicher 2-Komponenten-Kleber aus dem Baumarkt. Je nachdem, wie sauber gearbeitet wird, kann es sein, dass mehr oder weniger Material benötigst. Plane sicherheitshalber lieber etwas Spielraum nach oben ein.

Das solltest du beim Isolieren des Wohnmobils beachten

Das Isolieren es Wohnmobils bedarf einiger Vorbereitung. Egal, welches Material du verwendest, musst du zunächst den Untergrund vorbereiten und säubern. Die Fläche muss frei von Staub, Dreck und vor allem Fett sein – zunächst solltest du also erst einmal eine Generalreinigung vornehmen.

Wenn das Reinigen des Wohnmobils ein für dich ohnehin leidiges Thema ist, dann liest unseren Ratgeber zur Reinigung.

Anschließend kannst du das Isoliermaterial anbringen. Vermeide beim Aufkleben unbedingt Hohlräume und Luftblasen. Luftblasen führen beim Wechsel der Temperatur zur Bildung von Feuchtigkeit hinter der Isolierung. Ohne Lufteinschlüsse kann keine Feuchtigkeit mehr zwischen Isolierung und Wand entstehen, da du den Taupunkt damit hinter die Innenwand des Fahrzeugs verlagert hast. Ergebnis: Rost und Moder kann erst gar entstehen und die Isolierung klebt auch langfristig genau da, wo du sie haben wolltest.

Artikel von Selim Baykara

Titelbild: © sokkonatalia - stock.adobe.com_

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