Chambord Schloss

Val de Loire: Mit dem Wohnmobil durch das Tal der Könige

| 6 min Lesedauer

Wer nach Frankreich reisen möchte, hat die Qual der Wahl, denn zwischen Elsass, Atlantikküste und Côte d’Azur erstrecken sich herrliche Reisegebiete. Im Herzen Frankreichs lockt das Tal der Loire mit prächtigen Schlössern, imposanten Städten und beachtlicher Kulturgeschichte. Rund um den längsten Fluss des Landes fühlten sich einst die Könige wohl – heute gesellen sich auch die Camper hinzu. Hervorragende Campingplätze und jede Menge Stellplätze kennzeichnen die Region, ebenso das gute Angebot an Aktivitäten auf und an der Loire.

In unserer Datenbank findest du ein großes Angebot an Campingplätzen im Val de Loire.

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Unsere Route durchs Val de Loire
Unsere Route durchs Val de Loire - © PiNCAMP

Die Route beginnt in der geschichtsträchtigen Stadt Orléans und endet in der ebenso sehenswerten Stadt Angers. Die lehrreiche Tour verläuft – je nachdem welche Attraktion man sich anschaut – auf beiden Seiten des mittlerweile flachen und nicht mehr schiffbaren Flusses. Die Etappen sind generell eher kurz, denn die Ausflugsziele sind stets nur wenige Kilometer voneinander entfernt.

Zu den Highlights der Reise gehören die vielen Schlösser, die Besucher aus aller Herren Länder anziehen. Mehr als 300 Schlösser verteilen sich in dem Loiretal, was die einstige Macht und den Reichtum des Adels unterstreicht. Tatsächlich wird der interessante Abschnitt zwischen Giens und Angers als Loiretal bezeichnet und der rund 280 Kilometer lange Teil zwischen Sully-sur-Loire und Chalonnes-sur-Loire wurde sogar in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen.

Orleans Rue Jeanne d'Arc
Orleans Rue Jeanne d'Arc - © Thomas Kliem

Start in Orléans

Nach der Anreise über die mautpflichtigen französischen Autobahnen dreht man den Zündschlüssel in Orléans um und widmet sich der sehenswerten Stadt. Breite Prachtstraßen, die kunstvoll gestaltete Kathedrale, das renommierte Kunstmuseum und einladende Plätze prägen die quirlige Großstadt an der Loire. Im Zentrum der Altstadt steht die Statue einer Berühmtheit der Region, der Volksheldin Jeanne d’Arc. Die 17-jährige Bauerstochter ging als „Jungfrau von Orléans“ in die Geschichte ein. Sie führte 1429 ein Heer im Kampf gegen die Engländer, starb jedoch auf dem Scheiterhaufen.

In Orléans steht man erstmalig an dem genau 1.012 Kilometer langen Fluss Loire, dem längsten des Landes. Er entspringt im Zentralmassiv und mündet rund 50 Kilometer westlich von Nantes in den Atlantik. Vielleicht ist der Camper beim Anblick des seichten und teils verlandeten Flusses etwas enttäuscht. Diese Enttäuschung wird im Laufe der Tour jedoch schnell weichen!

Blois Schloss
Blois Schloss - © Thomas Kliem

Prächtige Schlösser zwischen Blois und Chambord

Gemütlich reist man mit dem Campingmobil über die Nationalstraße allmählich flussabwärts. Immer wieder laden prächtige Städte wie Beaugency zu einer Stippvisite ein. Rund 50 Kilometer von Orléans entfernt, befindet sich Blois. Hier sollte man wiederum etwas mehr Zeit einplanen. Im Herzen der grandiosen Altstadt steht ein imposantes Schloss und nur wenige Schritte weiter kann man sich in der Maison de la Magie dem Leben und Werk des Magiers Robert Houdin, einer weiteren Größe des Loiretals, widmen.

Auf die Spuren einer wahren Größe begibt man sich einige Kilometer östlich von Blois. Inmitten einer Waldlandschaft ließ König Franz I. das Schloss Chambord zu Beginn des 16.Jahrhunderts errichten. Es gehört zweifelsfrei zu den schönsten Schlössern weltweit! Kein Geringerer als Leonardo da Vinci konstruierte hier ein Treppensystem, bei dem man sich beim Auf- und Abgehen nicht begegnet (scheinbar ahnte das Universalgenie den heutigen Touristenansturm!). Mehr als 400 Zimmer zeugen von dem einstigen Wohlstand. Rund um Chambord locken mit den Schlössern Château de Villesavin, Château de Beauregard und Château de Cheverny weitere Prachtbauten.

Die letzte Ruhestätte von Leonardo da Vinci

Tief beeindruckt wird der Camper sicherlich das Schloss Chambord verlassen. Nach wenigen Kilometern lädt das Schloss von Chaumont-sur-Loire mit seinem drei Hektar großen Schlosspark zu einem Zwischenstopp ein. Dann sind es nur noch 15 Autominuten zum Städtchen Amboise. Hier sollte man auf dem städtischen Campingplatz Municipal l’Ile d’Or einchecken, von dem man ins Städtchen spazieren kann.

Bereits beim Spaziergang blickt man über den Fluss hinüber zum Schloss, das abends raffiniert beleuchtet wird. Apropos Beleuchtung! Viele Schlösser an der Loire können mit ausgefeilten Licht- und Klanginszenierungen auftrumpfen. Im Amboise war Leonardo gerngesehener Gast von König Franz I.. In einem weiteren Schloss der Stadt, dem Le Clos-Luce verbrachte er seine letzten Lebensjahre. Heute ist hier ein Museum untergebracht und so können die Erfindungen des Gelehrten bestaunt werden. Direkt neben dem Hauptschloss befindet sich auch die kleine Kapelle mit dem Grab von Leonardo da Vinci.

Auf dem guten Campingplatz kann man sein Wohnmobil getrost stehen lassen und eine Tour mit dem Rad unternehmen. Wie wäre es zur Abwechslung mit einer Schlossbesichtigung? Tatsächlich sollte man sich eine Radtour zum Château Chenonceau nicht entgehen lassen. Es gehört zu den besonderen seiner Art und überspannt den kleinen Fluss Cher. Wer in dem hübsch gestalteten Park ein nettes Plätzchen ergattert und auf den Fluss blickt, erkennt schnell, dass neben den Touren mit dem Rad auch Ausflüge mit dem Kanu zu den schönen Aktivitäten gehören.

Camp Municipal l'Île d'Or
Blick vom Campingplatz auf den Fluss Loire und die Stadt Amboise - © Camp Municipal l'Île d'Or

Auf den Spuren von Sankt Martin

In der Stadt Tours dreht sich Vieles um den Heiligen Martin. Als Legionär der römischen Armee teilte er im 4.Jahrhundert seinen Mantel und rettete so einen Bettler vor dem Erfrieren. In der Basilika Saint-Martin werden seine Gebeine aufbewahrt und zahlreiche Wallfahrer pilgern nach Tours. Auch der Reisemobilist pilgert weiter und stößt auf der Route u.a. in Azay-le-Rideau, Ussé und schließlich Saumur auf grandiose Schlösser. In Saumur erhebt sich das helle Schloss auf einem Hügel oberhalb der Altstadt und des Flusses. Die umliegenden Rebflächen erinnern daran, dass die Stadt bekannt für ihren schmackhaften Schaumwein ist. So wird die Reise vielleicht mit dem feinperligen Mitbringsel im Staufach fortgesetzt.

Auf der letzten Etappe zwischen Saumur und Angers erstreckt sich am südlichen Ufer der Loire ein flaches Kalksteinmassiv. Bereits im 10. Jahrhundert wurde der Kalkstein abgetragen. Der weiche Stein diente als Baumaterial für die Häuser, Kirchen und natürlich die Schlösser. Es entstanden lange Höhlensysteme, die dank der ganzjährigen Temperatur von 11 bis 14 °C für die Lagerung von Weinen oder die Zucht von Pilzen und Schnecken verwendet werden. Teilweise wurden die „Höhlen“ als sogenannte „Troglos“ auch als Wohnungen genutzt.

Festung Angers
Festung Angers - © Thomas Kliem

Endstation Angers

Es sind nur noch wenige Kilometer bis nach Angers, dem Endpunkt der Route. In der lebendigen Universitätsstadt fließen Maine und Loire zusammen. Wer zum Abschluss der Reise noch ausreichend Zeit hat, sollte sich dem Schloss mit seiner mächtigen Festungsanlage widmen. Hier kann auch der aus dem 14. Jahrhundert stammende Wandteppich „Zyklus der Apokalypse“ bestaunt werden.

Staunen wird man sicherlich auch über die Altstadt mit der Kathedrale und den alten Fachwerkhäusern. Kunstinteressierte werden in dem „Musée des Beaux-Arts“ oder in der „Galerie David d-Angers“ auf ihre Kosten kommen. Nach der Reizüberflutung der vorherigen Reisetage kann man in den netten Cafés, Pubs und Bars in dem historischen Viertels La Doutre wieder „auftanken“!

Praktische Infos zur Tour

  • Länge der Tour: rund 400 Kilometer
  • Benötigte Zeit: 10 bis 14 Tage

Das sollst du nicht verpassen: In Azay-le-Rideau gehören die Licht- und Klangspiele (Songes et Lumières) am Schloss und im Schlosspark zu den schönsten Lichtinszenierungen im Loiretal. Glücklicherweise stehen in der Nähe ein Campingplatz und ein Stellplatz zur Verfügung.

Author: Thomas Kliem