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Camping in Albanien: Wildes Südosteuropa mit Charme

Eine Campingplatz-Besitzerin will mir ihre Rheuma-Heilmethoden näher bringen und fährt mich spontan ins Schwefelbad. Ein Polizist, dem ich fragend "Camping" zurufe, hält eine Passantin an, die mir wiederum die versteckte Einfahrt zu einem Campingplatz zeigt. Drei Jungs bieten mir türkischen Mokka ein, als sie mitbekommen, dass ich 50 Euro für die abgelaufene grüne Versicherungskarte zahlen muss. Das sind keine erfundenen Anekdoten der Gastfreundschaft, die sich jeder Camper wünschen würde – sondern Erfahrungen, die ich gemacht habe: und zwar als Camperin in Albanien.

Camping in Albanien

Herzlichkeit und Gastgebe, wohin das Auge reicht

Deshalb will ich, bevor ich auf die Natur und Camping zu sprechen komme, loswerden, dass ich die Menschen in Albanien liebe. Ich habe dort Leute kennengelernt, die mich herzlich angegrinst und mir spontan vom Wegesrand zugewunken haben, als sie deutsche Kennzeichen sehen. Es sind Erinnerungen, die im Kopf bleiben. Ich habe hier viele wunderbare Begegnungen gemacht: mit albanischen Campingplatzbesitzern, Restaurantchefs, mit jungen Frauen im Café, Müttern am Strand oder einem Barkeeper auf der kleinen Fähre.

Ja, Albanien mag uns wild und entlegen erscheinen, aber wenn man den Menschen ohne Vorbehalte und Vorurteile entgegentritt, wird man belohnt. Ich habe mich gut auf Englisch verständigen können. Und ging das mal nicht, habe ich auf den allseits bekannten albanisch-italienisch-deutsch-Hände-Fuß-Lächeln-Mix zurückgegriffen. Es hat funktioniert.

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Unberührte Strände und bewundernswerte Landschaften

Auch abgesehen von den zuvorkommenden und freundlichen Einwohnern hat Albanien Touristen eine Menge zu bieten: Zum Beispiel wundervolle, teilweise noch unberührte Strände wie in Velipoja oder Shëngjin, wo kilometerweite Sand- und Kieselstrände in das Adriatische Meer führen. Oder bewundernswerte Landschaften wie den ostalbanischen Nationalpark Shebenik-Jablanica, wo steinige Gebirgsketten nicht nur die wunderschöne Heimat des Steinadlers darstellen, sondern auch die Grenze zum Norden Mazedoniens bilden. Ebenfalls imposant sind historische Städte – die Zentren der Städte Berat und Gjirokaster wurden sogar von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet – oder beeindruckende Kulturstätten wie beispielsweise die Ruinenstätte Butrint, wo Prachtbauten und Festungsanlagen an die Blüte der Stadt in der Antike erinnern.

Das Land im Südosten Europas hat mich verzaubert. Schon dreimal habe ich Albanien durchfahren – und nachdem ich anfangs die Zeit an der wunderschönen Küste verbracht habe, war ich beim letzten Mal im Hinterland, wo ich unendliche Bergwälder durchkreuzt, Milliarden steiler Kurven gemeistert und unendliche Höhenmeter zurückgelegt habe. Dabei ist gerade die Weite und Unberührtheit der Natur beeindruckend.

Abenteuer-Fahrten auf unebenem Untergrund

Apropos Höhenmeter und Kurven: Die Straßen Albaniens mögen für uns, die von deutschen Autobahnen verwöhnt sind, eine Herausforderung darstellen. Nachdem ich mich aber an sie gewöhnt habe, bedeuteten sie für mich nur eins: Fahrspaß pur. Aber Vorsicht, Spaß hat nur derjenige, der unebenen Schotterpisten mit unzähligen Kurven auf steilen, schmalen Pfaden etwas abgewinnen kann. Es braucht mit dem Wohnmobil durchaus Fahrerfahrung, um die Routen zu meistern. Dabei ist meiner Erfahrung nach kein Allradantrieb notwendig, um die Straßen zu befahren, allerdings permanente Konzentration. Sie ist unablässig und als Fahrer solltest du hinnehmen, dass Wohnmobil Kratzer und Unterbodenstöße abbekommen. Ebenfalls musst du mit freilaufenden Tieren, Eselskarawanen und irren Rasern rechnen.

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Gespannfahrern rate ich ausdrücklich von einer Tour über die holprigen und engen Straßen im Landesinneren ab. Mit dem Wohnwagen ist man auf den größeren Straßen an der Küste besser aufgehoben. Sicherlich kommt es aber auch nicht von ungefähr, dass mir auf meiner Reise kein einziger Wohnwagen entgegenkam.

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Aber immerhin: Als Fahrer wird dir nie langweilig – und im Gegensatz zum Fahren auf deutschen Autobahnen bergen Ausflüge in Albanien nicht die Gefahr, am Steuer einzuschlafen.

Die Qual der Wahl: Der Genuss des aktiven Sporturlaubs

Langweilig wird einem in Albanien auch nicht angesichts der unzähligen Sport- und Freizeitmöglichkeiten, die ein Campingurlaub dort bietet. Die beschriebene Natur, die Aus- und Fernsichten, die Farben und die Weite der Wälder sowie die Einsamkeit der Gebirgsketten waren nicht nur spektakulär schön, ließen mich durchatmen und staunend still werden, sondern luden auch zu einer aktiven Gestaltung der Tage ein.

Wollte ich nach einem Ausflug in ein entlegenes Naturgebiet wieder Action, griff ich auf die vielen Tourismusangebote zurück. In Albanien ist es problemlos möglich, auf Wildflüssen Rafting zu betreiben, klettern zu gehen, Wandertrails zu erklimmen, Kajaktouren zu organisieren oder auf dem Motorcross über Schotterwege zu düsen.

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Auch deshalb sind Aufenthalte auf Campingplätzen sinnvoll: Diese sind hilfreiche Anlaufstellen, um sich über Ausflugsziele zu erkundigen und aktiven Erholungsurlaub zu planen. Oft sind die Campingplätze in Albanien nur rudimentär ausgestattet, doch das gehört zum Charme des Landes im Südosten. Wichtiger ist, dass die Campingplätze allesamt sicher waren und die Funktion als "meine Zentrale" für viele Ausflüge und Aktivitäten eingenommen haben.

An der malerischen Küste: Camping in Pa Emër, unweit von Durrës

Da ich diesmal leider nicht die Zeit hatte, entlang der Adriaküste über den Balkan zu fahren, habe ich mich gemütlich mit der Fähre aus Ancona nach Dürres schippern lassen. Am späten Nachmittag eingestiegen, war ich in der früh schon an der albanischen Küste unterwegs – und steuerte sogleich einen meiner Lieblings-Campingplätze an.

Der Campingplatz Pa Emër hat eine ziemlich schottrige, aber auch für größere Mobile gut bewältigbare Anfahrt. Dazu liegt er schön im Grünen. Er wartet mit zahlreichen Terrassen auf, sodass man immer Sicht aufs Meer und die spektakulären Sonnenuntergänge hat. Es gibt neue, gut gepflegte Sanitäranlagen und ein leckeres Restaurant mit albanischer Küche. Wer Interesse daran hat, findet auf einer Partylocation abendliche Unterhaltung.

Zum Campingplatz

Die vorgelagerte kleine Insel zum Sonnenbaden, der schön-feinsandige Strand, die tolle Lage in der Bucht von Durrës, das seichte Meer und Sonnenscheingarantie machen den Platz wirklich zu einem Wohlfühltipp. Mit Glück bekommt man in Pa Emër sogar einen Platz in der ersten Reihe, direkt am Meer.

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Zum Ende meines Roadtrips, der mich einmal rund ums ganze Land geführt hat, fand ich noch einen weiteren wirklich tollen Platz im Norden des Landes: das Agora Farmhouse Camping.

Zwischen Shkodër und Koman traumhaft am See gelegen: das Agora Farmhouse Camping

Meine Campingplatz-Neuentdeckung ist das Agora Farmhouse Camping, das erst im letzten Jahr eröffnet hat und schnell zu einem meiner Lieblingsplätze wurde.

Das Agora Farmhouse Camping ist schön, liebevoll und detailverliebt angelegt, wird sympathisch von einer gastfreundlichen Familie geführt und liegt traumhaft direkt am See gelegen – ein wahrer Campingtraum! Der Familienbetrieb sorgt nicht nur für heimisches Ambiente und blitzblank gepflegte Anlagen, sondern stellt auch sicher, dass alle Produkte des hervorragenden Gastronomieangebot selbst hergestellt werden. Auf diesem wundervollen Platz verweile ich wirklich gerne, sehe den Männern beim Fischen zu, baumle in der Hängematte, lausche den schnatternden Gänsen und genieße bei einem kühlen Bier die Aussicht.

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Fazit: Albanien, ein wahrer Camping-Geheimtipp

Auch wer ganz auf Campingplätze verzichten kann, wird in Albanien überall fündig. An Wegesrändern, aber auch abseits auf den weiten Sandstränden oder mittendrin auf Dorfplätzen, stehen super Stellplätze mit wunderschöner Aussicht. Ich habe mich überall wohl, willkommen und völlig sicher gefühlt!

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Zusammenfassend kann ich sagen, dass ein Campingurlaub in Albanien ein absoluter Geheimtipp sein kann. Wer eine etwas naturbelassene Alternative sucht und sich auf ein noch nicht sonderlich erschlossenes Land einlassen will, der ist in Albanien goldrichtig.

Text und Bilder von Susanne Flachmann. Die Autorin reist mit ihrem kleinen Kastenwagen "Franz" über die abgelegenen Straßen Europas, bevorzugt in den Südosten. Neben ihrem Magazin Cool Camping Wohnmobil führt sie auch den Reiseblog der-franz-und-ich.de, auf dem sie ihre Erlebnisse mit dir teilt.

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