„Ich bin enthusiastischer als jemals zu vor!“

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Die erste Begegnung, die Monica Paroni hat, wenn sie morgens zur Arbeit kommt, ist mit
dem Wasser. Ihr Blick schweift über den Gardasee mit seinem kristallklaren Wasser und
ihre Seele ist zufrieden. Das ist ihr Ort. Hier gehört sie hin. Vor rund 30 Jahren fand sie
ihren Traumjob auf einem Campingplatz – heute ist Monica Paroni (53) leitende Direktorin
eines der größten Campingplätze am Gardasee in Italien. Piani di Clodia bietet insgesamt
890 Standplätze und mehr als 480 komfortable Unterkünfte für
Campingfans. „Wir sind bereit, unsere Gäste zu begrüßen“, sagt Paroni. Im Interview mit
unserer Autorin spricht die Managerin über die Herausforderungen der Campingwelt und
warum sie gerade in schweren Zeiten ihren Job liebt

Monica Paroni ist Direktorin des Campingplatzes Piani di Clodia
Monica Paroni ist Direktorin des Campingplatzes Piani di Clodia - © Monica Paroni

Frau Paroni, die Pandemie hat die Reisebranche seit über einem Jahr im Griff –
sagen Sie, mögen Sie Ihren Job noch?

Monica Paroni: Oh ja, ich liebe meinen Job noch immer! Und ich bin sogar
enthusiastischer als jemals zuvor. Wissen Sie, all die Jahre war es irgendwie auch einfach,
weil die Urlaubssaisons ganz gut vorhersehbar waren. Wir hatten im Sommer geöffnet und
über die Wintermonate geschlossen. Jetzt fühlt sich die Situation wie ein Kampf an – und
ich will ihn um jeden Preis gewinnen.

Vogelblick über Poollandschaft des Campingplatzes
Vogelblick über Poollandschaft des Campingplatzes - © Monica Paroni

Ja, Sie klingen kämpferisch.

Paroni: Das bin ich auch. Wenn unsere Gäste wiederkommen, werden sie feststellen,
dass unsere Mitarbeiter überglücklich sind, sie endlich wieder begrüßen zu können. Wir
wollen ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie nach Hause kommen. Wir wollen, dass sie
ihren Urlaub mehr als je zuvor genießen und sich hier bei uns sicher fühlen. Die
Bedingungen dafür haben wir geschaffen. All unsere Mitarbeiter haben Kurse besucht, in
denen sie alles rund um Sicherheit und Hygiene gelernt haben – sie wissen sehr wohl,
was rund um Covid zu beachten ist und sie wissen, wie sie mit einer großen Anzahl an Menschen umzugehen
haben – denn, wir sind ein großer Campingplatz.

Mobilheim mit gedecktem Tisch und Whirpool
Mobilheim mit gedecktem Tisch und Whirpool - © Monica Paroni

Ich glaube, den Enthusiasmus, den Sie gerade beschrieben haben ist auf beiden
Seiten da. Camping-Liebhaber können es wohl auch kaum abwarten, endlich wieder
zu reisen und das Camping-Leben zu genießen

Paroni: Das ist wahr. Die einzige Schwierigkeit ist, dass wir nicht genau wissen, ab wann
wir wieder starten können.

Camping Van auf grünem Stellplatz
Mit dem Camping Van steht man gemütlich im Grünen - © Monica Paroni

Diese Unsicherheit macht vielen Campern zu schaffen.

Paroni: Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Das letzte Jahr, war eines der schwersten Jahre
meines Berufslebens. Es war schwer, weil es das erste Jahr mit der Pandemie und damit
etwas völlig Neues war. Und ehrlich gesagt hatten wir gehofft, dass es nicht länger als
zwei, drei Monate andauert, und dass es mit der nächsten Saison besser werden würde –
doch dann hat sich die Situation weiterhin verschlechtert. Wir sind ein recht neuer
Campingplatz und jedes Jahr wollen wir unseren Gästen auch etwas Neues anbieten – im
Moment ist es aber sehr schwer, konkrete Pläne zu machen. Ich denke, dass der
Tourismus sich wandeln wird.

Inwiefern?

Paroni: Zunächst einmal glaube ich, dass sich die Suche nach einem Ferienziel
verändern und sich den gegebenen Umständen, mit denen wir jetzt leben, anpassen wird.
Die Menschen werden nach den besten Hygiene- und Sicherheitsbedingungen am
Ferienort suchen. Vor der Pandemie haben Touristen sich das ausgesucht, was ihnen am
besten gefiel. Wichtig war für sie, dass sie sich gut und glücklich fühlen. Ein angenehmer
Lebensstil und schöne Landschaften – aber meiner Meinung nach werden Urlauber
verstärkt nach Orten und Unterkünften suchen, die ein gutes und sicheres Hygieneumfeld
anbieten. Sie wollen dort Urlaub machen, wo sie sich gesund und sicher fühlen.

Kinderspielturm auf dem Campingplatz
Abwechlsungsreiche Aktivität auch für Kinder sind auf dem Campingplatz vorhanden - © Monica Paroni

Ein guter Campingplatz kann das sicherlich bieten, schließlich findet beim Campen
fast alles draußen statt. Zudem hat die Mehrheit der Urlauber ihr eigenes Heim auf
Rädern dabei oder bewohnen z.B. einem Bungalow. Wird das ein Vorteil für Sie sein?

Paroni: Ja, das denke ich schon. Wir beobachten eine Verschiebung unter den Touristen.
Es gibt immer mehr Hotelurlauber, die auf Campingurlaub umsteigen. Campen wird
zunehmend eine Option für Touristen, die das zuvor eher ablehnten. Das liegt aber auch
daran, weil sich Campen in den letzten Jahren stark verändert hat – es ist kaum noch mit
Campen von vor 50 Jahren vergleichbar.

Viele Campingplätze, Ihrer eingeschlossen, bieten mittlerweile auch luxuriöse
Campingunterkünfte an – eine Verschiebung von Camping zu Glamping also.

Paroni: Campingplätze bieten heute so ziemlich alles an, was man sich in einem Urlaub
wünscht. Gäste, die zu uns kommen, können sich aussuchen, ob sie lieber Privatsphäre
haben oder neue Leute kennenlernen möchten. Die Urlauber bei uns können Spaß im
Swimmingpool haben und mit anderen zusammen sein – oder sie können ihren privaten
Jacuzzi genießen, wenn sie einen der Bungalows nahe des Wassers buchen. Allein diese
Wahlmöglichkeit anbieten zu können, wird in Zukunft sehr wichtig für uns und unser
Camping-Angebot sein. Und die Nachfrage ist da – all unsere Bungalows mit eigenem
Jacuzzi sind bereits ausgebucht. Wir sind bereit, die Gäste zu begrüßen – aber wir
müssen warten, bis sich die Situation verbessert.

Vogelblick über den Campingplatz
Vogelblick über den Campingplatz - © Monica Paroni

Und bis dahin bleiben die zahlreichen Geschichten und Begegnungen, die man
nicht vergisst – was ist die skurrilste Geschichte, die Sie mit uns teilen können?

Paroni: Auf einem Campingplatz können jeden Tag Kuriositäten passieren! (lacht) Da fällt
mir eine lustige Geschichte ein, die etwa fünf Jahre zurückliegt. Ein Gast kam fast täglich
zu uns an die Rezeption und beschwerte sich über einen lauten Alarm an seinem
Standplatz. Er sagte: Da ist ein Alarm! Passen Sie auf! Da ist ein Alarm mit diesem
Geräusch: „beep, beep“! Sogar nachts!

Daraufhin ging unser Sicherheitsmann, um nachzusehen, aber er fand nichts, was einen Alarm auslösen könnte. Dann kam der Mann
wieder und er war sehr verärgert. Er dachte, wir würden sein Anliegen nicht ernst nehmen
und ihm nicht helfen wollen. Er drohte sogar, deswegen den Campingplatz zu verlassen. Schließlich fand einer unserer Gärtner heraus, dass dieses „beeep, beeep“-Geräusch
kein Alarm war, sondern ein kleiner Vogel! Mein Team und ich lachten noch einen Monat über diese Geschichte.

Lassen Sie uns noch über Ihren eigenen Urlaub sprechen – wie verbringen Sie ihre
Freizeit?

Paroni: Ehrlich gesagt habe ich kaum Zeit für Urlaub! (lacht) Ich verbringe mein Leben
auf dem Campingplatz. Das hier ist mein Urlaub. Wenn ich erschöpft bin, nehme ich mir
natürlich eine Auszeit. Und im Urlaub genieße ich Ruhe und Stille. Ich verreise auch gerne
– wobei nur wenig Zeit bleibt zum Reisen bleibt, wenn man einen Campingplatz dieser
Größe leitet. Eine Freundin sagte einmal zu mir: „Du bist immer im Urlaub hier.“ Nun,
irgendwie stimmt das auch. Jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit komme, laufe ich ans
Wasser und blicke über den See. Oft denke ich mir dabei: Du hast solches Glück! Ich liebe
es mit Menschen zu arbeiten, die im Urlaub sind. Menschen, die Ferien machen, sind in
der Regel glückliche Menschen. Über allem liegt eine Art Glücksgefühl. Ich habe eine gute
Entscheidung getroffen, als ich vor 25 Jahren meinen Beruf wechselte.

Terrasse eines Mobilhomes des Campingplatzes mit Whirpool und Blick auf das Meer
Terrasse eines Mobilhomes des Campingplatzes mit Whirpool und Blick auf das Meer - © Monica Paroni

Was haben Sie vorher gemacht?

Paroni: Ich war Lehrerin. Vor rund 30 Jahren arbeitete ich als Studentin im Sommer für
zwei Monate auf einem Campingplatz. Und damals stellte ich fest, wie sehr ich es liebe
von Touristen umgeben zu sein. Es bereitete mir Freude, Menschen in ihrem Urlaub
glücklich zu machen. Ich spürte, dass ich doch keine Lehrerin sein wollte. In meiner Arbeit
wollte ich Urlauber um mich haben. Nachdem ich mein Lehramtsstudium beendet hatte,
wechselte ich meinen Beruf.

Und seit wann leiten Sie den Campingplatz Piani di Clodia?

Mobilheime auf dem Campingplatz
Mobilheime auf dem Campingplatz - © Monica Paroni

Paroni: Seit nunmehr sieben Jahren. Es ist mein Leben! Natürlich ist es auch
herausfordernd, denn du hast kein Wochenende. Du arbeitest sieben Tage die Woche.
Das war auch für die Familie herausfordernd, kein Zweifel. Ich habe zwei Kinder, die
mittlerweile erwachsen sind und jetzt ist es natürlich einfacher. Aber wissen Sie, ich denke,
wenn man die Arbeit liebt, die man jeden Tag macht – dann fühlt es sich auch nicht nach
Arbeit an und man kann alles meistern. Auch heute noch bin ich sehr glücklich mit der
Entscheidung, die ich vor fast 30 Jahren getroffen habe.

Man merkt, dass Sie für Ihren Beruf brennen.

Paroni: Das tue ich. Und dieses Jahr ist besonders, weil Piani di Clodia 25 Jahre alt wird.
Es ist das 25-jährige Jubiläum unseres Campingplatzes – es ist immer noch ein junger
Campingplatz. Wir sind einzigartig und jedes Jahr versuchen wir unsere Gäste mit etwas
Neuem zu überraschen. Vor zwei Jahren haben wir in die Bungalows mit Jacuzzi
investiert. Und die Urlauber lieben es. Wissen Sie, es gibt so viele Campingplätze entlang
des Gardasees, aber jeder ist anders, sodass wir den Touristen verschiedene
Möglichkeiten im selben touristischen Bereich anbieten können. Jeder Campingplatz hat
eine eigene Seele – und das ist es, was ich an der Campingwelt so liebe.

Lust auf einen Trip zum Gardasee bekommen? Dann sieh dir alle Infos zu Camping Piani di Clodia an.

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Author: Iunia Mihu