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Camping auf Malta: Vergessenes Paradies für Camper

Wer kennt es nicht? Wenn im Kalender wieder einmal ein paar Tage nicht mit Terminen belegt sind und die Planung für einen Campingurlaub beginnt, sind die üblichen Verdächtigen schnell ausgemacht: Spanien, Italien, Frankreich, vielleicht noch Skandinavien. Vieles hat man schon gesehen, vieles kennt man von früher.

Warum nicht einmal ein kleines Abenteuer wagen, etwas Neues entdecken? Dieses Abenteuer hat fünf Buchstaben und liegt im Mittelmeer zwischen Sizilien und Afrika. Und es kann problemlos mit einem Campingmobil bereist werden: Malta.

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Per Fähre mit dem Camper von Livorno nach Palermo

Du wirst dir jetzt wahrscheinlich denken: "Mit dem Camper nach Malta? Da kommt man doch gar nicht so einfach hin, schließlich ist das eine Inselgruppe!" Weit gefehlt! Die Anreise ist viel einfacher als man denkt und wer die Schnellfähre nimmt, bekommt ein echtes Erlebnis.

Wir beginnen unsere Reise in Livorno, einer Hafenstadt in der Toskana. Spätabends fahren wir auf der imposanten "Grimaldi-Fähre" und beziehen unsere Kabine. Sie soll uns nach Palermo auf Sizilien bringen, von wo aus wir nach Malta weiterreisen. 170 Euro kostet uns die 19-stündige Fährfahrt inklusive Kabine. Eigentlich gar nicht so teuer, bedenkt man, dass Livorno und Palermo mehr als 650 Kilometer Luftlinie trennen.

Wir auf jeden Fall kommen gut über das Tyrrhenische Meer und sicher in Palermo an. Wir genießen für einen Abend die lebhafte Stadt, bevor wir am folgenden Tag mehr als 300 Kilometer quer über die Insel bis nach Pozzallo fahren. Natürlich bietet es sich an, Sizilien noch ein bisschen mehr Zeit zu geben, wann ist man schon mal so weit im Süden? Die italienische Insel bietet viele hübsche Örtchen, atemberaubende Strände und vor allem leckeres Essen.

Camping auf Sizilien

Unser Ziel lautet aber Malta, darum: ab auf die nächste Fähre!

In 90 Minuten mit dem Camper nach Malta

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Seit ein paar Wochen gibt es von besagtem Pozzallo aus eine neue Fährverbindung nach Malta. Der schnellste Fähr-Katamaran der Welt, der vom Unternehmen Virtu Ferries betrieben wird, bringt bis zu 900 Passagiere, 167 Autos und 23 LKWs in nur 90 Minuten in die Hauptstadt Valletta. Ein bisschen ist die Fährfahrt wie eine Achterbahn, nur ohne Loopings. Das muss man einmal erlebt haben. Da vergehen die 90 Kilometer tatsächlich wie im Flug: Kaum hat man sich hingesetzt, erscheint am Horizont auch schon die Küste von Malta. Wir sind fast da.

Die Hauptstadt Valletta

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Fährt man mit dem Camper von Bord, fühlt man sich sogleich in einer anderen Welt. Nicht nur wegen des Linksverkehrs, an den man sich schnell gewöhnt. Nein, Malta liegt sehr nah an der Küste Nordafrikas und das spürt man auch: Die Architektur, die tiefen Häuser, die Farben unterscheiden sich vom europäischen Festland. Valletta war nicht ohne Grund Kulturhauptstadt 2018. Als gewaltige Festung auf einer Halbinsel zwischen zwei Naturhäfen erbaut, mischen sich in der Stadt viele verschiedene Kulturen. Dazu hat sie jede Menge Geschichte, was an historischen Prachtbauten sichtbar wird. Uns gefallen neben den Sehenswürdigkeiten besonders die engen Gassen und natürlich – wie soll es anders sein? – das leckere Essen.

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Valletta ist sehr sauber, die Menschen freundlich und alle sprechen flüssig Englisch, das hier neben dem Maltesischen ebenfalls Amtssprache ist. Bezahlt wird mit Euro, Kreditkarten sind gern gesehen und auch kostenloses W-Lan ist überall vorhanden.

Wo schlafen? Übernachtungsplätze auf Malta für Wohnmobile

Recherchiert man über Malta und plant man seine Reise, fällt schnell auf: Stell- oder Campingplätze sind schwer zu finden. Die kleine Insel ist nicht wirklich für Camper ausgelegt. Die gute Nachricht: Trotz ist man mit seinem rollenden Zuhause immer willkommen. Mit unserem Campervan durften wir an Straßenrändern und Parkplätzen stehen. Auf Anfrage wurde uns von der maltesischen Tourismusbehörde mitgeteilt, dass dazu ledig eine Zulassung und Versicherung des Gefährts bestehen müsse. Lediglich das Abstellen von Wohnwagen ohne Zugfahrzeug ist untersagt. Stellenweise Einschränkungen durch Verbotsschilder müssen beachtet werden, aber: Mit dem Campervan auf Malta – das geht.

So kommt es auch, dass wir unsere erste Nacht ein bisschen außerhalb, direkt am Wasser, wildcampend verbringen. Das ist zwar nicht ganz ruhig, aber für eine Nacht okay. Am nächsten Morgen frühstücken wir am Wasser und werfen noch kurz die Angel aus, bevor wir ein paar Kilometer weiterfahren. Vorbei an den Malta Film Studios geht es für uns in das Fischerdorf Marsaxlokk. Die Aussicht auf den Hafen ist beeindruckend: die traditionellen, bunten Fischerboote "Luzzu" schaukeln sanft im Wind, ansonsten regt sich nichts. Den passenden Hintergrund für die malerische Hafenkulisse liefert die Kirche "Our Lady of Pompei“.

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Ganz im Gegensatz zum ruhigen Wasser geht es auf der Uferpromenade hektisch zu: Jeden Tag findet ein Markt statt. Dort kann man die üblichen Touristensouvenirs, aber auch Bekleidung, Handtaschen, Tischdecken und Bettwäsche kaufen. Angrenzend an den Markt reiht sich auf der Uferpromenade von Marsaxlokk ein "Strandlokal" an das andere – und da probieren wir die echte Spezialität auf Malta: Pastizzi, ein traditionelles Gebäck. Pastizzi sind mit Ricotta oder Erbsenmousse gefüllt, wirklich super lecker.

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Anschließend fahren wir zu der Poolanlage St. Peter's Pool fahren. Der Weg zum Parkplatz ist zwar eng, aber er lohnt sich. Wie aus dem Bilderbuch! Den Abend lassen wir dann an der Tauchstation Ghar Lapsi Divesite ausklingen, an der man auch gut essen kann, bevor wir uns direkt an der Klippe den zweiten wunderschönen freistehenden Platz auf Malta sichern.

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Gozo – das Paradies für Wildcamping auf Malta

Am nächsten Morgen fahren wir an einem Supermarkt vorbei, wo wir uns mit Lebensmitteln eindecken, um nur kurze Zeit später in Mellieħa den einzigen offiziellen Stellplatz der Insel zu finden. Kein Schmuckstück, aber man kann im Toilettenhäuschen seinen Tank leeren und Wasser auffüllen. Durch die kleine Fläche von Malta ist man zudem immer wieder schnell bei diesem kostenlosen Stellplatz, egal wo man sich gerade befindet. Praktisch.

Wir aber verlassen nun die Hauptinsel und fahren mit einer kleinen Fähre 15 Minuten nach Gozo. Die kleine Insel gehört zwar noch zu Malta und doch herrscht hier etwas mehr Gelassenheit. Wir streifen erst durch die wunderschöne Stadt Victoria, bevor wir zum weltbekannten Azur Window fahren. Hier verbringen wir sie dann auch, die erste Nacht auf Gozo, an einem Bilderbuch-Ort mit einem fantastischen Ausblick – ein perfekter Freistehplatz für Camper. In diesem Moment beginnt sie, unsere große Liebe für Gozo.

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Die vielleicht größte Versuchung, seit es Freistehplätze gibt

Am nächsten Morgen ist es nicht mehr so ruhig. Das Azur Window ist gut besucht und zieht Massen von Touristen an. Wir besuchen die imposante Basilika ta' Pinu und fahren weiter zum Wied il-Mielah Window und sind erstaunt. Auch hier gibt es einen Bogen über das Wasser, ähnlich wie beim Azur Window, nur weiß das kaum jemand.

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Wir sind also wieder einmal alleine und genießen den Ausblick auf die Natur. Eigentlich wollen wir gar nicht mehr weiterfahren. Doch wir entscheiden uns trotzdem, und müssen rückblickend sagen: zum Glück. Wir fahren über die Meeresschlucht Wied il-Għasri an der Nordküste von Gozo entlang und finden den schönsten Freistehplatz unserer ganzen Reise: Wir bleiben gleich zwei Tage und können unser Glück kaum fassen. Gozo, diese einzige Augenweide in Inselform, hatten wir bisher nicht auf dem Schirm. Nun aber werden wir sie so schnell nicht mehr vergessen!

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Die Filmkulisse von Popeye auf Malta

Nach den zwei Tagen, an denen wir unsere Seele baumeln ließen, machen wir uns auf zum Fähranleger. Nochmals fahren wir über die ganze Insel und schwören uns, eines Tages wieder herzukommen. Gozo hat etwas Magisches und ist gerade für Wildcamper ein unvergessliches Erlebnis. Mit der kleinen Fähre aber geht es jetzt für 16 Euro zurück nach Malta.

In Mellieħa füllen wir wieder unsere Tanks, um gleich danach weiterzufahren zum Popeye Village. 1979 wurde diese Kulisse für den Film "Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag" errichtet und dient bis heute als Freizeitpark. Kleiner Tipp von uns: Man muss keinen Eintritt zahlen, um belohnt zu werden. Einfach die Straße bis zum Ende fahren und schon hat man einen super schönen Blick auf den unwirklichen Ort. Das muss man gesehen haben!

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Warum ist Mdina nicht mehr die Hauptstadt von Malta?

Nach einem erfrischenden Bier im Sea View Café – das maltesische Cisk ist besonders lecker! – fahren wir in die ehemalige Hauptstadt Mdina. Heute hat die mittelalterlich anmutende Stadt gerade einmal 235 Einwohner, dafür eine Vielzahl an Touristen. Kein Wunder, hier fühlt man sich wirklich wie in einer anderen Welt. Wir fotografieren und filmen in den pittoresken Gassen so viel, dass beide Akkus leer werden. Jede Ecke, jeder Winkel scheint hier wunderschön. Man möchte gar nicht mehr weg und wir fragen uns: Warum ist Mdina eigentlich nicht mehr die Hauptstadt?

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Darum musst auch du mit dem Camper nach Malta

Unsere letzte Nacht verbringen wir wieder freistehend vor den Toren der Hauptstadt an einem ruhigen Ort. Diese sind auf Malta zwar schwieriger zu finden, aber nicht weniger schön. Wir hoffen, du hast den ganz besonderen Zauber von Malta ein bisschen gespürt. Auch wenn die Insel für Wohnmobile aller Art nicht viel zu bieten hat, ist die Insel auch mit dem Camper eine Reise wert.

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Nirgendwo gibt es schönere Wildcamping-Plätze, nirgendwo ist die Stimmung so friedlich und nirgendwo sind die Wege so kurz. Zwei Wochen sind optimal für Malta und Gozo. Man muss nicht hetzen, da alles nur wenige Kilometer auseinander liegt. Zugegeben, die Straßen verlangen dem Fahrzeug einiges ab; geht man das Ganze aber gemütlich an, bleibt alles heil.

Derzeit haben wir einen Campingplatz auf Malta zur Auswahl.

Zum Campingplatz

Über die Autoren: Lui und Steffi haben ein großes Ziel: Alle Länder Europas besuchen. Auf ihrem Blog und Reisetagebuch comewithus2 erzählen sie von ihren Erlebnissen.

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