Bosnien-Herzegowina Rundreise: Das letzte Paradies des Balkans

Artikel von: Selim Baykara (7 min Lesedauer) 10.08.2026

Türkisblaue Flüsse, spekatukäre Berglandschaften und ein jahrhundertealter Kulturmix: Bosnien-Herzegowina ist ein echter Geheimtipp für Camper-Roadtrips in Europa. Wir nehmen euch mit auf eine spannende 12-tägige Rundreise, auf der ihr die Highlights des Balkan-Staats kennenlernt.

Inhaltsverzeichnis

Auch wenn der Balkan als Reiseziel in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist: Bosnien-Herzegowina ist immer noch ein Geheimtipp – vielleicht, weil viele dabei automatisch an die Balkankriege aus den 1990er-Jahren denken. Bosnien Herzegowina hat aber weit mehr zu bieten als eine düstere Vergangenheit: Einen interessanten Mix aus slawischen und muslimischen Einflüssen, gastfreundliche Menschen und an allen Ecken spektakuläre Landschaften.

Gerade für Naturliebhaber ist Bosnien Herzegowina ein Traum: Das Land hat zwar kaum Küste, wird aber komplett vom Dinarischen Gebirge durchzogen – über 80 % der Landesfläche bestehen aus Bergen und Hügeln. Die Landschaftsbilder sind entsprechend dramatisch, dazu kommen unberührte Wälder und Superlativen wie die Tara-Schlucht, der tiefste Canyon Europas. Ihr merkt also schon: In Bosnien-Herzegowina gibt es einiges zu entdecken – und genau dafür haben wir hier eine schöne Rundreise ausgearbeitet.

Tolle Natur am Jablanica-Stausee bei Konjic. Bildquelle: Wikimedia Commons/Adam Jones

Praktische Tipps

Die Anreise nach Bihać führt von Deutschland oder Österreich entweder über Slowenien und Kroatien, der kroatische Grenzübergang Izačić bringt euch direkt in den bosnischen Nordwesten. Im Land selbst gibt es keine klassische Vignette, da Mautgebühren nur auf wenigen Autobahnabschnitten streckenabhängig an Stationen gezahlt werden. Das Preisniveau für Tanken, Camping und Restaurants ist generell günstig. Die Landeswährung ist die konvertible Mark, häufig werden aber auch Euro akzeptiert.

Wichtig für die Einreise: Bosnien & Herzegowina ist nicht in der EU. Ihr könnt aber visafrei einreisen und zwar auch ohne Reisepass, nur mit dem Personalausweis. Worauf man unbedingt achten sollte: Es gibt kein kostenloses EU-Roaming. Daher kann es sehr teuer werden, wenn man eine normale deutsche SIM-Karte für mobiles Internet nutzt. Eine gute Alternative sind günstige lokale SIM-Karten (z.B. von BH Telecom und m:tel) oder eSIMs, die ihr vorab online kauft.

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Gerade durch die jüngere Vergangenheit, steht bei vielen immer noch die Frage der Sicherheit im Raum. Bosnien-Herzegowina gilt heute aber als sehr sicheres Reiseland. Die Kriminalitätsrate ist niedrig, Reisende werden mit großer Offenheit empfangen. Wenn es ein Risiko gibt, ist es die Landminengefahr. Bis heute sind schätzungsweise knapp 2 % der Landesfläche mit Landminen belastet. Daher sollte man auf Warnschilder achten und keine verlassenen Häuser etc. im Hinterland betreten. Freistehen/Wildcamping ist offiziell verboten, das Angebot an Campingplätzen ist inzwischen aber recht gut.

Praktische Informationen zur Rundreise
Route Bihać ➔ Kulen Vakuf ➔ Jajce ➔ Ilidža ➔ Sarajevo ➔ Konjic ➔ Mostar ➔ Blagaj ➔ Počitelj ➔ Ljubuški ➔ Livno ➔ Bosansko Grahovo ➔ Drvar ➔ Bihać
Strecke ca. 850 km
Fahrtzeit 10-12 Tage
Highlights Wasserfall Štrbački Buk im Una-Nationalpark, Osmanischer Basar in Sarajewo, Historische Brücke Stari Most in Mostar, Wildpferde auf dem Livno-Hochplateau
Beste Reisezeit Mai - Oktober, im Juli und August sehr heiß, September und Oktober sind die Temperaturen auch noch angenehm
Maut In Bosnien-Herzegowina gibt es keine Vignette, Bundesstraßen bzw. Magistralstraßen sind komplett mautfrei. Autobahnen sind streckenweise mautpflichtig, z.B. auf der A1

Von Bihać in den Nationalpark Una

Unsere Reise beginnt in der bezaubernden Stadt Bihać, dem Eingangstor zum grünen Nordwesten des Landes. Bevor es richtig losgeht, nutzen wir die entspannte Atmosphäre nochmal für einen Bummel im Stadtzentrum und decken uns auf den lokalen Märkten mit frischen Vorräten für den anstehenden Roadtrip ein. Anschließend verlassen wir die Stadt und folgen dem kurvenreichen Flusslauf der Una tiefer in die dicht bewaldeten Täler des Umlands.

Campingplatz-Tipp: Camping Una Kiro Rafting

Unser erstes Ziel ist der berühmte Nationalpark Una, das Camp BUK im idyllische Ort Kulen Vakuf dient als perfekte Basis für Naturbegeisterte. Ein schöner Ausflug führt zum Wasserfall Štrbački Buk, der inmitten unberührter Wälder in gewaltigen Kaskaden in die Tiefe stürzt. Auch sonst kommen Aktivurlauber voll auf ihre Kosten: Beliebt sind etwa Rafting-Touren auf den Stromschnellen der Una oder ausgiebige Wanderungen entlang der naturbelassenen Uferpfade. Ein besonderes Highlight ist der spektakuläre Canyon-Pfad in Richtung Lohovo, der auf Holzstegen direkt über dem tosenden Wasser verläuft.

Wasserfälle im Nationalpark Una. Bildquelle: Wikimedia Commons/Julian Nyča

Zeitreise zwischen Orient und Okzident

Am nächsten Tag führt uns die Reise in die historische Königsstadt Jajce. Hier stürzt der berühmte Pliva-Wasserfall spektakulär direkt im Stadtzentrum herab. Die nahegelegenen alten Wassermühlen am Seeufer laden zu einer entspannten Rast ein und mit dem Autocamp Plivsko Jezero gibt es hier auch einen tollen Campingplatz. Danach geht’s weiter ins Zentrum des Landes, zunächst nach Ilidža, einem grünen Vorort der Hauptstadt Sarajevo. Der Ort ist für seine heilenden Thermalquellen und die weiten Parkanlagen am Fuße des Igman-Gebirges bekannt. Dank seiner ruhigen Lage eignet er sich aber auch gut als Ausgangspunkt für Erkundungstouren. Das Fahrzeug können wir hier ganz entspannt stehen lassen und mit der traditionellen Straßenbahn in das geschäftige Treiben der nahegelegenen Metropole eintauchen.

Campingplatz-Tipp: Autocamp Oaza

Ein Zwischenstopp in Sarajevo ist natürlich Pflicht, der faszinierende Mix aus Orient und Okzident zieht jeden Besucher in seinen Bann. Ein Spaziergang durch den osmanischen Basar Baščaršija mit seinen engen Gassen, Kupferdächern und dem Duft von frischem Kaffee fühlt sich an wie eine Zeitreise. Geschichtsinteressierte sollten unbedingt die Lateinerbrücke über den Fluss Miljacka besuchen und den Sarajevo-Tunnel besichtigen – während der Belagerung in den 1990er-Jahren war das die einzige Verbindung zur Außenwelt.

Die berühmte Brücke von Mostar. Bildquelle: Wikimedia Commons/Dennis G. Jarvis

Ab in den sonnigen Süden

Anschließend fahren wir weiter Richtung Süden und durchqueren dabei den atemberaubenden Neretva-Canyon. Die Straße windet sich spektakulär am Fuße hunderter Meter hoher, senkrechter Felswände entlang, während tief unten der smaragdgrüne Fluss Neretva fließt. In der Stadt Konjic legen wir einen Zwischenstopp ein, um die historische osmanische Brücke zu bewundern und tief unter der Erde in Titos geheimen Atom-Bunker (Ark D-0) einzutauchen – ein monumentales Relikt des Kalten Krieges, das bis heute komplett im Originalzustand erhalten geblieben ist. Anschließend folgt ein kulinarisches Highlight: In der Bergstadt Jablanica legen wir eine Rast ein, um das auf dem gesamten Balkan berühmte, am offenen Holzfeuer gegrillte Lammfleisch zu probieren.

Unser nächstes Ziel ist Mostar im sonnigen Herzen der Region Herzegowina. Unbestrittenes Wahrzeichen des hübschen Städtchens ist die berühmte Steinbrücke Stari Most, von der sich im Sommer wagemutige Einheimische in die eiskalte Neretva stürzen. Nur eine kurze Fahrt weiter südlich erreichen wir das beschauliche Blagaj, das am Fuße einer mächtigen Kalksteinfelswand liegt. Hier fasziniert das mystische Derwisch-Kloster, welches direkt neben der gewaltigen Quelle des Flusses Buna in den Stein gebaut wurde – mit einem kleinen Schlauchboot kann man sogar ein paar Meter tief in die tosende Quellhöhle hineinfahren.

Campingplatz-Tipp: Camping Mali Wimbledon

Historische Pfade und unberührte Berglandschaften

Die Route führt uns nun noch weiter südlich in das malerische Steindorf Počitelj, die Lage an einem steilen Hang über dem Flussufer der Neretva ist wunderschön. Beim steilen Aufstieg durch die kopfsteingepflasterten Gassen hinauf zur alten Festungsruine kommt man vielleicht etwas ins Schnaufen – als Belohnung bietet sich uns ein grandioser Ausblick über das gesamte Flusstal. Danach geht es weiter nach Ljubuški, wo uns die paradiesischen Kravica-Wasserfälle erwarten: Das halbrundförmige Naturwunder lädt an heißen Tagen zu einer erfrischenden Abkühlung im glasklaren, von Bäumen umsäumten Becken des Flusses Trebižat ein.

Schöner Panoramablick von der Festung Počitelj. Bildquelle: Wikimedia Commons/Pudelek

Zum Abschluss des Trips geht es wieder nach Nordwesten – unser Ziel ist das über 1.000 Meter hoch gelegene Hochplateau von Livno. Die karge, windgepeitschte Karstlandschaft wirkt stellenweise fast völlig abgeschieden von der Zivilisation, und der Eindruck täuscht auch nicht. Das Plateau ist die Heimat von rund 800 majestätischen Wildpferden – mit etwas Glück kann man sie hier in freier Wildbahn beobachten. Über die einsamen Straßen von Bosansko Grahovo führt der Weg schließlich nach Drvar, wo die spektakulär in die Felswand gebaute Tito-Höhle (Titova Pećina) einen letzten historischen Höhepunkt markiert. Und dann sind wir auch schon fast wieder in Bihać, wo eine erlebnisreiche und spannende Rundreise zu Ende geht.

Artikelbild: Wikimedia Commons/Julian Nyča

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