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Diesel-Fahrverbote für Wohnmobile: Das musst du wissen

Spätestens seit dem Dieselskandal sorgt das Thema Schadstoffbelastung für dicke Luft unter Campern und Wohnmobilreisenden. Besonders ärgerlich: Einige deutsche Städte haben inzwischen Dieselfahrverbote eingeführt. Was bedeutet das für Besitzer von Wohnmobilen genau? Wer ist davon betroffen? Und was bringt die Zukunft? In diesem Ratgeber beantworten wir alle Fragen rund um das Thema Diesel-Fahrverbote für Wohnmobile.

Warum gibt es überhaupt Diesel-Fahrverbote?

Bereits 2008 hat das Europäische Parlament einen Immissionsgrenzwert von durchschnittlich 40 Mikrogramm Stickstoffoxid pro Kubikmeter ermittelt. Viele Städte in Deutschland überschreiten diesen Wert seit Jahren und haben daher verschiedene Maßnahmen eingeführt, um die Schadstoffbelastung zu vermindern.

Nach etlichen Klagen, unter anderem durch den Vereins Deutsche Umwelthilfe, wurden die Städte zuletzt dazu aufgefordert, Diesel-Fahrverbote auszusprechen und bestimmte Teile der Städte für Dieselfahrzeuge zu sperren. Dafür sorgte auch der Dieselskandal, bei dem sich herausstellte, dass die ausgestoßenen Emmissionen der Dieselmotoren häufig über dem Grenzwert lagen und die Hersteller diese Werte bewusst manipuliert haben.

Bei der Einführung des Verbots gab es keine einheitlichen Regeln, da nicht alle Städte die Grenzwerte gleich stark überschritten. Zunächst wird ein sogenannter Luftreinhaltungsplan ausgearbeitet, um die Abgas-Belastung für die Anwohner zu reduzieren. Scheitert dieser Plan kommt in letzter Instanz das Diesel-Fahrverbot.

In der Regel erfolgt die Einführung dabei schrittweise. Für manche Abgasnormen und Fahrergruppen werden Schonfristen festgelegt, um den Übergang reibungsloser zu gestalten. Teilweise gibt es auch Ausnahmen, mit denen es trotz Fahrverbot möglich ist, in den gesperrten Bereichen zu fahren.

Was bedeutet das Diesel-Fahrverbot für Wohnmobile?

Wohnmobile zählen zu den Fahrzeugen, die direkt vom Diesel-Fahrverbot betroffen sind. Fast alle Wohnmobile laufen mit Dieselmotoren, da diese leistungsstärker und effizienter arbeiten. Derzeit gibt es keine technische Alternative, um das vergleichsweise hohe Gewicht von Wohnmobilen genauso günstig mit einer vergleichbaren Leistung fortzubewegen. Elektro-Motoren oder Hybridantriebe stecken im Wohnmobilbereich derzeit noch in den Kinderschuhen und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben. Nicht nur weil die Technik noch nicht ausgereift ist, sondern auch aufgrund fehlender Infrastruktur und der geringen Reichweite solcher Lösungen.

Praktisch heißt das: Besitzer von Wohnmobilen müssen sich in den nächsten Jahren gezwungenermaßen mit dem Thema Diesel-Fahrverbote auseinandersetzen. Dabei gibt es aber auch einige gute Nachrichten. Zunächst sind nicht alle Fahrzeuge in gleichem Maße von der Problematik betroffen. Besonders stark trifft es vor allem ältere Wohnmobile mit den Abgasnormen Euro 3 und Euro 4 (Details dazu im nächsten Absatz). Laut Schätzungen des Deutschen Caravaning Industrie Verbands (DCIV) sind insgesamt nur rund 5 Prozent aller Fahrzeuge von den Verboten betroffen.

Dazu kommt: Diesel-Fahrverbote werden vor allem in urbanen Ballungszentren und Innenstädten ausgesprochen. Viele Camper fahren ohnehin lieber ins Grüne und sind daher oft nicht davon betroffen, wenn ein bestimmter innerstädtischer Bereich gesperrt wird.

Auch Städtereisen sind weniger problematisch, als man zunächst vielleicht denken mag. Etliche Camper fahren am liebsten mit dem Wohnmobil auf den Stellplatz vor der Stadt und besichtigen das Zentrum dann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn oder mit dem Fahrrad. Trips in beliebte Metropolen wie Berlin oder Hamburg sind also auch weiterhin möglich.

Hart treffen könnte es in Zukunft hingegen die Besitzer von Stadtcampingplätzen und Stellplätzen in Innenstädten. Diese Betreiber sind darauf angewiesen, dass Wohnmobilreisende mit ihrem Fahrzeug bis in die Innenstadt fahren. Ob für diesen Fall noch entsprechende Ausnahmeregeln getroffen werden oder die Plätze schlimmstenfalls schließen müssen, bleibt abzuwarten.

Wenn du noch einige praktische Ratschläge für den Kauf eines Wohnmobils brauchst, lies unseren Ratgeber dazu.

Welche Wohnmobile sind vom Diesel-Fahrverbot betroffen?

Derzeit sind alle Wohnmobile mit der Abgasnorm Euro 4 oder niedriger von dem Diesel-Fahrverbot in den jeweiligen Städten betroffen. Wenn du beispielsweise ein älteres Wohnmobil mit Euro 3 fährst, darfst du in einige Bereiche der betroffenen Städte nicht einfahren. Eine Liste der Städte mit Verbot findest du weiter unten im Artikel.

In einigen wenigen Städten (z.B. Gelsenkirchen, Berlin ab Ende Oktober 2019) gilt das Diesel-Fahrverbot zudem auch für Fahrzeuge mit der Abgasnorm Euro 5. Aktuelle Fahrzeuge mit Euro 6 sind derzeit noch nicht von dem Verbot betroffen. Das soll voraussichtlich bis zum Jahr 2021 so bleiben. Beachte: Die Fahrverbote gelten auch für Benziner für Euro 3 und darunter.

Wir haben alle wichtige Verkehrsbestimmungen und Gesetze für Wohnmobile zudem in einem Artikel für Dich zusammengetragen.

So findest du die Schadstoffklasse deines Wohnmobils heraus

Wenn du dir gerade nicht ganz sicher bist, welche Abgasnorm dein Fahrzeug eigentlich besitzt, kannst du einfach einen Blick in die Fahrzeugpapiere werfen. Du findest die Euronorm für dein Dieselfahrzeug anhand der Schadstoffschlüssel-Nummer in deinem Fahrzeugschein heraus.

Diese ist an der folgenden Stelle eingetragen, abhängig davon, wann dein Fahrzeug zuerst zugelassen wurde:

  • Vor dem 01.10.2005 in der linken oberen Ecke unter „Schlüsselnummer – zu 1“
  • Nach dem 01.10.2005 in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 im Feld 14.1

Anhand der Schlüsselnummer kannst du jetzt die Euronorm deines Dieselfahrzeugs ermitteln. Vergleiche die Nummer einfach mit den Tabelle, die der ADAC bereit hält.

In diesen Städten gelten die Fahrverbote für Dieselfahrzeuge

Derzeit gibt es in Deutschland keine einheitliche Regel zu den Diesel-Fahrverboten. Das Ausmaß der Verbote unterscheidet sich also von Stadt zu Stadt. Während in Stuttgart etwa das gesamte Stadtgebiet in der Umweltzone betroffen ist, sind in Hamburg nur einige Straßen gesperrt.

In der folgenden Übersicht haben wir zusammengefasst, wie die Situation aktuell in einigen der größeren Städte Deutschlands aussieht (Stand: Oktober 2019).

Stuttgart: Gilt seit: 1. Januar bzw. 1. April (für Anwohner) 2019 Betroffene Fahrzeuge: Pkw und Lkw der Abgasnorm Euro 4 und älter Fahrverbot in: gesamtes Stadtgebiet (Umweltzone) Strafen: Bußgeld und Strafen in Höhe von bis zu 108 Euro Ausnahmen: unter anderem Lieferverkehr, Rettungsdienste, Menschen mit Behinderung

Hamburg: Gilt seit: 01. Juni 2018 Betroffene Fahrzeuge: Kraftfahrzeuge der Diesel-Abgasnorm Euro 1 bis 5 Fahrverbot in: Max-Brauer-Allee für Pkw, Lkw und andere mehrspurige Kraftfahrzeuge und Stresemannstraße für Kraftfahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse einschließlich Anhänger und Zugmaschinen (ausgenommen Pkw und Omnibusse) Strafen: Bußgeld in Höhe von 25 Euro (Pkw) bis 75 Euro (Lkw) Ausnahmen: Anwohner, Rettungsdienste, Gewerbetreibende

Berlin: Gilt seit: frühestens Ende Oktober 2019 Betroffene Fahrzeuge: Abgasnorm Euro 1-5 Fahrverbot in: Acht Teilabschnitte auf den Straßen Leipziger Straße, Brückenstraße, Reinhardtstraße, Alt-Moabit, Friedrichstraße, Stromstraße, Hermannstraße, Silbersteinstraße Strafen: Bußgeld in Höhe von 25 Euro Ausnahmen: Anwohner, dort arbeitende Personen, Handwerker und Patienten ansässiger Ärzte

Darmstadt: Gilt seit: 1. Juni 2019 Betroffene Fahrzeuge: Diesel-Abgasnorm Euro 1-5 und Benziner der Klassen Euro 1 und 2 Fahrverbot in: Hügelstraße und Heinrichstraße Strafen: Bußgeld und Strafe in Höhe von insgesamt 108 Euro
Ausnahmen: Rettungswagen, Müllabfuhr, Straßenreinigung, örtliche Handwerker, nachgerüstete Fahrzeuge

Eine jeweils aktuelle Übersicht der Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten findest du auch direkt beim ADAC.

Welche Ausnahmeregeln gibt es für Camper?

Fahrverbot ist nicht gleich Fahrverbot. In etlichen Städten, die Diesel-Fahrverbote aussprechen, gibt es Ausnahmeregelungen. Diese gelten in der Regel für Handwerker, Zulieferer und Pflegedienste und sollen sicherstellen, dass die Versorgung der Stadtzentren nicht einbricht.

Für Camper entscheidend: Auch als Besitzer eines Wohnmobils kannst du eine solche Ausnahmegenehmigung beantragen. Dabei musst du in der Regel nachweisen, dass:

  • du das Fahrzeug hauptsächlich für Urlaubsfahrten und Reisezwecke nutzt
  • du kein alternatives Fahrzeug besitzt
  • das Fahrzeug eine grüne Plakette hat

Einen entsprechenden Antrag bietet die Stadt Stuttgart beispielsweise im Internet an. Hier kannst du die Ausnahmegenehmigung bequem online beantragen. Sowohl Antrag als auch die Genehmigung sind kostenlos. Einziger Haken: Es gibt keine Garantie, dass die Anfrage positiv beantwortet wird. Falls deine Reiserouten von den Verboten betroffen sind, lohnt es sich aber trotzdem nachzuhaken.

Wird das Diesel-Fahrverbot kontrolliert?

Von außen sieht man einem Fahrzeug natürlich nicht an, ob es ein Diesel ist und mit welcher Abgasnorm es läuft. Um die Fahrverbote zu kontrollieren setzen die Städte deshalb auf stichprobenartige Verkehrskontrollen. Dabei kontrollieren die Behörden die Fahrzeugpapiere.

Das Verkehrsministerium brachte in der Vergangenheit den Vorschlag ein, die Kennzeichen von Fahrzeugen mit Kameras abzugleichen. Aufgrund der zu erwartenden Verletzung der Persönlichkeitsrechte konnte sich dieser Vorschlag aber nicht durchsetzen.

Ebenfalls in der Diskussion stand die Idee einer blauen Plakette für "saubere" Dieselautos. Das würde die Kontrolle erleichtern, allerdings hätten nur Fahrzeuge der Abgasnorm Euro 6 die blaue Plakette bekommen. Die Bundesregierung hat die Einführung abgelehnt – voraussichtlich wird sie nicht kommen.

Diesel-Fahrverbote in Europa: Das müssen Camper wissen

Diesel-Fahrverbote sind in Deutschland noch ein relativ neues Thema. In vielen anderen europäischen Ländern, etwa Italien, Spanien oder Frankreich, gibt es entsprechende Regeln schon länger. Für Wohnmobilreisende ist wichtig: Touristen erhalten oft eine entsprechende Ausnahmegenehmigung.

Dennoch solltest du dich besser schon im Vorfeld informieren, wie es in der entsprechenden Region aussieht, die du mit dem Wohnmobil bereist. Schau beispielsweise in unseren ausführlichen Artikel über die Umweltzonen in Frankreich. Alternativ findest du beim ADAC eine Auflistung der Zufahrtsbeschränkungen in Europa.

Unser Tipp: Lass dir von den Diesel-Fahrverboten nicht den Urlaub verderben. Viele tolle Campingplätze liegen weit außerhalb der Städte und du wirst vermutlich keinerlei Probleme haben, dort einen schönen Stellplatz zu bekommen.

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Artikel von Selim Baykara

Titelbild: ©winterbilder - stock.adobe.com

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