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Kreta Rundreise: Roadtrip auf der größten Insel Griechenlands
Türkisblaues Lagunenwasser mit rosafarbenem Korallensand, schneebedeckte Zweitausender und tief eingeschnittene Schluchten – Kreta ist weit mehr als ein Urlaubsziel für den nächsten Strandurlaub. In diesem Artikel stellen wir euch eine spannende Rundreise für 14 Tage vor, auf der ihr die zahlreichen Highlights von Kreta kennenlernt.
Auf der Karte sieht Kreta wie eine normale Insel aus. Tatsächlich ist Kreta aber ein eigener kleiner Kontinent mit faszinierenden Kontrasten. Auf über 1.000 Kilometern Küstenlinie vereint die größte Insel Griechenlands karibische Traumstrände mit nordafrikanischen Palmenwäldern, türkisblaue Lagunen mit einsamer, alpiner Bergwildnis. Dazu kommt eine reichhaltige Kultur, die im berühmten Palast von Knossos, dem sagenhaften „Labyrinth des Minotaurus“ ihren bekanntesten Ausdruck findet. Nicht umsonst gilt Kreta als Wiege der europäischen Zivilisation.
Wer Kreta abseits der Hotelburgen mit dem eigenen Fahrzeug bereist – entweder im Camper oder im PKW – kann hier in jedem Fall noch echte Roadtrip-Abenteuer zwischen Antike und Moderne erleben. Genau dafür haben wir hier eine Route ausgetüftelt, die euch in rund 14 Tagen einmal um die gesamte Insel führt. Auf dem Programm stehen Top-Highlights wie die minoischen Kulturstätten, bekannte Strände und hübsche venezianische Hafenstädte, dazu unentdeckte Geheimtipps im wilden Osten und natürlich jede Menge wunderbare mediterrane Natur.
Praktische Tipps
Wenn ihr mit dem eigenen Camper anreist: Die Anfahrt erfolgt am entspanntesten per Nachtfähre (Minoan oder Anek Lines) ab Piräus (Athen) nach Heraklion oder Chania. Alternativ fliegt ihr direkt nach Kreta und mietet vor Ort einen Camper oder ein Auto – lokale Anbieter bieten komplett ausgestattete Vans an, klassische Mietwagen stehen an jedem Flughafen bereit. Das Preisniveau auf Kreta ist insgesamt moderat: Günstige Tavernen, faire Spritpreise und mautfreie Straßen (nur die neue Nationalstraße im Norden wird schrittweise ausgebaut) schonen die Reisekasse.
Freistehen ist in Griechenland offiziell verboten und wird mit hohen Bußgeldern geahndet, besonders in Naturschutzgebieten. Nutzt stattdessen lieber die gut ausgestatteten, offiziellen Campingplätze an den Küsten. Alternativ könnt ihr höflich in den ländlichen Tavernen nachfragen – häufig darf man nach dem Abendessen kostenlos auf deren Parkplatz übernachten. Die Versorgung mit frischem Wasser ist unkompliziert (Tankstellen). Lokale Wochenmärkte und kleine Supermärkte bieten hervorragende regionale Lebensmittel und frisches Olivenöl.
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Die beste Reisezeit für Camper sind die Monate April bis Juni sowie September bis Oktober. Damit entgeht ihr der extremen Sommerhitze und den Touristenmassen. Die Straßen unterscheiden sich etwas, je nach Region. Die Hauptstraßen im Norden sind generell gut ausgebaut. Im Süden und im Hinterland warten hingegen teilweise beachtliche Steigungen, Haarnadelkurven und Schlaglöcher. Die Verständigung vor Ort ist meist recht unkompliziert. Viele Kreter – sogar in abgelegenen Bergdörfern – sprechen gutes Englisch und die Gastfreundschaft der Einwohner ist legendär.
| Praktische Informationen zur Rundreise | |
|---|---|
| Route | Heraklion ➔ Elounda & Spinalonga ➔ Richtis-Schlucht ➔ Xerokampos ➔ Matala ➔ Kourtaliotiko-Schlucht ➔ Preveli Beach ➔ Elafonisi & Kedrodasos ➔ Balos ➔ Chania ➔ Katholiko-Kloster (Akrotiri) ➔ Rethymno ➔ Amari-Tal ➔ Heraklion |
| Strecke | 875 km |
| Fahrtzeit | 14 Tage |
| Highlights | Palast von Knossos, Baden am Preveli Beach, Fahrt durch die Kourtaliotiko-Schlucht, Lagune von Elafonisi, Altstadt von Chania |
| Beste Reisezeit | April - Juni, September - Oktober |
| Maut | Auf Kreta sind alle Straßen für Camper und PKW komplett mautfrei, die im Bau befindliche, neue Autobahn (VOAK) im Norden der Insel ist noch nicht fertiggestellt |
Der unentdeckte Osten: Von Palästen und Dschungelpfaden
Wir starten unsere Rundreise in Heraklion, wo wir uns direkt in die Antike stürzen. Hauptattraktion ist natürlich der Palast von Knossos, das Herzstück der minoischen Kultur. In der Antike bestand das Areal aus mehr als 1.300 miteinander verbundenen Räumen und Gängen – daraus wurde später der Mythos des Labyrinths, in dem der menschenfressende Minotaurus haust. Heute lassen sich zahlreiche rekonstruierte Säulen und Thronsäle bestaunen. Anschließend fahren wir entlang der Nordküste ins mondäne Elounda, toll gelegen in der Mirabello-Bucht. Mit einem Boot setzen wir zur geschichtsträchtigen Inselfestung Spinalonga über. Die einstige Lepra-Kolonie verzaubert mit ihren gut erhaltenen venezianischen Mauern und einer berührenden, leicht melancholischen Atmosphäre.
Campingplatz-Tipp: Creta Camping
Am nächsten Tag geht es weiter in Richtung Osten durch die rauen Küsten der Region Lasithi. Unser Ziel ist die versteckte Richtis-Schlucht bei Exo Mouliana, ein geschütztes Naturparadies, das fast wie ein grüner tropischer Dschungel anmutet. Eine schöne (und schattige) Wanderung führt entlang eines Flusslaufs mit Holzbrücken zu einem imposanten, 15 Meter hohen Wasserfall, der in ein natürliches Badebecken stürzt. Nach dem Naturerlebnis steuern wir dann die abgelegene Bucht Xerokampos an der Südostspitze der Insel an. Diese extrem trockene, mit wildem Thymian bewachsene Halbwüste belohnt uns mit absoluter Einsamkeit und feinsten Sandstränden abseits der Massen.
Hippie-Vibes und Palmenwälder an der Südküste
Von hier führt uns die Route an die von heißen, afrikanischen Scirocco-Winden gepeitschte Südküste in das legendäre Dorf Matala. Der Ort an der Messara-Ebene ist berühmt für seine markanten Sandsteinhöhlen direkt in den Klippen der Bucht, in den 1960er-Jahren lebten Hippie-Ikonen wie Joni Mitchell hier ihren Traum vom freien Leben aus. Heute schlendern wir durch bunt bemalte Gassen und genießen den Sonnenuntergang in den urigen Tavernen direkt am Wasser. Anschließend geht es weiter landeinwärts, wo wir mit dem Camper die monumentale Kourtaliotiko-Schlucht durchqueren. Hier unbedingt haltmachen – die senkrecht aufragenden Felswände bieten spektakuläre Fotostopps!
Gleich hinter der Schlucht wartet mit dem tropischen Preveli Beach eines der bekanntesten Postkartenmotive Kretas – und ein spannendes Naturphänomen. Mitten durch einen Urwald aus Palmen fließt hier ein Süßwasserfluss aus den Bergen, bis er in der geschützten Lagune in das Libysche Meer mündet. Man kann sogar durch den Palmendschungel flussaufwärts wandern und sich unterwegs im angenehm kühlen Wasser erfrischen! Die Südküste fordert dann fahrerisch einiges ab. Dafür bieten sich an jeder Serpentine wunderbare Ausblicke auf das tiefblaue Meer und die kargen Ausläufer des mächtigen Ida-Gebirges – die perfekte Kulisse für alle, die das ursprüngliche Kreta abseits der Ferienorte suchen.
Campingplatz-Tipp: Camping Koutsounari
Einmal entlang der Weißen Berge von Kreta
Nächster Halt ist die hübsche Hafenstadt Chora Sfakion. Hier haben wir zwei Optionen, um in den Westen zu kommen. Der direkte Weg ist leider durch das Gebirgsmassiv der Lefka Ori versperrt, der mystischen „weißen Berge“ von Kreta, und es gibt hier auch keine Straße entlang der Küste. Die Berge fallen fast überall sehr steil ins Meer ab und die Landschaft ist von tiefen Schluchten durchzogen, darunter die weltbekannte Samaria-Schlucht. Viele Orte an der Südwestküste sind tatsächlich nur mit Bootsfähren und auf abenteuerlichen Stichstraßen erreichbar.
Eine Möglichkeit ist, ganz nach Norden zu fahren und dann ein Stück weiter entlang der flachen Küstenstraße – damit wiederholen sich allerdings einige Abschnitte, die wir später auf dem Rückweg nach Heraklion ohnehin zurücklegen. Die Alternative ist spektakulär und anspruchsvoll, aber für erfahrene Camper mit nicht allzu großen Fahrzeugen noch im Bereich des Machbaren: Zunächst hinauf zum Askifou-Plateau, dann über enge Straßen über Zourva nach Omalos und von dort in steilen Haarnadelkurven oberhalb der Agia-Irini-Schlucht hinab nach Paleochora, der Perle des Südwestens. Kompakte Fahrzeuge und Kastenwagen sind hier eindeutig im Vorteil. Mit großen Wohnmobilen ist von dieser Strecke abzuraten.
Campingplatz-Tipp: Camping Grammeno
Traumlagunen und venezianisches Flair
Wie auch immer wir an die Westküste kommen: Das nächste Ziel ist Elafonisi – die unter Naturschutz stehende Lagune wurde durch die im Wasser schimmernden, rosa Korallenpartikel weltbekannt. Wenn man hier durch das knietiefe, glasklare Wasser läuft, könnte man glatt meinen, man wäre in der Karibik! Wer es etwas ruhiger mag, besucht den benachbarten Kedrodasos Beach, wo uralte Wacholderbäume Schatten spenden. Weiter nördlich wartet die türkisfarbene Lagune von Balos, einer der schönsten Orte zum Baden in Kreta. Die Piste dorthin ist allerdings extrem holprig, besser ist es, die Lagune per Boot ab Kissamos ansteuern.
Nach all den Strand-Highlights tauchen wir ein in das urbane Herz des Westens: Chania. Die kleine Metropole gilt als schönste Stadt Kretas und bezaubert mit einem venezianischen Hafen, dem historischen Leuchtturm und der markanten osmanischen Janitscharen-Moschee. In den labyrinthartigen Gassen der Altstadt kann man sich ganz hervorragend verlieren und die leckeren kretischen Mezze genießen. Am nächsten Tag unternehmen wir einen Ausflug auf die nahegelegene Akrotiri-Halbinsel zum verlassenen Katholiko-Kloster. Die Ruine des ältesten Klosters der Insel liegt tief in einer felsigen Schlucht verborgen und ist nur über eine Wanderung vorbei an alten Einsiedlereien erreichbar.
Campingplatz-Tipp: Camping Chaniá
Durch den historischen Norden
Der letzte große Abschnitt führt uns entlang der kretischen Riviera in die hübsche Hafenstadt Rethymno. Das Stadtbild ist ein interessanter Mix aus osmanischen Minaretten, venezianischen Renaissance-Palästen und blumengeschmückten Gassen. Wichtigste Sehenswürdigkeit ist die mächtige Fortezza, eine der größten venezianischen Festungsanlagen der Welt, majestätisch auf einem Hügel über der Stadt gelegen, von dem sich fantastische Rundumblicke auf das geschäftige Treiben im alten Fischerhafen und das Meer bieten.
Zum Abschluss unseres Roadtrips lohnt es sich, kurz hinter Rethymno die Küstenstraße zu verlassen und das fruchtbare Amari-Tal im Hinterland zu besuchen. Eingebettet zwischen den Weißen Bergen und dem Massiv des Psiloritis fährt man hier vorbei an jahrhundertealten Olivenhainen, Kirschbäumen und traditionellen Steindörfern, in denen die Zeit stillzustehen scheint – Kreta in seiner reinsten Form. Wieder zurück an der großen Küstenstraße ist es dann nur noch ein Katzensprung bis Heraklion. Hier schließt sich der Kreis und wir verbringen im Idealfall noch einige Tage, um die unzähligen schönen Eindrücke sacken zu lassen.
Artikelbild: Wikimedia Commons/Thomas Meienberg