11 Tipps für Wohnmobil-Fahreinsteiger

Wahrscheinlich verbindest du mit einem Wohnmobil, wie fast jeder andere auch, Gedanken an eine Urlaubsfahrt und Spaß auf Stellplätzen. Logisch, ist das Wohnmobil doch unser Fortbewegungsmittel, mit dem wir in den Urlaub kommen. Doch nicht wenige haben gehörig Respekt davor, ein Wohnmobil zu fahren. Gerade als Anfänger. Es ist größer, hat andere Maße und Dimensionen, erinnert nicht selten an kleine Lkw oder Transporter – und hält auf Grund der Routen in Urlaubsgebiete für fast jeden Fahrer knifflige Fahrwege bereit. Dazu musst du schon im Straßenverkehr selbst mit einem Pkw jede Menge Vorschriften beachten. Doch wir schaffen Abhilfe. Mit diesen elf Tipps muss dir beim Gedanken, selbst hinter das Steuer eines Wohnmobils zu steigen, nicht mehr bange sein.

1. Gewöhnung an die neuen Dimensionen

Die großen Dimensionen eines Wohnmobils bedürfen Eingewöhnung – es macht also Sinn, das Wohnmobil auf den ersten Kilometern ohne Zeitdruck und ohne festgelegte Distanz zu fahren. Ein nahegelegener Großparkplatz ist ideal, um in Ruhe Kurven, Slalom, Ausscheren, Bremsen zu üben. Das Ganze am besten auch mit einem voll gepacktem Wohnmobil ausprobieren. Und: Auch die Gaskontrolle, den Ölstand und den TÜV nicht vergessen!

Fahrsicherheitstrainings für Wohnmobile werden vom ADAC angeboten.

2. Kenne die Maße deines Wohnmobils

Die Fahrzeughöhe deines Wohnmobils auswendig zu wissen, ist ausgesprochen wichtig. Sehr oft werden Höhenbegrenzungen erst direkt am Hindernis ausgeschildert: beispielsweise an kleinen Unterführungen, an der Parkhaus-Einfahrt oder der Höhenbegrenzung auf Parkplätzen. So bleibt nicht viel Reaktionszeit für die Entscheidung, ob das Mobil oben genug Luft hat. Das kann schnell teuer enden: Vor allem bei Mietmobilen werden Kratzer im Dach, das bei der Rückgabe immer genau ins Visier genommen wird, teuer. Auch die Gesamtlänge solltest du stets kennen, denn an manchen Mautstellen und am Fährhafen wird nach der Länge des Fahrzeugs abgerechnet. Und die Breite des Wohnmobils ist unter anderem an Autobahn-Baustellen entscheidend.

Mein Tipp: Einen Zettel der Maße einfach ans Armaturenbrett kleben: So ist alles stets schnell sichtbar.

3. Das Fahrzeug von außen betrachten

Bei großen Mobilen sollte das Fahrverhalten auch mal von außen betrachtet werden. So lässt sich gut feststellen, welche Fläche das Wohnmobil auf der Straße realistisch benötigt. Stell dir die Fragen:

  • Wie weit muss beim Abbiegen ausgeholt werden, um z.B. rechtwinklige Kurven zu meistern?
  • Wie weit schwenkt das Heck aus?
  • Wie weit stehen die Außenspiegel vom Fahrzeug ab?
  • Welchen Winkel decken diese auf der Fahrbahn ab?


Hier kann die Außenbetrachtung helfen.

4. Einparken will gelernt sein

Heikle, oft unvermeidbare Situation: sehr kleine Parkplätze. Perfektioniert werden sollte das Einparken unbedingt alleine und dazu mit einem Einweiser. Gesten, die über den Rückspiegel kommuniziert werden, müssen verabredet und geübt werden, um in Stress-Situationen nicht in Streit zu geraten – oder im schlimmsten Fall wegen Missverständnissen Schäden zu verursachen.

5. Defensives Fahren zur Stressvermeidung

Große Autos werden von allen gesehen. Gerade Camper werden nicht selten automatisch mit einem "Touristenbonus" (etwa in Italien) nett behandelt, vorgelassen und nicht (sofort) angehupt. Meine Erfahrung nach vielen tausend Kilometern: In Ruhe und mit Blickkontakt fahren, strahlendes Lächeln aufsetzen und mit viele nette Handzeichen kommunizieren. So kommst du unbeschadet und vor allem stressfrei durch alle chaotischen Situationen.

Mein Tipp: Niemals drängeln lassen! Es kann nicht mehr passieren, als angehupt zu werden. Na und? Es ist für alle Beteiligten besser, wenn ein paar Gestresste ihren Frust an der Hupe auslassen, als einen Unfall zu verursachen.

6. Früh nach einem Übernachtungsplatz suchen

Am allerbesten beginnt man schon am frühen Nachmittag, die Augen nach einem Übernachtungsplatz offen zu halten. Nur vor den ersten Anzeichen von Müdigkeit ist man geduldig genug, um nicht den erstbesten Campingplatz nehmen zu müssen. Gut gelaunt und ungestresst lässt es sich noch leicht nach einem besseren Platz suchen. Und zu früh an einem schönen Ziel zu landen, dürfte keinen stören!

7. Pausen lassen das Land sehen

Pausen sind, vor allem auch mit Kindern, ein wichtiger Teil einer Reise: Überall duftet es anders, man kann ins Wasser springen, ein Stück den Pfad entlang spazieren, mit einem Eis in der Hand die kleinsten Gässchen des Dorfes erkunden, einen Frappé mit den Füßen im Meer trinken, das Obst beim Straßenhändler kaufen… Nur wer Pausen macht, sieht tatsächlich etwas vom Land. Zudem erlauben dir Pausen, deine Konzentration aufzufrischen und den Akku aufzuladen. Niemand ist zwölf Stunden am Stück fokussiert und kann den ganzen Zeitraum über Vorschriften beachten, gerade bei einer Wohnmobilreise.

8. Die Stauzeit einfach genießen

Bei Verkehrstillstand kann das Wohn(!)mobil hervorragend für seinen ursprünglichen Zweck genutzt werden: mobiles Wohnen, statt in der Schlange stehen zu bleiben. Auf dem nächsten Autobahnrastplatz kann ein leckeres Mahl gekocht werden, auf dem Feldweg ein Nickerchen gemacht, im nächsten Ort eine Runde Karten gespielt oder das nächste Buchkapitel gelesen werden – bis der Verkehr plötzlich wieder fließt. Staus auf Autobahnen lösen sich oft nach wenigen Stunden von selbst auf – und du kannst mit deinem Wohnmobil wieder durchstarten.

9. Nachtfahrten vermeiden

Zu viele Unwägbarkeiten lassen eine nächtliche Fahrt über Landstraßen zum puren Stress werden, denn im Dunklen lassen sich Hindernisse oft erst im letzten Moment erkennen: ob Anwohner zur "Verkehrsberuhigung" willkürlich hohe Schwellen auf die Straße gelegt haben, ob größere Brocken von der Felswand abgegangen sind oder ob der Straßenrand plötzlich fehlt – Nachts siehst du die Gefahren nicht. Zudem sind nachts viele bewegliche Hindernisse unterwegs, etwa freilaufende Tiere.

10. Rechtzeitig ans Tanken denken

Ich lasse den Tank nie leerer als viertelvoll werden, denn ich kann nie wissen, was noch kommt. Vielleicht landest du spontan auf einer Insel oder fährst über einen Pass, wo Tankstellen rar sind. Oder du bist im Hinterland unterwegs, wo es nur Mini-Tankstellen gibt, die gemütliche Öffnungszeiten haben. Was, wenn du in eine Gegend gerätst, die gerade großräumig nicht mit Diesel beliefert wurde oder in der die Tankstellenmitarbeiter streiken? Es gibt viele Unwägbarkeiten. Indem du deinen Tank immer vorzeitig auffüllst, bist du immer gerüstet.

Mein Tipp: Ein voller Kanister und eine schöne Menge Treibstoff im Tank machen dich entspannter und spontaner.

11. Etappen sehr großzügig planen

Das Reisen mit einem Wohnmobil nimmt erfahrungsgemäß mehr Zeit in Anspruch. Etappen mit wenigen Kilometern lassen viel Luft für gemütliche Pausen und Genussmomente. So kannst du auch als Anfänger Stress vermeiden. Auf einem geplanten Campingplatz kann man ruhig auch früh ankommen: so bleibt mehr vom Tag an diesem Ort.

_Mein Tipp: Aus Erfahrung plane ich stets mindestens die Hälfte der angegebenen Fahrzeit dazu (bei 4 Stunden rechne ich also mit mindestens 6 Stunden unterwegs). Wie schön ist es, trotz entspannter Fahrweise, früher als gedacht anzukommen und dann eine Art "Zeitgeschenk" auf dem Campingplatz zu haben.

Artikel von Susanne Flachmann. Die Autorin reist mit ihrem kleinen Kastenwagen "Franz" über die abgelegenen Straßen Europas, bevorzugt in den Südosten. Neben ihrem Magazin Cool Camping Wohnmobil führt sie auch den Reiseblog der-franz-und-ich.de, auf dem sie ihre Erlebnisse mit dir teilt.

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