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Azoren Rundreise: Roadtrip im unbekannten Inselparadies
Blühende, grüne Landschaften, mächtige Vulkane, herrliche Küstenstraßen: Die Azoren sind eigentlich wie gemacht für Roadtrips, als Reiseziel aber immer noch erstaunlich unbekannt. Zeit das zu ändern! Wir nehmen euch mit auf eine spannende Rundreise, mit der ihr in 10 Tagen die Highlights des Azoren-Highlights auf eigene Faust erkunden könnt.
Das Azorenhoch kennen die meisten von uns aus dem Wetterbericht. Als Reiseziel landen die Azoren bislang aber meist immer noch in der Kategorie „Geheimtipp“ – warum eigentlich? Landschaftlich sind die neun zu Portugal zählenden Vulkaninseln im Atlantik ein Paradies: ein herrlicher Mix aus rauen Steilküsten und tiefblauen Kraterseen, dampfenden Thermalquellen und von blühenden Hortensien gesäumten Straßen. Außerdem ist alles schön grün, nicht zuletzt durch das milde Atlantikklima, und Touristenmassen sucht man auch vergeblich.
Was will man mehr?
In diesem Artikel stellen wir eine Route für eine Azoren-Rundreise vor, die in rund 10 Tagen das Beste aus Roadtrip und Inselhopping kombiniert. Die ersten 5 Tage geht es über die Hauptinsel São Miguel, wo wir spektakuläre Vulkankrater besuchen, über aussichtsreiche Küstenstraßen fahren und auf einigen der schönsten Campingplätze des Archipels übernachten. Im zweiten Teil der Reise begeben wir uns auf das sogenannte Triângulo, das Insel-Dreieck im Zentrum der Azoren, um die beiden zentralen Inseln Faial und Pico zu erkunden.
Praktische Tipps
Die Azoren liegen mitten im Atlantik, rund 1.500 Kilometer vor der Küste von Portugal. Mit dem Flieger sind sie aber relativ zügig erreichbar – rund 4,5 Stunden dauert der Direktflug von Frankfurt am Main. Für die ersten 5 Tage empfehlen wir, einen Camper vor Ort auf São Miguel zu mieten, am besten mehrere Monate im Voraus, da das Angebot begrenzt ist. Die Preise richten sich nach Modell und Saison (ca. 100 Euro/Nacht für einen kompakten Minivan in der Hauptsaison von Mai bis Oktober). Der Transport von Campern zwischen den Inseln ist auf den Azoren nicht möglich. Daher setzt ihr die Reise auf den anderen Inseln mit Inlandsflügen und separaten Mietwagen fort.
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Kompakte Kastenwagen und Minivans sind die beste Wahl, um die Azoren mit dem Camper zu erkunden. Vor allem die Routen zu den Kraterseen im Inselinneren führen teilweise über steile, kurvenreiche Serpentinen und sehr enge Straßen. Generell empfiehlt sich konzentriertes Fahren und der Verzicht auf Offroad-Experimente abseits asphaltierter Straßen. Wildcampen ist offiziell verboten. Dafür gibt es neben den offiziellen Campingplätzen auf allen Inseln kostenlose Areale, die sogenannten „Parques de Campismo“ – meist nur mit sehr einfacher Ausstattung, aber in umso schönerer Lage.
Das Wetter auf den Azoren ist subtropisch-ozeanisch und berüchtigt dafür, extrem wechselhaft zu sein. Ihr könnt innerhalb weniger Stunden alle vier Jahreszeiten erleben, daher gehört wetterfeste Kleidung unbedingt ins Gepäck. Die beste Reisezeit für Camper liegt zwischen Mai und Oktober. Dann sind die Niederschläge etwas geringer und die Campingplätze haben verlässlich geöffnet. Mautstraßen gibt es auf den Azoren nicht. Alle Straßen auf sämtlichen Inseln – einschließlich der Autobahn (Schnellstraße) Via Rápida auf São Miguel – sind komplett kostenlos nutzbar.
| Praktische Informationen zur Campingtour | |
|---|---|
| Route | São Miguel: Ponta Delgada - Sete Cidades - Mosteiros - Ferraria - Lagoa do Fogo - Chá Gorreana - Furnas - Nordeste - Vila Franca do Campo - Faial: Horta - Caldeira - Capelinhos - Pico: Madalena - Criação Velha - Lajes do Pico - Gruta das Torres |
| Strecke | ca. 450 km (ohne Fähren und Inlandsflüge) |
| Fahrtzeit | 10 Tage |
| Highlights | Aussichtspunkt Miradouro da Boca do Inferno (São Miguel), Tal von Furnas (São Miguel), Capelinhos-Vulkan (Faial), UNESCO-Weinberge von Criação Velha (Pico) |
| Beste Reisezeit | Mai - Oktober |
| Maut | keine Maut auf den gesamten Azoren |
Sete Cidades und die wilde Westküste (Tag 1–2)
Wir starten unser Abenteuer in Ponta Delgada, wo wir den Camper übernehmen und uns direkt auf den Weg nach Westen machen. Die Straße führt hinauf in das beeindruckende Massiv des Sete Cidades-Vulkans – der riesige Krater dominiert das Landschaftsbild komplett. Erstes großes Ziel ist der weltberühmte Aussichtspunkt Miradouro da Boca do Inferno, von dem aus sich ein spektakulärer Blick über die gesamte Caldera und die beiden Kraterseen bietet. Unten im grünen Talkessel angekommen, schlagen wir auf dem kostenlosen Parque de Campismo de Sete Cidades direkt am Ufer das erste Lager auf.
Am nächsten Tag erkunden wir die Westküste intensiver, dazu steuern wir das charmante Fischerdorf Mosteiros an. Hier lohnt sich ein Spaziergang entlang der Küste, um die markanten, schwarzen Lavaklippen und die vorgelagerten Felsformationen zu bestaunen, die hier dramatisch aus dem Atlantik ragen. Wer sich nach Entspannung sehnt: unbedingt am Nachmittag zu den natürlichen Thermalbecken von Ferraria fahren! An diesem einzigartigen Ort wärmt eine unterirdische Vulkanquelle das Meerwasser in einer geschützten Felsenbucht auf – perfekt für ein warmes Bad im sonst eher frischen Atlantik.
Durch das vulkanische Herz nach Furnas und Nordeste (Tag 3–5)
An Tag 3 führt die Route an der Nordküste entlang. Ein kurviger Aufstieg bringt uns zur Lagoa do Fogo, dem höchstgelegenen Kratersee der Insel. Nach einem kurzen Stopp bei den terrassierten Teefeldern der historischen Plantage Chá Gorreana führt uns der Weg hinein in das brodelnde Herz der Insel: das Tal von Furnas. Das gesamte Ortsgebiet liegt in einem riesigen, aktiven Vulkankrater. Im weltberühmten Terra Nostra Park spazieren wir durch einen botanischen Garten und nehmen ein entspannendes Bad im riesigen, eisenhaltigen Thermalbecken, bevor wir für die erste von zwei Nächten auf dem idyllischen Parque de Campismo de Furnas einchecken.
Den kompletten nächsten Tag widmen wir den vulkanischen Wundern des Furnas-Tals und lassen den Camper entspannt auf dem Stellplatz stehen. Wir wandern zum nahegelegenen Seeufer und besichtigen die dampfenden Caldeiras, wo Einheimische die kochende Erdwärme nutzen, um den traditionellen Eintopf „Cozido“ über viele Stunden tief im Boden zu garen. Nach einem erlebnisreichen Tag geht es für eine weitere Nacht zurück auf den Campingplatz in Furnas. Am nächsten Morgen brechen wir dann auf in den dünn besiedelten Osten nach Nordeste. Hier genießen wir den Panoramablick am Miradouro da Ponta do Sossego und bestaunen den Wasserfall Ribeira dos Caldeirões, bevor wir über die Südküste zurückfahren und unseren Camper am Nachmittag in Ponta Delgada abgeben.
Kultur und Mondlandschaften auf Faial (Tag 5–6)
Nach einem kurzen Inlandsflug erreichen wir noch am selben Tag das zentrale Inseldreieck und starten den zweiten Teil der Reise in Horta auf der Insel Faial. Das Stadtbild wird vom mächtigen Krater der Caldeira im Inselzentrum eingerahmt, die steilen, grün bewachsenen Hänge bilden das landschaftliche Rückgrat Faials. Die lebendige Hafenstadt ist zudem weltweit als Zwischenstation für Atlantiksegler berühmt – ein Sundowner mit Gin Tonic im legendären Peter Café Sport gehört daher zum Pflichtprogramm!
Am Morgen geht`s weiter zum gewaltigen Capelinhos-Vulkan im äußersten Westen der Insel. Die dortige Landschaft entspricht überhaupt nicht dem sonst so grünen Bild der Azoren, da der letzte Vulkanausbruch noch gar nicht so lange zurückliegt – Ende der 1950er-Jahre. Ergebnis ist eine graue, völlig vegetationslose, aber nichtsdestotrotz faszinierende Mondlandschaft. Eine Besichtigung des modernen, unterirdischen Besucherzentrums ist sehr lohnenswert, es wurde spektakulär direkt unter dem beim Ausbruch verschütteten Leuchtturm in die Vulkanasche gebaut. Danach bietet sich eine kleine Wanderung entlang der bizarren Aschefelder über den Klippen an.
Vulkane und Meeresriesen auf Pico (Tag 7–10)
Mit der Passagierfähre setzen wir an Tag 7 in nur 30 Minuten nach Madalena auf die Nachbarinsel Pico über, die vom majestätischen, gleichnamigen Stratovulkan dominiert wird. Mit 2.351 Metern ist der Pico der höchste Berg Portugals und dank seiner markanten Kegelform von jedem Punkt der Insel (und auch den Nachbarinseln) gut sichtbar. Im neuen Mietwagen erkunden wir zuerst die einzigartigen, UNESCO-geschützten Weinbaugebiete an der Küste. Besonders beeindruckend ist das Gebiet bei Criação Velha: Die Reben werden hier in kleinen Parzellen aus schwarzen Lavasteinmauern, den sogenannten Currais, vor dem rauen Seewind geschützt und nutzen das besondere Mikroklima.
Pico ist daneben einer der besten Orte der Welt, um Wale zu beobachten. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und machen am nächsten Tag eine geführte Walbeobachtungstour in Lajes do Pico, um Pottwale und Delfine in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben. Zum krönenden Abschluss unseres Roadtrips besichtigen wir am vorletzten Tag die Gruta das Torres, einen der längsten Lavatunnel der Welt. Mit Taschenlampen und Helmen ausgestattet geht es hinab durch Jahrtausende alte Lavaröhren – hier erleben wir die feurige Entstehungsgeschichte des Azoren-Archipels noch einmal hautnah. Danach steht nur noch die Rückgabe des Mietwagens und je nach Abflugort evtl. eine Fährfahrt an. Alternativ treten wir die Heimreise mit einem direkten Rückflug von Pico über São Miguel an.
Titelbild: Wikimedia Commons/Guillaume Baviere