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Statale 115, km 88
91022 Marinella di Selinunte
Sizilien
Italien
Breitengrad 37° 35' 44" N (37.5958)
Längengrad 12° 50' 29" E (12.84154)
Ein etwas spezieller Ausflug führt in das 2 km östlich von Sciacca gelegene sonderbare Castello Incantato, das ›verwunschene Schloss‹. Hier befindet sich der Skulpturengarten des Filippo Bentivegna (1888–1967), eines einfachen Bauern. Dieser schlug aus Stein und schnitzte aus Olivenstämmen in lebenslanger Arbeit mehr als 3000 grobe Gesichter und Häupter heraus. Kunsthistoriker diskutieren mittlerweile ernsthaft den künstlerischen Stellenwert des zu Lebzeiten als Spinner verlachten Mannes. Angeschlossen ist ein Literaturcafé, in dem Lesungen und Konzerte veranstaltet werden. Einige seiner Arbeiten sind inzwischen in der Collection de lArt Brut in Lausanne ausgestellt.
Das Museo del Gattopardo in Caltanissetta widmet sich der Kultur und Geschichte Siziliens. Seine Hauptattraktion verrät es bereits in seinem Titel ›Museum des Leoparden‹: eine authentische Kopie des Originalmanuskripts zu dem Roman ›Der Leopard‹ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, der 1963 von Lucchino Visconti zu einem epochalen Film mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale sowie Alain Delon verdreht wurde. Zudem bewahrt das Museum Briefe, persönliche Notizen, Dokumente und zeitgenössische Fotos des Schriftstellers. In einem liebevoll rekonstruierten Interieur mit lebensgroßen Wachspuppen wird eine Szene aus dem Film nachgestellt.
Auf einem Plateau über dem Steilabfall eines mächtigen Kalkfelsens thronte einst das bereits im 1. Jh. v. Chr. zerstörte Griechenstädtchen Eraclea Minoa. Heute erinnern außer dem Namen bloß noch das kleine Amphitheater (3. Jh. v. Chr.) und Fundstücke in einem Museum (Antiquarium) an Kretas sagenhaften König Minos, der an dieser Küste eines grässlichen Todes gestorben sein soll.
Das ist ein idealer Platz, um sich zwischen den Besichtigungen der vielen archäologischen Stätten der Südwestküste ein wenig innezuhalten. Pinienhaine, die mit ihren kühlen, dunklen Schatten bis zu den weit geschwungenen Sandstränden reichen, würzen die salzige Luft mit ihrem harzigen Duft. Passend zu dieser Postkartenidylle erhebt sich in strahlendem Weiß ein 75 m hoher Kalkfelsen aus dem blitzblauen Meer.
Wer die Klischees aus Mario Puzos verfilmtem Bestseller »Der Pate« erwartet, den wird das blitzsaubere Städtchen bitter enttäuschen. Statt düsterer Gestalten mit Sonnenbrillen und Nadelstreifen wird er auf freundliche Einheimische treffen, die sich längst mit den in der vermeintlichen Verbrecherhochburg neugierig umherspähenden Fremden abgefunden haben. Und das mit Humor, wie ein Blick auf die Speisenkarten der Trattorien und Restaurants beweist. Da werden »Pennete alla Lupara« offeriert, ein nach dem klassischen Mordwerkzeug der Mafia benanntes Nudelgericht mit entsprechender Schärfe. Als Verdauungslikör gibt es stilecht ein Gläschen Kräuterbitter »Amaro Don Corleone« als Hommage an Puzos Romanhelden. Einen Abstecher wert aber ist die Heimat des Paten allemal. Inmitten bizarrer Felsen und atemberaubender Schluchten offenbart sich die wilde, ungezähmte Schönheit Siziliens.
Im einsamen Hügelland unweit der sizilianischen Nordküste erstreckt sich der Parco Archeologico di Segesta mit der imposanten Säulenhalle eines dorischen Tempels aus der Antike. Er stand vor den Toren von Segesta, einer wichtigen Stadt der Elymer, deren Vorfahren einer Legende nach aus Troja stammten. Ein Blick in die Vergangenheit: die antike Stadt Segesta Der Tempel von Segesta gehört zu den bekanntesten Reisetipps für alle geschichtsinteressierten Besucherinnen und Besucher von Sizilien. Trotz seines griechisch anmutenden Erscheinungsbildes lässt sich keine eindeutige kultische Nutzung nach griechischem Vorbild nachweisen: Die Siedlung wurde vom einheimischen Volk der Elymer gegründet, deren Kultur und Herkunft bis heute im Dunkeln liegen. So ist auch nicht klar, welchen Gottheiten im Tempel gehuldigt wurde. Segesta und die weiter südlich gelegene Stadt Selinunt waren lange Zeit Rivalen, ehe Segesta mithilfe der Karthager die Vorherrschaft über die Region errang. Anschließend wechselten die Elymer die Seiten und standen Rom im Kampf gegen Karthago bei. Nach einer Zeit der Blüte im römischen Reich begann der Niedergang der Stadt. Ein Rundgang durch den archäologischen Park Der Besuch der archäologischen Stätte beginnt mit dem berühmten, nie vollendeten Tempel, der ganz in der Nähe des Parkplatzes auf einer Anhöhe thront. Ein guter Reiseführer erläutert seine Hintergründe und die wechselvolle Geschichte der Elymer. Vom Tempel führt der Weg zur Akropolis, die sich an die Hänge zweier benachbarter Hügel schmiegt. Zu den guterhaltenen Sehenswürdigkeiten zählen die Porta di Valle, einst Teil der Stadtbefestigung, und das antike Theater von Segesta. Von seinem terrassenförmigen Zuschauerraum aus bietet sich ein wunderschöner Blick über die umliegende Landschaft – eine Sicht, die schon Goethe genoss, als er Segesta 1787 im Rahmen seiner italienischen Reise besuchte.
Vom Einfluss griechischer Kultur auf die Lebensart anderer Völker zeugt auch das hinter einem Höhenkamm versteckte kleine Theater aus dem 3. Jh. v. Chr., das einen hinreißenden Ausblick auf den Golf von Castellammare bietet. Ein Shuttle-Bus erspart den etwas mühsamen, etwa 40-minütigen Aufstieg. Bergab aber gehen vor allem Fotografen besser zu Fuß, denn nach jeder Wegbiegung eröffnet der Tempel inmitten einer dramatischen Landschaft neue Motive.
Wo im Altertum der Hafen von Segesta lag, errichteten die Aragonesen im 14. Jh. eine mächtige Burg. Seither nennt sich das Städtchen Kastell am Meer und erfreut als Ferienort mit langen, goldfarbenen Sandstränden an glasklarem Wasser. 1 km nordöstlich von Scopello beginnt der 7 km lange Küstenweg durch die Riserva Naturale Orientata dello Zingaro, ein Naturschutzgebiet mit Buchten inmitten von Ginster, Narzissen und Kräutern.
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