Transfogarascher Hochstraße: Roadtrip in den wilden Karpaten

Artikel von: Selim Baykara (7 min Lesedauer) 23.06.2026

Kurvige Passstraßen, enge Haarnadelkurven und fantastische Ausblicke auf die wilde Bergwelt der rumänischen Karpaten. Die Transfogarascher Hochstraße ist ein Roadtrip, den jeder Camper mindestens einmal gemacht haben muss. Wir stellen die komplette Strecke zum Nachfahren vor – inklusive einer spannenden Alternativ-Route für die Rückfahrt.

Inhaltsverzeichnis

Die Transfogarascher Hochstraße in Rumänien zählt zweifellos zu den spektakulärsten Gebirgsstraßen der Welt. Ursprünglich in den 1970ern unter dem kommunistischen Diktator Ceaușescu als Militärstraße erbaut, führt die „Transfăgărășan“ auf rund 120 Kilometern mitten durch das Făgăraș-Gebirge, den höchsten Teil der rumänischen Karpaten. 80 enge Haarnadelkurven, zahlreiche Viadukte und 5 Tunnel bieten Fahrvergnügen pur – auch für Camper mit dem Wohnmobil.

In diesem Artikel stellen wir euch eine komplette Route zum Nachfahren vor, die ausgehend von Bukarest über die Transfogarascher Hochstraße nach Sibiu führt. Die wunderschöne Kulturstadt am Fuße der Karpaten zählt zu den sehenswertesten Orten in der historischen Region Siebenbürgen. Als kleines Schmankerl für die Rückfahrt nach Bukarest bietet sich der Weg über die Transalpina vor. Die „Straße in den Wolken“ ist die höchste befahrbare Passstraße in Rumänien und mit ihren eher offenen Landschaften ein toller Kontrast zu der alpineren Transfăgărășan auf der Hinfahrt.

Der Bâlea-See am höchsten Punkt der Transfăgărășan. Bild: Wikimedia Commons/Cioboata Andrei

Praktische Tipps

Wie alle hohen Passstraßen in Mitteleuropa ist die Transfogarascher Hochstraße nur in den Sommermonaten befahrbar, in der Regel vom 1. Juli bis zum 31. Oktober. Den Rest des Jahres ist sie wegen Schnee und Vereisung gesperrt. Normale Wohnmobile, Kastenwagen und Camper bis 3,5 Tonnen sollten auf der Strecke keine Probleme haben, die Tunnel sind hoch genug. Allerdings gibt es über 80 Haarnadelkurven. Große, lange Wohnmobile oder Gespanne müssen in den Kehren ggf. weit ausholen und mit Gegenverkehr rechnen.

Generell empfehlen wir für die Passstraße einen Start am frühen Morgen, spätestens gegen 07:30 bzw. 08:00 Uhr. Ab dem späten Vormittag und vor allem an Wochenenden kann es sehr voll werden. Wenn dann in einer engen Kurve Reisebusse oder ungeduldige Autofahrer entgegenkommen, wird es mit dem Camper schnell stressig. Bei der langen Abfahrt auf der steilen Nordseite Richtung Cârțișoara empfiehlt es sich zudem die Motorbremse zu nutzen, um die Bremsbeläge vor dem Überhitzen zu schützen.

Die Transfăgărășan ist eine Nationalstraße – daher wird zum Befahren eine digitale Vignette benötigt, die sogenannte Rovinieta. Die Vignette könnt ihr euch vorher online besorgen, erfreulicherweise ist sie recht preiswert. Wohnmobile bis 3,5 Tonnen benötigen zudem lediglich die günstige Pkw-Vignette. Freistehen ist an der Transfogarascher Hochstraße nicht empfehlenswert. Die Region ist für die vielen hier lebenden Braunbären berüchtigt und es relativ wahrscheinlich, dass ihr die Tiere am Straßenrand seht. Bei einer Begegnung sollte man nicht aussteigen, nicht für Fotos nahe herangehen und die Tiere niemals füttern.

Praktische Informationen zur Campingtour
Route Bukarest - Curtea de Argeș - Vidraru-Staudamm - Burg Poenari - Bâlea-See - Cârțișoara - Sibiu - Sebeș - Obârșia Lotrului - Urdele-Pass - Novaci - Bukarest
Strecke ca. 800 km
Fahrtzeit 4-5 Tage
Highlights Burg Poenari, Bâlea-See auf der Transfogarascher Hochstraße, Altstadt von Sibiu, Rückfahrt über die Transalpina
Beste Reisezeit Juli - Oktober
Maut Für alle Straßen in Rumänien wird eine digitale Vignette (Rovinieta) benötigt. Die Kosten hängen vom Gewicht des Fahrzeugs ab, sind aber sehr niedrig.

Abenteuer Karpaten: Von der Walachei ins wilde Făgăraș-Gebirge

Unser Roadtrip beginnt in Rumäniens Hauptstadt Bukarest, allerdings lassen wir das flache Tiefland schnell hinter uns und nehmen Kurs auf die geschichtsträchtige Stadt Curtea de Argeș. Die einstige Hauptstadt der Walachei liegt malerisch am Fuße der Südkarpaten. Ein Besuch der prachtvollen Kathedrale – ein wunderschöner, weiß schimmernder Prachtbau und Ruhestätte der rumänischen Könige – ist ein absolutes Muss! Bevor wir dann endgültig in alpinere Gefilde aufbrechen, bietet es sich an, den Ort für einen letzten großen Tankstopp zu nutzen und die Vorräte im Camper aufzufüllen.

Anschließend geht es am Fluss Argeș entlang nach Norden, während sich das Tal zunehmend verengt und die tiefgrünen Laubwälder der Walachei die Straße einrahmen. Schließlich erreichen wir die Ruine der Burg Poenari in spektakulärer Lage über einer Schlucht. Im 15. Jahrhundert flüchtete sich der Großfürst Vlad III. Drăculea vor den Türken in die Burg, daher gilt sie heute als „echte“ Dracula-Festung. Um sie zu besichtigen, steht ein steiler Aufstieg über 1.400 Stufen an, dafür werden wir mit einem fantastischen Blick über das bewaldete Tal belohnt. Nur wenige Kilometer weiter passieren wir dann den monumentalen, 166 Meter hohen Vidraru-Staudamm mit seiner gewaltigen Betonmauer. Den Abend lassen wir auf einem schattigen Campingplatz Dracula ausklingen.

Spektakulär: Der Blick über die Transfogarascher Hochstraße. Bild: Wikimedia Commons/Horia Varlan

Alpines Kurvenspektakel auf der Transfogarascher Hochstraße

Früh am nächsten Morgen beginnt das Highlight unserer Reise: Wir bezwingen die legendäre Transfăgărășan! Die Straße windet sich in über unzähligen engen Haarnadelkurven die steilen Hänge der rumänischen Alpen hinauf, hier ist volle Konzentration erforderlich. Auf rund 1.800 Metern lassen wir die Waldgrenze unter uns, vor uns öffnet sich über eine dramatische, von eiszeitlichen Gletschern geformte Hochgebirgslandschaft. Nach dem fast einen Kilometer langen unbeleuchteten Bâlea-Tunnel erreichen wir dann den Bâlea-See auf 2.042 Metern – das ist der höchste Punkt der Passstraße und ein idealer Ort für eine ausgedehnte Pause.

Anschließend geht es spektakulär weiter: Die dramatische Nordabfahrt führt wie eine riesige Achterbahn ins Olt-Tal hinein. Auf diesem Abschnitt fallen die meisten Kurven an, außerdem überwinden wir auf den 35 Kilometern einen Höhenunterschied von über 1.500 Metern – die Motorbremse ist hier also unser bester Freund! Heil wieder unten erwartet uns das idyllische Dorf Cârțișoara am Fuße des Făgăraș-Hauptkamms. Mit seinen traditionellen, siebenbürgischen Bauernhäusern bildet es einen wunderbaren Kontrast zur wilden Bergwelt.

Campingplatz-Tipp: Camping De Oude Wilg

Sibiu und Sebeș: Sächsisches Erbe im Herzen Siebenbürgens

Am nächsten Vormittag fahren wir parallel zur mächtigen Bergkette nach Westen und erreichen die wunderschöne Kulturstadt Sibiu. Die ehemalige europäische Kulturhauptstadt 2007 ist auch als Hermannstadt bekannt und fasziniert durch ihre gut erhaltene, mittelalterliche Altstadt und die sächsische Architektur. Wir schlendern über den Großen Ring, über die berühmte Lügenbrücke und lassen uns von den markanten „Häusern mit Augen“ – den typischen Dachgauben der Stadt – beobachten. Außerdem lohnt ein Abstecher zum nahegelegenen ASTRA-Freilichtmuseum, wo wir zwischen historischen Windmühlen und Holzkirchen tief in die Kulturgeschichte Siebenbürgens eintauchen.

Nachmittags geht’s weiter nach Sebeș, eine der sieben historischen sächsischen Festungsstädte am Fluss Mureș. Wahrzeichen der Stadt ist die monumentale evangelische Stadtpfarrkirche im Zentrum. Die wehrhaften Mauern und der gotische Chor erzählen die jahrhundertelange Geschichte der Region. Nur wenige Kilometer außerhalb von Sebeș bestaunen wir die Râpa Roșie (die „Rote Schlucht“), eine beeindruckende, durch Erosion geformte Felsformation aus rotem Sandstein, die wie ein Mini-Grand-Canyon aus der grünen Hügellandschaft hervorragt. In dieser wunderschönen Umgebung können wir uns schon mal auf das zweite große Bergabenteuer unseres Roadtrips einstimmen!

Campingplatz-Tipp: Camping Ananas Sibiu

Die Transalpina: Über die „Straße der Wolken“ zurück nach Bukarest

Der nächste Abschnitt führt über die DN67C, die sogenannte „Transalpina“. Das ist die höchste und am besten asphaltierte Passstraße Rumäniens. Im Vergleich zur Transfăgărășan zeichnet sie sich durch breitere Fahrbahnen und eine Streckenführung aus, die kilometerweit auf den kahlen Kämmen des Parâng-Gebirges verläuft. Die Landschaft unterscheidet sich komplett vom Făgăraș-Gebirge: Wir fahren durch sanft geschwungene, grasbewachsene Hochebenen, schier unendlich weit. Am Urdele-Pass auf 2.145 Metern über dem Meeresspiegel stehen wir schließlich am höchsten befahrbaren Punkt Rumäniens und blicken über eine Kulisse, über die im Sommer oft dichte Wolkenbänke hinwegziehen – daher der Name der Straße.

Urdele-Pass auf der Transalpina. Bild: Wikimedia Commons/Olgierd Rudak

Nach dem Pass beginnt der lange, kurvenreiche Abstieg an den Südabhängen des Parâng-Gebirges hinab in den hübschen Bergort Novaci. Die Kleinstadt markiert das offizielle Ende der Hochstraße und empfängt uns mit einer mediterran angehauchten Vegetation zwischen grünen Hügeln. Hier lohnt sich ein kurzer Stopp: Im Sommer verkaufen die lokalen Hirtenfamilien direkt am Straßenrand frischen Schafskäse aus den nahegelegenen Berghütten. Mit diesen kulinarischen Erinnerungen im Gepäck lassen wir die rumänischen Alpen endgültig hinter uns und treten die entspannte Rückfahrt zu unserem Ausgangspunkt nach Bukarest an. Eine großartige Reise liegt hinter uns!

Titelbild: Wikimedia Commons/Moto-strto

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