Camper Stories

Camping und Wandern in Flandern: Familienurlaub in De Panne

Als Familie in den wohlverdienten Urlaub zu fahren, ist für mich eine neue Erfahrung, denn mein eineinhalb Jahre alter Sohn hat ganz andere Wünsche als seine Eltern. Obendrein möchte auch der Mischlingshund meiner Familie ein Wörtchen mitreden. Dabei ist es keine leichte Aufgabe, einen Urlaubsort zu finden, bei dem wir alle vier auf unsere Kosten beim Camping kommen. Nach intensiver Recherche fiel die Wahl für den Sommer-/Herbsturlaub 2019 auf Belgien, genauer gesagt: auf den Ort De Panne, an der Küste in Flandern.

Nach fast sieben Stunden Autofahrt mit Pausen sind wir endlich da. Vorsichtig lenkt mein Mann die vollgepackte Familienkutsche ein paar Kilometer vor der französischen Grenze von der Autobahn. Einmal kurven wir durch einen großen Kreisverkehr und im Anschluss über die Brücke über den Kanal Canal de Furnes, bis wir endlich die Stadtgrenze von De Panne, genauer gesagt des Teilorts Adinkere, überqueren. Im nächsten Kreisverkehr grüßt uns Kabouter Plop, eine bekannte Figur aus dem belgischen Kinderprogramm und das Maskottchen des hier ansässigen Freizeitparks Plopsaland. Der Plopsaland Park bietet Familien zahlreiche Attraktionen rund um Biene Maja, Wickie und andere geliebte Kinderhelden. Kleine Gäste kommen im Plopsaland auf ihre Kosten.

Doch Plopsaland ist nicht unser Ziel, sondern die angeschlossene Ferienhaus- und Campinganlage. Hier sind wir für die nächsten zwei Woche zuhause und machen Camping. Aber viel Zeit, um die eigenen vier Wände zu erkunden, bleibt nicht, denn die gesamte Familie will endlich ans Meer!

Campingplätze in Belgien

Freiheit pur – die belgische Küste

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Und dieses kann sich sehen lassen: Der schier endlose Strand breitet sich bei Ebbe gefühlt kilometerweit aus, und auf dem weichen, hellen Sand kann man mitsamt Kinderwagen bis nach Frankreich spazieren.

Der Küstenabschnitt ist zwar dicht bebaut, doch am Strand herrscht außerhalb der Saison eine angenehme Ruhe. Vom Strand aus wirken die Häuser fast schon winzig. Neben den Unterkünften für Urlauber punktet die Promenade mit Restaurants, Bars, Läden sowie Spielplätzen und Leihstationen für Fahrräder und Tretmobile.

Natürlich nutzen wir den sauberen Hundestrand, damit sich unsere Hündin nach der langen Fahrt austoben kann. Im Galopp geht es durch die seichten Priele, der feine Sand fliegt zu allen Seiten und nicht nur unser Kind muss bei dem Anblick laut lachen. Nach dem wilden Lauf ruht sich unsere Vierbeinerin erst einmal aus, wir Zweibeiner bauen die ersten Sandburgen und begrüßen das Meer.

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De Panne: Zahlen und Fakten

Der 1782 gegründete Ort ist der westlichste Punkt Belgiens und zugleich der südlichste Badeort. Am Strand entlang dauert es daher keine vier Kilometer, dann überquert man die gedachte Grenze nach Frankreich.

Der Ort selbst teilt sich in zwei Teile auf: De Panne direkt an der Küste und der landeinwärts gelegene Ortsteil Adinkerke. Seinen Namen verdankt der Ort dem niederländischen Wort "duinpan", welches eine Senke in den Dünen bezeichnet. In Ermangelung eines eigenen Hafens entwickelte sich der Ort schnell zum Badeparadies und ist bis heute ein beliebtes Ziel für allerlei Reisende.

Während der facettenreichen Geschichte Belgiens spielte auch De Panne immer wieder eine wichtige Rolle. So war es etwa der erste belgische Ort, den Leopold von Sachsen Coburg, besser bekannt als der erste König von Belgien, nach seiner Reise aus England betrat. Daran erinnert die sogenannte Leopold I. Esplanade mitsamt großem Denkmal an der Strandpromenade, von dem aus der König auf die spazierenden Gäste blickt.

Übernachten in De Panne

Neben allerlei Ferienwohnungen und -häusern gibt es natürlich auch zahlreiche Campingplätze, die um die Campingurlauber buhlen und Stellplätze bereithalten. Je nach Wunsch der Urlauber kann man in der Nähe des Freizeitparks auf den Plätzen Kindervreudge oder Camping Ter Hoeve übernachten. Hier kann man das Wohnmobil auf eigenen Parzellen abstellen und die ruhige Umgebung genießen, bis die Jubelschreie aus dem Freizeitpark erschallen und die eigene Vorfreude auf die Attraktionen neben dem Camping steigen lassen.

Wen es ans Meer zieht, wird sicherlich auf einem der Campingplätze in der Nachbargemeinde Koksijde fündig, wie etwa Kampeerverblijfpark Noordduinen oder Eureka wie auch Bloemenduin. Von hier aus ist man in wenigen Minuten zu Fuß oder auf dem Fahrrad am Strand. Auch Stellplätze gibt es hier zu genüge. In Nieuwpoort lässt es sich toll im Wohnmobil übernachten, wie etwa auf dem schönen Campingplatz Kompas Camping Nieuwpoort.

Wer mit dem Wohnmobil reist, sollte einen Roadtrip entlang der Küste einplanen. Von De Panne aus kann man dann sowohl in Richtung der französischen als auch in die Richtung der niederländischen Küste aufbrechen und das Flair genießen. Auf den Wegen finden sich immer wieder ausgeschilderte Wohnmobilparkplätze, die einem zumeist einen herrlichen Blick auf das Meer gewähren.

Zwei Ausflugsziele, die man nicht verpassen sollte

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Neben dem einladenden Strand gibt es noch viel mehr in De Panne zu entdecken. Kleine und große Zugfans werden in der Nähe der Straße Loskaai fündig: Hier liegt das kleine historische Bahnmuseum mit vielerlei Ausstellungsstücken, die man besichtigen kann.

Nicht nur Kinder ziehen mit Begeisterung an der Schnur für die laute Warnglocke in der U-Bahn. In der langgezogenen Halle stehen zudem ein alter Traktor und viele weitere kleine Stücke, die mit viel Liebe gesucht und ausgestellt werden. Die begeisterten ehrenamtlichen Helfer führen die Besucher gerne durch die Ausstellung und erzählen auf Englisch, Französisch, Niederländisch und Deutsch spannende Geschichten über die Bahnen, die einst durch De Panne und angrenzende Dörfer fuhren.

Wer wie wir das Wandern liebt, wird schnell den Landschaften rund um De Panne verfallen. Denn hier ziehen sich zahllose Wege durch die von Meer und Sand geprägten Gebiete. Wir haben unter anderem die sandigen Wege in De Westhoeck ausgiebig erforscht.

Ein Highlight ist hier sicherlich die Aussichtsplattform am Weg 3 mit Blick aufs Meer. Ein Tipp: Den normalen Kinderwagen sollte man lieber gegen ein sandtaugliches Gefährt austauschen. Ansonsten wird es ab der ersten Düne äußerst schweißtreibend. Hunde dürfen auf vielen Wegen mit, müssen aber zum Schutz der Flora und Fauna an der Leine bleiben.

Eine praktische Übersicht für die Vorabplanung bietet der Stadtplan, den man auf der deutschen Website der Touristeninfo herunterladen kann. Hier kann man noch viel mehr rund um De Panne entdecken und sich Anregungen für den eigenen Urlaub holen.

Auf Tour durch Belgien und den Niederlanden

Mit dem Wohnmobil und dem Auto zu reisen heißt, mobil zu sein. Wer das ausgiebig nutzen möchte, hat einige wunderschöne Städte in der Umgebung zum Besichtigen. Wir haben unter anderem Nieupoort, Ostende und Brügge besucht. Einen Tag lang lang ging es dann noch in den Hafen nach Rotterdam.

Nieuport Der Nachbarort Nieuport ist eine typische Hafenstadt, mit viel Charme und schönen Wegen entlang des Wassers. Vom Hafen aus fahren Segelboote und Yachten in die Nordsee. Fußgänger können den breiten Seeweg mit der kostenlosen Fähre überqueren, um so am Naturschutzgebiet entlang zu schlendern und auf einem der beiden Piere zu rasten. Ein malerischer Leuchtturm ragt aus den Dünen, am Strand tummeln sich zahlreiche Seevögel. Wer Glück hat, kann hier sogar Seehunde beobachten.

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Ostende In der Küstenstadt war das Fort Napoleon unser Ziel, doch dieses hatte leider geschlossen. So konnten wir die einstige militärische Festung lediglich von außen betrachten. Doch die Jüngsten der Familie störte das überhaupt nicht, denn stattdessen verbrachten wir den Tag am Strand. Außerhalb der Saison dürfen hier auch Hunde mit. Der goldene Sand rieselte fein durch die Finger und schimmerte so einladend, dass wir unser Lager direkt an den Dünen aufschlugen.

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Brügge Durch die Stadt führen verschiedene Rundwege, die dicht am Kanal entlang die vielen Facetten des Orts offenbaren. Ich habe mich in den kleinen Details, wie etwa den Drachenköpfen an den Sitzbänken, verloren, während Mann und Kind die vielen Hausboote begutachtet haben. Unser Vierbeiner war dagegen mit Schnüffeln beschäftigt, schließlich gibt es auch in Brügge diverse Hunde. Aber Vorsicht, wenn man die viel befahrenen Fahrradwege kreuzt, denn auf ihnen sind neben den typischen Zweirädern auch Mopeds und Mofas erlaubt.

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Eine schöne Art, um Brügge intensiv kennenzulernen, ist sicherlich eine Bootstour mit ortskundigem Reiseführer auf dem Kanal. Das haben wir uns definitiv für den nächsten Urlaub vorgenommen, denn noch ist unser Jüngster zu unruhig, um die gesamte Bootsfahrt an einem Platz zu bleiben – und unser Hund wäre ebenfalls wenig begeistert von diesem wackeligen Gefährt. Die gegrillten Sandwiches namens Croques fand dessen Schnüffelnase hingegen äußerst appetitlich.

Der Hafen in Rotterdam Einen der größten Seehäfen der Welt kann man hautnah im niederländischen Rotterdam erleben. Zwar sind es von De Panne aus locker drei Stunden Fahrt, aber der Weg lohnt sich. Wir haben die Tour an einem Sonntag bei strahlendem Wetter auf uns genommen und es uns inmitten der Dünen am Hoek van Holland bequem gemacht. Glückspilze erleben vielleicht auch das Eintreffen des aktuell zweitgrößten Containerschiffs der Welt, der Mærsk McKinney Møller. Neben diesem fast 400 Meter langen Giganten sehen andere Containerschiffe aus wie Spielzeug.

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Kein Tschüss, sondern ein Auf Wiedersehen

Nach zwei Wochen geht es für uns wieder zurück in die schwäbische Heimat, doch der Abschied fällt allen nicht leicht. Ein letzter Spaziergang am geliebten Strand und dann heißt es wieder: Ab ins Auto und zurück nach Hause.

Die Rückreise bietet uns viel Zeit, die Gedanken zu ordnen und ein kleines Resümee zu unserem ersten großen Urlaub als Familie zu ziehen. Eines steht dabei für alle fest: Wir werden nächstes Jahr wiederkommen, um unsere Sehnsucht nach Strand, Meer und Wandern in De Panne zu befriedigen.

Campingplätze in Flandern

Artikel von Kia Korsten

Wer nun Sehnsucht nach Meer hat, kann hier erfahren, wie es ist mit dem Wohnmobil durch die Bretagne zu fahren.

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