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Lettland Litauen Estland Rundreise: Der große Baltikum-Roadtrip
Drei Länder, grenzenlose Freiheit und ein echtes Abenteuer für Selbstfahrer: In diesem Artikel stellen wir euch eine 14-tägige Rundreise durch Litauen, Lettland und Estland vor, die fast alle Highlights des Baltikums zu einem großen Roadtrip kombiniert.
Das Baltikum ist ein fantastisches Reiseziel für Roadtrips und Rundreisen und doch wird es häufig unterschätzt. Vielleicht, weil viele Lettland, Estland und Litauen immer noch mit grauer Ostblock-Vergangenheit verbinden, obwohl diese Länder bereits seit 2004 stolze EU-Mitglieder sind! Die Realität sieht heute auf jeden Fall ganz anders aus, als viele sich das vielleicht vorstellen: westlich, modern, sauber und vor allem sehr digital – die baltischen Staaten zählen zu den Vorreitern der Digitalisierung in Europa.
Dazu kommt: Jedes der baltischen Länder hat einen ganz eigenen Charakter. Das tief katholische, barock geprägte Litauen, endlose Ostseestrände in Lettland und eine fast schon skandinavisch-finnisch angehauchte Atmosphäre in Estland. Und all das gibt`s ohne Massentourismus – selbst in der Hauptsaison kann man hier noch sehr entspannt reisen, ohne Monate im Voraus zu reservieren. Der Blick über den Tellerrand lohnt sich also – und genau deshalb stellen wir euch hier eine spannende Route vor, die die Highlights dieser faszinierenden Region zu einem großen Baltikum-Trip kombiniert.
Praktische Tipps
Die hier vorgestellte Rundreise führt grob von Süd nach Nord von Litauen bis Estland. Für die Anreise empfiehlt es sich, eine Fähre von Kiel oder Travemünde zu nehmen. So spart ihr euch die lange Fahrt durch Polen und startet direkt im litauischen Klaipėda. Auf der gesamten Route erwarten euch drei weitere Fährpassagen, die Fähren sind ganzjährig geöffnet. Wir empfehlen dennoch die Zeit zwischen Mai und September, da die Frequenz zu dieser Zeit am höchsten ist.
Bürokratisch und finanziell gesehen ist die Reise unkompliziert, da alle drei Länder zur EU und zum Schengen-Raum gehören. Ihr reist also ohne Grenzkontrollen ein und bezahlt überall bequem mit dem Euro. Preislich liegt das Baltikum beim Tanken, auf Campingplätzen und in Restaurants etwas unter deutschem Niveau – das schont die Urlaubskasse. Ein echtes Aha-Erlebnis ist zudem die Digitalisierung: Selbst auf einsamen Waldstellplätzen surft man häufig im stabilen 4G/5G-Netz. Park- und Fährtickets lassen sich fast überall per Smartphone-App bezahlen.
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Generell ist die Infrastruktur in allen baltischen Ländern hervorragend ausgebaut. In Litauen und Lettland dominieren klassische Campingplätze, vor allem an touristischen Hotspots der Ostseeküste. Estland ist hingegen das Naturcamping-Paradies Europas. Die Forstverwaltung RMK betreibt im ganzen Land hunderte kostenlose Naturstellplätze mitten in Nationalparks, Wäldern oder direkt am Strand. Ebenfalls erfreulich: Für normale PKW und Wohnmobile unter 3,5 Tonnen sind die Straßen im Baltikum komplett mautfrei. Lediglich beim Befahren der geschützten Kurischen Nehrung wird eine Umweltgebühr fällig.
| Praktische Informationen zur Rundreise | |
|---|---|
| Route | Klaipėda ➔ Nidden ➔ Kaunas ➔ Trakai ➔ Vilnius ➔ Šiauliai ➔ Schloss Rundāle ➔ Jūrmala ➔ Riga ➔ Sigulda ➔ Cēsis ➔ Nationalpark Soomaa ➔ Pärnu ➔ Virtsu ➔ Kuressaare ➔ Panga ➔ Triigi ➔ Sõru (Insel Hiiumaa) ➔ Heltermaa ➔ Rohuküla ➔ Tallinn |
| Strecke | ca. 1.700 km |
| Fahrtzeit | 14 Tage |
| Highlights | UNESCO-Weltnaturerbe Kurische Nehrung, Wasserburg Trakai, Metropole Riga, Insel-Hopping auf Saaremaa & Hiiumaa |
| Beste Reisezeit | Mai - September, im Juli und August sehr heiß aber gut zum Baden in der Ostsee, September gut für Sightseeing und Wandern |
| Maut | Für normale PKW und Wohnmobile unter 3,5 Tonnen ist das Baltikum zu 100 % maut- und vignettenfrei, Umweltgebühr auf der Kurischen Nehrung |
Die Kurische Nehrung: Start unserer Baltikum-Rundreise
Start des großen Trips ist der Ostseefährhafen von Klaipėda. Von hier geht’s direkt zum ersten Highlight und auch dem ersten logistischen Nadelöhr: die kurze Verbindung auf die Kurische Nehrung. Glücklicherweise pendeln die Autofähren das ganze Jahr über nach Smiltynė, dort erwartet uns dann eine der faszinierendsten Landschaften Europas. Über die schmale Halbinsel fahren wir nach Nidden (Nida), einem idyllischen Fischerort zwischen Kiefernwäldern und riesigen Sanddünen. Ein Highlight ist hier die Wanderung auf den Kamm der 52 Meter hohen Parnidis-Düne – der Blick über die Ostsee und das ruhige Haff ist fantastisch.
Campingplatz-Tipp: Camping Nida
Eine Nacht sollte man in Nida mindestens einplanen, danach geht es zurück aufs Festland. Für den Weg ins Landesinnere empfiehlt sich statt der langweiligen Autobahn die geschichtsträchtige Panemunė-Burgenstraße, die uns über die moderne Design-Metropole Kaunas zur imposanten Wasserburg Trakai führt. Die spätmittelalterliche Burg liegt äußerst fotogen auf einer Insel inmitten einer glitzernden Seenlandschaft und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Litauens. Die sehenswerte Hauptstadt Vilnius ist von hier aus nur einen Katzensprung entfernt. Bevor es danach über die Grenze nach Lettland geht, lohnt ein Zwischenstopp am mystischen „Berg der Kreuze“ bei Šiauliai. Hier stehen Hunderttausende Kreuze auf einem kleinen Hügel – ein zutiefst beeindruckender Anblick.
Barockschlösser und Ostseebäder im Herzen des Baltikums
Gleich hinter der Grenze erwartet uns ein architektonisches Meisterwerk: das prachtvolle Schloss Rundāle, das „Versailles des Baltikums“. Anschließend zieht es uns wieder an die Küste in das traditionsreiche Ostseebad Jūrmala. Die langgestreckte Stadt an der Rigaer Bucht ist geradezu ideal für Camper, da es hier hervorragende Strand-Campingplätze mitten im lichten Kiefernwald gibt, z.B. das Camping Dubulti. Das Fahrzeug kann man also getrost stehenlassen und mit der S-Bahn in wenigen Minuten ins Herz von Riga pendeln. Die lettische Hauptstadt ist die größte Metropole des Baltikums und ein weiteres Highlight der Reise. Berühmt ist sie vor allem für ihre prachtvollen Jugendstil-Viertel und die riesigen Markthallen.
Campingplatz-Tipp: Rīga City Camping
Nach dem städtischen Trubel fahren wir nach Nordosten in das malerische Flusstal des Gauja-Nationalparks. Diese waldreiche Region wird gerne als „Lettische Schweiz“ bezeichnet und ist ein wahres Eldorado für Outdoor-Aktivitäten. In den historischen Kleinstädten Sigulda und Cēsis erkunden wir die mächtigen Burgruinen des Schwertbrüderordens und wandern durch dichte Urwälder zu versteckten Sandsteinhöhlen. Auf dem Weg Richtung estnischer Grenze lohnt sich für Naturbegeisterte zudem ein Abstecher zu den roten Küstenklippen von Veczemju Klintis, dort haben die Wellen der Ostsee tiefe Höhlen in den weichen Stein gewaschen.
Campingplatz-Tipp: Camping Lakeside Sigulda
Mystische Moore und Urwälder: Durch Estlands Wildnis
Anschließend überqueren wir die Grenze nach Estland und tauchen tief in eine der unberührtesten Landschaften Europas ein: den Soomaa-Nationalpark. Das faszinierende „Sumpfland“ ist berühmt für seine Hochmoore und dichten Urwälder. Eine schöne Wanderung ist der Riisa-Moorlehrpfad, der auf perfekt angelegten Holzstegen an torfigen Moosböden und tiefschwarzen Moorseen vorbeiführt. Besonders Mutige springen von den Holzplattformen für ein erfrischendes Bad in das torfbraune Wasser. Für Camper ist Soomaa ein wahr gewordenes Paradies, da die estnische Forstverwaltung RMK hier erstklassige, kostenlose Naturstellplätze mit Trockentoiletten und fertig vorbereitetem Brennholz bereitstellt.
Nach der Einsamkeit des Moores ist die lebhafte Küstenstadt Pärnu ein schöner Kontrast, die offizielle Sommerhauptstadt Estlands. Hier prägen weiße Sandstrände, elegante Holzvillen aus dem 19. Jahrhundert und eine entspannte Café-Kultur das Stadtbild. Pärnu eignet sich hervorragend für einen Zwischenstopp zum Entspannen am Meer, bevor das große Insel-Abenteuer beginnt, z.B. auf dem schönen Solar Caravan Park. Danach fahren wir zum Fährhafen Virtsu. Von dort aus setzen die modernen Großfähre in einer kurzweiligen, 25-minütigen Überfahrt zur Insel Muhu über, die über einen befahrbaren Seedamm direkt mit der größten estnischen Insel Saaremaa verbunden ist.
Das große Finale: Insel-Hopping im Norden
Auf Saaremaa angekommen, steuern wir zunächst Kuressaare an, Herzstück des beschaulichen Städtchens ist eine mächtige, von Wassergräben umgebene Bischofsburg. Auf dem Weg ganz in den Norden der Insel passieren wir anschließend die historischen Windmühlen von Angla, ein tolles Fotomotiv. Schließlich erreichen wir die Steilküste von Panga, hier fallen die Kalksteinfelsen als durchgehende Mauer spektakulär in die Ostsee. Vom kleinen Hafen Triigi im Norden Saaremaas nehmen wir dann die Autofähre, die uns in gut einer Stunde zum Hafen in Sõru auf der noch unberührteren Nachbarinsel Hiiumaa bringt.
Campingplatz-Tipp: Vetsi Tall Camping
Die zweitgrößte Insel Estlands ist vor allem für ihre einsamen Sandstrände und historischen Leuchttürme bekannt. Berühmt ist vor allem der Leuchtturm Kõpu, einer der ältesten aktiven Leuchttürme der Welt, den wir natürlich besichtigen. Vom östlichen Hafen Heltermaa bringt uns die letzte Fähre der Reise dann zurück auf das estnische Festland zum Hafen Rohuküla. Von dort aus trennt uns nur noch eine gute Stunde von unserem finalen Ziel Tallinn. Die estnische Hauptstadt bildet den feierlichen Abschluss der Reise. Wer noch ein bisschen Zeit hat, sollte zum Abschluss unbedingt noch einen Daytrip in den nahgelegenen Lahemaa-Nationalpark einplanen, um die Reise in den mystischen Weiten des Viru-Moors ausklingen zu lassen.
Artikelbild: Wikimedia Commons/Diego Delso