Die Straße der Weißen Dörfer: Der schönste Roadtrip Andalusiens

9 min Lesedauer

Weiße Dörfer, die in der Sonne funkeln und sich wie Juwelen von der kargen Berglandschaft Andalusiens abheben: Im hügeligen Hinterland zwischen Cadiz und Malaga verbergen sich einige der schönsten Orte Spaniens. Die spektakuläre „Straße der Weißen Dörfer“ ist die perfekte Möglichkeit für Camper in diese einzigartige Kulturlandschaft einzutauchen. Hier bekommst du alle Infos zu einem der besten Roadtrips Spaniens.

Die Straße der Weißen Dörfer (spanisch: Ruta de los Pueblos Blancos) ist eine der bekanntesten Freizeitrouten Spaniens. Die Route führt auf knapp 150 km durch die gebirgigen Naturlandschaften Andalusiens und passiert dabei rund 30 Dörfer, die zu den schönsten der Region zählen. Eine echte Traumtour, die architektonische und kulturelle Highlights mit einigen der schönsten Landschaften Südspaniens vereint!

Ihren Namen haben die „Weißen Dörfer“ von den weiß gekalkten Fassaden, die an die maurische Vergangenheit Andalusiens erinnern. Um sich vor der drückenden Sommerhitze in Al-Andaluz zu schützen, strichen die ersten Bewohner – genau wie in Nordafrika – ihre Häuser weiß an. Wer in die verwinkelten Gassen der kleinen Siedlungen eintaucht, fühlt sich augenblicklich in diese Epoche versetzt.

Du hast ein paar Tage Zeit, Lust auf die spanische Sonne und willst dein Wohnmobil mal wieder ausführen? Dann ist die „Ruta de Los Pueblos Blancos“ genau die richtige Tour für dich!

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Praktische Infos zur „Straße der Weißen Dörfer“

Die „Ruta de los Pueblos Blancos“ ist keine durchgehende Straße, die geradewegs von A nach B führt. Für gewöhnlich starten die meisten Reisenden in dem etwa 50 km von Càdiz gelegenen Ort Arcos de La Frontera und fahren bis nach Ronda in der Provinz Màlaga. Auf dem Weg gibt es aber mehrere Abzweigungen: Unsere Route ist daher nur ein Vorschlag, der einige der schönsten Dörfer zu einer knapp 150 km langen Strecke kombiniert. Prinzipiell sind auch andere Varianten möglich.

Theoretisch kann man die gesamte Strecke an einem Tag abfahren – das würde allerdings eher in Stress ausarten und die Dörfer sind viel zu hübsch, um einfach durchzurauschen. Wir empfehlen daher, mindestens 2 – 3 Tage einzuplanen. Unterwegs gibt es einige empfehlenswerte Campingplätze, die sich für einen Zwischenstopp anbieten. Von hier aus kannst du beispielsweise Tagesausflüge in den atemberaubend schönen Naturpark „Sierra de Grazalema“ unternehmen.

Die beste Reisezeit für die Straße der Weißen Dörfer ist das Frühjahr oder der Herbst. Dank der milden Temperaturen Andalusiens hat aber auch der Winter seinen Reiz und lockt selbst im Dezember noch mit T-Shirt-tauglichem Wetter. Nicht empfehlenswert für einen Roadtrip ist hingegen der Sommer, da es dann viel zu heiß ist. In dieser Jahreszeit macht ein Campingurlaub an den schönsten Stränden Spaniens deutlich mehr Spaß.

Arcos de la Frontera: Das Tor zu den Weißen Dörfern

Start der Tour ist Arcos de La Frontera in der Provinz Càdiz, das sozusagen das westliche Tor zur „Ruta de los Pueblos Blancos“ bildet. Der Ort zählt zu den bekanntesten Dörfern Andalusiens und besticht durch seine eindrucksvolle Lage auf einem steil abfallenden Felsen über dem Fluss Guadalete. Unbedingt einen Besuch wert ist neben den zahlreichen schönen Kirchen der „Plaza del Cabildo“ mit seinem Aussichtspunkt (Mirador). Von hier aus bieten sich fantastische Aussichtspunkte auf die weißen Dörfer, die wir im Anschluss noch besuchen werden.

Kirche auf dem Felsen in Arcos de la Frontera, Spanien
Kirche auf dem Felsen in Arcos de la Frontera, Spanien - © kovgabor79 - stock.adobe.com

Eines davon ist Espera, das wir als nächstes passieren. Über dem Dorf thront noch heute der Wehrturm der maurischen Festung aus dem 13. Jahrhundert. Außerdem gibt es hier ein sehenswertes archäologisches Museum mit Funden, die bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Anschließend erreichen wir Bornos, das mit vielen Sehenswürdigkeiten aus der Zeit der Römer und der arabischen Herrschaft über die iberische Halbinsel aufwartet. Besonders sehenswert ist das festungsähnliche „Castillo de los Ribera“ aus dem 16. Jahrhundert mit seinem wunderschönen Garten im Renaissance-Stil. Der nahegelegene Stausee „Embalse de Bornos“ bietet sich zudem perfekt zum Baden und Relaxen oder für Spaziergänge am grünbewachsenen Ufer an.

Sierra de Grazalema: Traumhafte Natur am grünsten Ort Andalusiens

Unser nächtes Ziel Prado del Rey liegt im Grenzbereich zum Naturpark „Sierra de Grazalema“ und wird häufig als „Garten der Sierra“ bezeichnet. Das Dörfchen liegt auf einem bewaldeten Hügel zwischen den Gebirgsausläufern von „Cerro Verdugo“ und „Las Lomas“ und wurde im 18. Jahrhundert auf Anordnung von Karl III. quasi am Reißbrett entworfen – gut zu sehen an der schachbrettartigen Anordnung der Straßen. Abgesehen von dem interessanten Stadtbild ist auch die neoklassische Kirche „Nuestra Señora del Carmen“ einen Besuch wert.

Naturpark „Sierra de Grazalema“
Naturpark „Sierra de Grazalema“ - © mehdi33300 - stock.adobe.com

Bei El Bosque betreten wir endlich den Naturpark „Sierra de Grazalema“ – eine einzigartige Gebirgslandschaft, die von tiefen Schluchten, Karsthöhlen und grünen Tannenwäldern geprägt wird. Im Unterschied zum Rest von Andalusien regnet es hier recht häufig, wenn feuchte Luftströmungen vom Atlantik auf die Berge der Sierra treffen. Daher ist es hier auch ungewöhnlich grün, was den gesamten Naturpark zum Paradies für Wanderer und Aktivurlauber macht.

Ein guter Ort für einen Zwischenstopp ist das zwischen den Bergen der Sierra gelegene Dörfchen Ubrique. Was hier als erstes auffällt: die vielen Handwerksbetriebe, in denen hochwertige Lederwaren hergestellt werden. Die Tradition wurde von den Mauren eingeführt, erste Manufakturen entstanden im 17. Jahrhundert. Abgesehen vom Lederhandwerk gibt es hier aber noch einiges zu sehen, darunter zahlreiche Kirchen in der hübschen Altstadt, die Reste der maurischen Burg „Castillo de Fátima aus dem 12. Jahrhundert und die nahegelegene römische Grabstätte „Ocuri“.

Steile Pässe und spektakuläre Gebirgsstraßen

Wer etwas Zeit im Naturpark verbringen möchte, plant am besten ein oder zwei Nächte in Grazalema ein. Das wunderschöne Dorf am Fuß der „Sierra del Pinar“ gilt als einer der schönsten Orte Andalusiens und besticht mit einem hübschen historischen Ortskern rund um den zentralen „Plaza de España“. Hier befindet sich auch das bekannteste Bauwerk, die Kirche „Nuestra Señora de la Aurora“ aus dem 18. Jahrhundert. Direkt neben dem Ort gibt es mit dem Camping TajoRodillo einen kleinen aber feinen Campingplatz.

Es folgt der wahrscheinlich spektakulärste Abschnitt der gesamten „Ruta de los Pueblos Blancos“. Über steile Serpentinen führt die Landstraße CA-9104 bis zum 1331 Meter hohen Pass „Puerto de las Palomas“, wo sich traumhafte Aussichten über die Gebirgslandschaft bieten. Anschließend geht es genauso steil wieder herunter bis nach Zahara de la Sierra, dem nächsten Highlight der Route.

Zahara de la Sierra, Andalusia, Spain
Zahara de la Sierra, Andalusien, Spanien - © Peter Adams/Danita Delimont - stock.adobe.com

Zahara de la Sierra thront auf einem Hügel über dem türkisblau funkelnden Stausee „Embalse de Zahara-El Gastor“ und erinnert mit seinen verwinkelten Gassen deutlich an die arabische Vergangenheit Andalusiens. Den besten Ausblick über den Stausee hast du vom „Castillo de Zahara de la Sierra“. Der knapp 15-minütige Aufstieg ist recht steil – die Aussicht entschädigt aber für alle Strapazen. Wer sich danach erholen möchte, besucht am besten den künstlichen Strand am Ufer des Sees.

Paradies für Wanderer und Paraglider

Weiter geht es nach Algodonales im Norden des Naturparks. Der Ort am Fuß der Bergkette „Sierra de Líjar“ ist für seine 12 Brunnen berühmt, allen voran die „Fuente Algarrobo“, und ist zudem als Zentrum der Gitarrenbaukunst bekannt. Neben Wanderungen und Exkursionen zu Höhlen wie der „Cueva Santa“ gilt Algodonales auch als Hotspot für Paraglider, die sich von den warmen Winden der Berghänge ins Tal tragen lassen. Zahlreiche Flugschulen vor Ort bieten Schnupperkurse und Tandemflüge an.

Kirche und Schloss in Olvera. Provinz Cadiz
Kirche und Schloss in Olvera. Provinz Cadiz - © JackFt - stock.adobe.com

Wir fahren weiter nach Olvera, das in idyllischer Lage auf einem Hügel erbaut wurde und mit seinem Kirchturm und der maurischen Burg schon von weitem sichtbar ist. Die beiden wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die prächtige Kirche „Nuestra Señora de la Encarnación“ und die alte maurische Festung „Castillo de Olvera“. In der Festung gibt es eine Aussichtsplattform, die eine tollen Blick über die Umgebung bietet. Wer ein Fahrrad dabei hat, begibt sich auf die 36 km lange wunderschöne „Vía Verde“ zum Nachbarort Puerto Serrano. In diesem Fall bietet sich ein Aufenthalt auf dem beliebten Campingplatz Camping Pueblo Blanco an.

In Setenil de las Bodegas haben wir schon fast das Ende der Ruta de los Pueblos Blancos erreicht. Im Unterschied zu den anderen weißen Dörfern ist dieser Ort nicht auf einem Hügel erbaut. Stattdessen wurden die Häuser in die Felsen einer großen Schlucht geschlagen. Die Höhlenhäuser von Setenil de las Bodegas sind ein beliebtes Fotomotiv – die besten Aussichten hast du in den beiden Gassen „Cuevas del Sol“ und „Cuevas de la Sombra“. Ein weiterer schöner Ort zum Fotografieren befindet sich in der romantischen „Calle Herrería“. Hier gibt es sogar einen eigens markierten Fotospot für frisch Verliebte.

Ronda: Das schönste Dorf Andalusiens

Ronda zählt zwar nicht mehr zur offiziellen Route der „Straße der Weißen Dörfer“. Die spektakulär auf einem Felsplateau über einer Schlucht gelegene Stadt gilt aber als eines der schönsten Orte Andalusiens. Daher ist ein Abstecher ein wahres Muss. Besonders beeindruckend ist die Steinbrücke „Puente Nuevo“, die rund hundert Meter über der Schlucht „El Tajo“ verläuft und die historische Altstadt von Ronda („La Ciudad“) vom jüngeren Stadtteil „El Mercadillo“ trennt.

Die Steinbrücke „Puente Nuevo“ in Ronda
Die Steinbrücke „Puente Nuevo“ in Ronda - © SeanPavonePhoto - stock.adobe.com

Die Kleinstadt hat aber noch jede Menge anderer Sehenswürdigkeiten zu bieten: Die Stierkampfarena zählt zu den ältesten in ganz Spanien, genau wie die historischen arabischen Bäder von Ronda aus dem 13. Jahrhundert. Sehenswert sind auch die terrassenförmig angelegten Gärten „Jardines de Cuenca“ und der Aussichtspunkt „Mirador Puente Nuevo de Ronda“, von dem sich der beste Ausblick über die Stadt bietet.

In Ronda lohnt sich definitiv ein längerer Aufenthalt und mit dem Campingplatz El Sur gibt es hier auch einen schönen Ort, um ein paar Tage zu verbringen. Wer dann noch ein bisschen Strandurlaub dranhängen möchte, hat es nicht weit: Bis zur Costa del Sol sind es nur knapp 35 Kilometer. Hier warten einige der besten Strände Spaniens – der perfekte Ort um die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten.

 

Titelbild: © bennymarty – stock.adobe.com