PiNCAMP im Gespräch mit Franky Borrel-Greve

„Der Campingplatz ist wie eine zweite Heimat“

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Franky Borrel-Greve bei einer Überfahrt nach Mallorca mit einem Arbeitskollegen
Franky Borrel-Greve bei einer Überfahrt nach Mallorca mit einem Arbeitskollegen - © Camping Las Dunas

Arbeiten dort, wo andere Urlaub machen – eine Sehnsucht, die viele Menschen haben. Für Franky Borrell-Greve ist das Alltag. Der 49-jährige Spanier mit deutschen Wurzeln ist Empfangschef auf dem Campingplatz Camping Las Dunas. Der 5-Sterne-Platz befindet an der atemberaubenden Costa Brava (zu deutsch: „wilde Küste“) in der Provinz Girona/Katalonien. Mit insgesamt 1500 Standplätzen und 240 Mietunterkünften gehört Camping Las Dunas zu den größten Campingplätzen in der Region und ist ideal für Familien mit Kindern. Vier Monate im Jahr ist hier Hochbetrieb – und dann kommt es schon mal vor, dass Franky Borrell-Greve gar nicht erst nach Hause geht, sondern sich selbst nach Feierabend auf dem Campingplatz eincheckt. Im Interview mit unserer Autorin erzählt der Empfangschef, warum er sich keinen anderen Job vorstellen kann und weshalb er früh morgens immer sein Handy zückt.

Herr Borrell-Greve, wie viele Urlauber können Sie auf Camping Las Dunas beherbergen?

Überblick über den Campingplatz
Überblick über den Campingplatz - © Camping Las Dunas

Borrell-Greve: Insgesamt haben hier bis zu 6.000 Gäste Platz, wenn wir voll belegt sind. Wir sind ein sehr großer Campingplatz, der aber nach wie vor ein Familienbetrieb ist, inzwischen in der dritten Generation. Und trotz der Größe ist auch die Atmosphäre sehr familiär, sowohl im Team, als auch mit den Gästen, die zu uns kommen. Wir haben viele treue Gäste, die jedes Jahr bei uns ihren Urlaub verbringen. Vor allem in der Nebensaison kennt man sich auch mit Namen und es entsteht ein freundschaftliches Verhältnis. Ich liebe den Umgang mit Menschen.

Die Saison hat begonnen – rechnen Sie mit vielen Campinggästen in diesem Jahr?

Borrell-Greve: Ja, wir freuen uns, endlich wieder mehr Urlauber empfangen zu können – im vergangenen Jahr hatten wir kaum Gäste aus dem Ausland. Zwar waren die Inzidenzen bei uns niedrig und wir konnten öffnen, aber aufgrund der allgemein schwierigen Situation fehlten uns die Gäste aus dem Ausland. Normalerweise sind in der Hochsaison etwa zwei Drittel der Urlauber aus Deutschland und den Niederlanden. Es dreht sich auch jetzt noch vieles um die Pandemie, aber die Menschen wollen verreisen und wir wollen sie empfangen. Und dank der laufenden Impfkampagnen ist das in diesem Jahr einfacher.

Panoramablick über den Campingplatz
Panoramablick über den Campingplatz - © Camping Las Dunas

Viele Menschen haben ja während der Pandemie das Campen für sich entdeckt.

Borrell-Greve: Im vergangenen Jahr hatten wir viele Gäste, die zum ersten Mal bei uns Urlaub gemacht haben und die generell zum ersten Mal auf einem Campingplatz waren. Campingplätze sind vor allem für Familien mit Kindern großartig. Alles findet draußen statt. Eltern können ihre Kinder den ganzen Tag draußen spielen lassen, oft steht die Tür zum Wohnmobil oder zum Bungalow offen und irgendwann werden die Kinder zum Abendessen gerufen. Ich höre viele Gäste sagen: Der Campingplatz ist wie eine zweite Heimat.

Spanien oder Deutschland – was ist Ihre erste und zweite Heimat?

Freizeitgestaltung für Groß und Klein auf dem Campingplatz
Freizeitgestaltung für Groß und Klein auf dem Campingplatz - © Camping Las Dunas

Borrell-Greve: Ich bin in Spanien geboren und aufgewachsen. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Spanier. Ich bin von klein auf mit beiden Sprachen aufgewachsen. In Barcelona habe ich dann ein deutsches Abitur gemacht. Ich habe beide Pässe, bin auf dem Papier also Spanier und Deutscher – aber letztlich ist das nur ein Stück Papier. Die Nationalität ist für mich zweitrangig, ich sehe mich als Europäer. Aber beim Fußball drücke ich immer Spanien die Daumen. (lacht)

Wie lange sind Sie schon als Empfangschef für Camping Las Dunas tätig?

Borrell-Greve: Seit 2009, aber auf dem Campingplatz arbeite ich schon seit 1991. Da ging ich noch zur Schule und fast jeden Sommer habe ich auf diesem Campingplatz hier gearbeitet. Nach dem Abitur bin ich erst einmal nach Deutschland gezogen. Dort habe ich elf Jahre lang gelebt, bin aber jeden Sommer zurück nach Spanien. Mal zwei Monate, mal drei – je nachdem, wie viel Zeit ich zur Verfügung hatte. Außer 1994, in dem Jahr habe ich nämlich Zivildienst gemacht und konnte daher nicht nach Spanien reisen. Das war der einzige Sommer, den ich ausgesetzt habe.

Panorama von La Escala
Panorama von La Escala - © Camping Las Dunas

Wie ging es dann für Sie weiter?

Borrell-Greve: Nach dem Abitur wusste ich nicht gleich, was ich machen will. Doch irgendwann kam mir folgender Gedanke: Dir gefällt es so gut auf dem Campingplatz, damit könnte man doch etwas machen. Und so bin ich dann Großbritannien gezogen und habe dort Tourismus studiert. Als ich wieder nach Spanien zurückkam, bin ich ganzjährig eingestiegen. Zwei Jahre später bot man mir den Position des Leiters an – und seitdem bin ich hier.

Und was mögen Sie an Ihrem Job?

Borrell-Greve: Da gibt es viele Dinge. Mal davon abgesehen, dass ich an einem Ort arbeite, wo andere Urlaub machen – das ist nicht zu unterschätzen. Wenn ich zur Arbeit fahre, genieße ich morgens und abends den Spaziergang am Meer zum Auto, weshalb ich immer etwas außerhalb parke. Das ist mein Arbeitsweg. Ich kenne die Gegend zwar schon in und auswendig, aber jeden Morgen, wenn ich am Strand bin, hole ich mein Handy raus und mache Fotos vom Meer und vom Strand.

Dort arbeiten wo andere Urlaub machen
Franky Borrell-Greve hat die Möglichkeit ergriffen und arbeitet dort wo andere Urlaub machen - © Camping Las Dunas

Manche sagen: Wenn man am Meer lebt, sieht man sich irgendwann satt – stimmt das?

Borrell-Greve: Nein, absolut nicht. Wenn Bekannte uns besuchen, fragen sie oft: Habt ihr euch noch nicht sattgesehen? Wir antworten immer: Nein, wir sind nicht satt vom Meer. Ich zücke jeden Morgen das Handy und mache Bilder, weil es mich auch nach Jahren, wo ich hier lebe einfach überwältigt – die Gegend ist ein absoluter Pluspunkt. Wir schätzen uns sehr glücklich, hier arbeiten zu können. Es gibt einem etwas.

Und wie verbringen Sie Ihren Urlaub?

Ein traumhafter Ort für Urlaub
Ein traumhafter Ort für Urlaub - © Camping Las Dunas

Borrell-Greve: Meine Partnerin und ich schauen uns gerne den Mittelmeerraum an. Wir reisen mit dem Auto – ich bin selten in einem Flieger. Unser Urlaub findet außerhalb der Saison statt, also in den Wintermonaten. Im Winter ist es am Mittelmeer sehr ruhig und überschaubar – das ist ein schöner Kontrast zum Trubel, den ich im Sommer auf dem Campingplatz habe. Ich bin bis in die entlegensten Ecken Spaniens gereist und habe es auch bis nach Irland und Griechenland mit dem Auto geschafft. Ich würde auch gerne wieder Skandinavien bereisen – das habe ich in meiner Studentenzeit mit Interrail gemacht.

Steuern Sie im Urlaub Campingplätze an?

Borrell-Greve: Falls möglich schon, aber viele Campingplätze am Mittelmeer sind leider geschlossen, wenn wir unterwegs sind. Als Kind war ich oft mit meinen Eltern campen. Zu der Zeit war es noch nicht so üblich, dass Spanier auch in anderen Ländern Campingurlaub machen.

Und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Borrell-Greve: Routine gibt es eigentlich kaum. In der Hochsaison kommt es sogar vor, dass ich auf dem Campingplatz schlafe. Es gibt eigentlich immer etwas, was meine Anwesenheit erfordert. Ich kann dann tatsächlich besser abschalten, wenn ich schon auf dem Platz bin. Wenn etwas ist, bin ich bereits vor Ort und habe keinen Anfahrtsweg mehr. In meinem Arbeitsalltag geht es darum, dass alles läuft und dass die Gäste zufrieden sind.