Zubehör

Reifen für Wohnwagen und Wohnmobile: Der ultimative Ratgeber

Für viele Camper sind Reifen nur dann ein Thema, wenn mal wieder ein Wechsel der Pneus ansteht. Reifen fristen bei Wohnwagen und Wohnmobilen zu Unrecht ein Nischendasein. Irgendwie weiß zwar jeder, dass sie wichtig sind – für viele Camper sind Reifen aber eher ein notwendiges Übel und kein Anlass, sich tiefer mit der Materie zu beschäftigen.

Genau das ist aber gar nicht verkehrt! Schließlich sorgen vor allem die Reifen dafür, dass Wohnwagen sowie Wohnmobil sicher in der Spur bleiben und auch den härtesten Roadtrip übersteht. Zeit also, sich etwas genauer mit den Reifen zu befassen.

Gliederung

Was zeichnet Reifen für Wohnwagen und Wohnmobile aus?

Gibt es spezielle Reifen für Wohnmobile?

Was bedeuten die Bezeichnungen am Wohnwagenreifen?

Der Lastindex

Der Geschwindigkeitsindex

Den richtigen Druck für den Wohnwagen-Reifen finden

Wann müssen die Reifen bei Wohnwagen und Wohnmobilen gewechselt werden?

Lohnt sich die Anschaffung von Allwetterreifen und Ganzjahresreifen?

Wohnwagen einwintern: Reifen nicht vergessen

Was zeichnet Reifen für Wohnwagen und Wohnmobile aus?

Wohnwagen sind Anhänger, die an einem Zugfahrzeug hängen und gezogen werden. Eigentlich muss der Wohnwagen also nur hinterherrollen. Dabei sind die Reifen allerdings ganz anderen Einflüssen und Belastungen ausgesetzt als bei normalen Pkws. Am wichtigsten ist dabei das Gewicht, denn das unterscheidet sich maßgeblich vom Pkw: Da Wohnwagen oft deutlich mehr wiegen als normale Autos, müssen auch die Reifen ein entsprechend höheres Gewicht aushalten können. Dabei spielt der Lastindex der Reifen eine wichtige Rolle. Auch das Reifenprofil sollte man bei Wohnwagen nicht außer Acht lassen. Bei nicht ausreichender Profiltiefe kann es bei Regen zu Aquaplaning und zum Ausbrechen des kompletten Gespanns kommen.

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Dazu kommen verschiedene Umwelteinflüsse, die bei Reisemobilen schwerer als bei normalen Pkws ins Gewicht fallen. Je nach Reiseland sind die Straßenverhältnisse schlechter und man bewegt sich viel auf Schotterpisten oder Straßen mit vielen Schlaglöchern, anders als im Straßenverkehr mit dem Pkw. Das führt zu einem stärkeren Abrieb und vermindert die Lebensdauer des Reifens. Auch starke Sonnenstrahlung in südlichen Ländern setzt den Reifen zu.

Gibt es spezielle Reifen für Wohnmobile?

Bei Wohnmobilen sieht die Sache noch einmal ein wenig anders aus als bei Wohnwagen, da du das Reisemobil hier ja selbst fährst. Hier kommt es bei den Reifen vor allem auf die Größe des jeweiligen Fahrzeugs an. Kleine Wohnmobile in der Größenordnung von Kleintransportern und VW-Bussen können oft mit herkömmlichen Autoreifen gefahren werden, sofern der Traglastindex passt. Teilweise werden Wohnmobile unter 3,5 Tonnen Gewicht auch mit Transporterreifen ausgestattet – das kann allerdings zu Problemen führen. Reifen für Transporter sind für die permanente Nutzung im Alltag ausgelegt. Im Wohnmobil fährst du in der Regel aber meist nicht so oft, dafür dann aber sehr viel auf einmal. Außerdem haben Wohnmobile meist lange Standzeiten. Gerade die Standzeiten setzen handelsüblichen Transporter-Reifen stark zu und verringern die Lebensdauer und die Sicherheit beim Fahren.

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Einige Hersteller, etwa Continental, bieten inzwischen daher spezielle Wohnmobil-Reifen an, sogenannte Camping-Pneus. Diese Reifen bieten einen höheren Fahrkomfort und trotzen widrigen Umwelteinflüssen. Die Gummimischung dieser Camping-Reifen ist so optimiert, dass sie auch bei längeren Standzeiten und extremen Einflüssen, wie einer starken UV-Strahlung, keine Qualitätsminderung erleiden.

Bei Wohnmobilen über 3,5 Tonnen gelten noch einmal andere Regeln. Je nach Fahrzeug müssen unter Umständen Lkw-Reifen aufgezogen werden. Schau dazu in den Fahrzeugschein deines Wohnmobils.

Was bedeuten die Bezeichnungen am Wohnwagenreifen?

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Wenn du einen Reifen für deinen Wohnwagen kaufst, wirst du in der Regel eine Reifenspezifikation an der Flanke des Wohnwagenreifens finden. Diese Reifenbezeichnung besteht aus einzelnen Ziffern und Buchstaben. Sie geben Auskunft über die Abmessungen, Belastung oder die Höchstgeschwindigkeit des Reifens und sind ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Wohnwagenreifens. Laut EU-Norm ECE-R 30 sieht eine solche Reifenspezifikation beispielsweise so aus: 185/60 R 14 102/100 Q

Das bedeuten die einzelnen Ziffern:

  • 185 – Reifenbreite: breiteste Stelle des Reifens in Millimeter
  • 60 – Profilquerschnitt: Verhältnis von Höhe der Flanke zu Breite der Lauffläche in Prozent
  • R – Reifenbauart: Das R steht hier für Radialreifen
  • 14 – Felgendurchmesser: Reifeninnendurchmesser von 14 Zoll
  • 102/100 – Lastindex: maximal zulässige Last des Reifens, wobei 102 für eine Höchstbelastung von 850 kg pro Reifen steht
  • Q – Geschwindigkeitsindex: die maximal zulässige Geschwindigkeit des Reifens, wobei Q für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h steht

    Beim Kauf eines Wohnwagenreifens solltest du dir vor allem 2 Punkte genauer anschauen: Den Lastindex und den Geschwindigkeitsindex.

Der Lastindex

Caravans haben generell keine Doppelbereifung, also keine Zwillingsreifen. Daher gilt der Wert vor dem Querstrich, in dem Beispiel oben "102". Dieser Wert besagt, dass ein einzelner Reifen 850 Kilogramm Gewicht bei einem Druck von 2,5 Bar tragen kann. Beide Reifen auf der Achse dürfen zusammen also 1.700 Kilogramm tragen.

Generell gilt: Du darfst den Lastindex überschreiten, der im Fahrzeugschein angegeben ist. Allerdings kann dies den Fahrkomfort empfindlich einschränken. Der Anhänger liegt nicht mehr so sicher auf der Straße und auch das Fahrverhalten in Kurven wird beeinträchtigt. Es empfiehlt sich daher, immer ein wenig Sicherheitsreserven nach oben einzuplanen.

Der Geschwindigkeitsindex

Auch die Geschwindigkeit spielt eine Rolle, allerdings ist sie bei Wohnwagen im Allgemeinen weniger kritisch, da du damit sowieso nicht so schnell fährst. Wenn du einen Wohnwagen mit Tempo-100-Zulassung besitzt, musst du darauf achten, dass du laut TÜV mindestens einen Wohnwagen-Reifen mit einem Speedindex L kaufst, also einen Reifen, der für Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h ausgelegt ist.

Ebenfalls wichtig: Bei Caravans mit Tempo-100-Zulassung musst du die Reifen nach sechs Jahren wechseln. Das gilt auch dann, wenn die Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter noch nicht erreicht ist. Das Alter der Reifen liest du an der DOT-Nummer ab, die sich ebenfalls auf der Flanke befindet. Die Nummer setzt sich aus den Codes für Größe und Herstellungswerk und einer vierstelligen Zahl für Produktionswoche und -jahr des Reifens zusammen. DOT 4518 heißt etwa, dass der Reifen in der 45. Kalenderwoche im Jahr 2018 hergestellt wurde.

Den richtigen Druck für den Wohnwagen-Reifen finden

Der Druck ist ein wichtiger Faktor bei Wohnwagen-Reifen. Der Druck (und nicht die Karkasse) fängt nämlich die gesamte Last des Anhängers auf. Die Hersteller von Reifen verlangen in der Regel Werte über 2,5 Bar für einen kalten Reifen, der Maximaldruck kann bei bis zu 3 Bar liegen. Du findest die entsprechenden Informationen in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs. Generell solltest du den Reifendruck bei Wohnwagen regelmäßig kontrollieren und dich dabei an die vom Hersteller empfohlenen Werte halten. Gerade vor längeren Fahrten solltest du den Luftdruck noch im kalten Zustand messen und gegebenenfalls anpassen.

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Warum die Mühen? Ganz einfach: Falsch eingestellter Druck kann zum vorzeitigen Verschleiß des Reifens führen. Ist der Druck zu hoch, nutzt sich die Mitte des Reifens überdurchschnittlich ab. Bei zu niedrigem Druck verschleißen hingegen die Flanken stärker. Hat der Reifen zu wenig Druck, verliert er zudem an Stabilität. Die Karkasse knickt ein und der Reifen walkt durch. Das verschlechtert nicht nur das Fahrverhalten des Reisemobils. Im schlimmsten Fall wird das Innenleben des Reifens irreparabel beschädigt. Unter Umständen kann das sogar zum Platzen des Reifens führen, auch bei neuen Reifen.

Wann müssen die Reifen bei Wohnwagen und Wohnmobilen gewechselt werden?

Die Lebensdauer von Wohnwagen-Reifen ist beschränkt und auch wenn du nicht mit dem Gespann durch die Weltgeschichte fährst, altert der Reifen. UV-Strahlen, Hitze, Sauerstoff und die Witterung setzen dem Material zu und führen im Lauf der Zeit zu Ermüdungserscheinungen. Ein erstes Anzeichen dafür sind Risse an der Seitenwand des Reifens. Deshalb solltest du darauf achten, die Reifen auch bei geringer Nutzung regelmäßig zu wechseln, selbst wenn sie äußerlich noch gut aussehen. Für Fahrzeuge mit Tempo-100-Zulassung müssen die Reifen, wie erwähnt, spätestens nach sechs Jahren erneuert werden.

Bei anderen Reisemobilen gilt das nicht – hier schreibt der Gesetzgeber eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor. Erreicht der Reifen diese Tiefe muss ein neuer Reifen her. In der Praxis sollte man aber schon über einen Wechsel nachdenken, wenn das Profil des Caravan-Reifens unter die Grenze von 4 Millimeter fällt.

Wann dieser Zeitpunkt erreicht ist, hängt stark vom individuellen Fahrverhalten ab. Du solltest die Reifen aber spätestens nach acht bis zehn Jahren wechseln, unter Umständen auch früher, wenn du viel mit dem Camper unterwegs bist. Beachte außerdem, dass auch die Reifen des Zugfahrzeugs verschleißen – vor allem, wenn du mit einem schweren Anhänger und ohne Allradantrieb fährst.

Lohnt sich die Anschaffung von Allwetterreifen und Ganzjahresreifen?

Jeden Winter stellen sich viele Camper erneut die Frage, ob man auch beim Reisemobil wirklich auf Winterreifen wechseln muss. Das haben längst auch die Reifenhersteller erkannt und bieten inzwischen Ganzjahresreifen und Allwetterreifen für Wohnwagen und Wohnmobile an. Diese Allwetterreifen werden mit der Kennzeichnung "M+S" (Matsch und Schnee) und dem Alpin-Symbol (Schneeflocke auf Berg) für Winterreifen markiert und sollen auch bei widrigen Bedingungen komfortables Fahren ermöglichen.

In Tests schneiden auch die Ganzjahresreifen bekannter Hersteller wie Goodyear, Ducato oder Pirelli allerdings durchweg schlechter ab als klassische Winterreifen. Sowohl was Traktion, Seitenführung oder Bremsleistung angeht, sind echte Winterreifen im Vorteil. Wenn du auch im Winter in den Campingurlaub fährst, solltest du auf den Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen also nicht verzichten.

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Wohnwagen einwintern: Reifen nicht vergessen

Vielleicht lässt du den Wohnwagen in der kalten Jahreszeit aber auch einfach stehen. Auch hier gibt es bei den Reifen einige Punkte zu beachten. Vor dem Winterschlaf solltest du zunächst den Druck um 0,2 bis 0,3 Bar erhöhen. Das sorgt dafür, dass der Reifen schön rund bleibt und keine Standplatten erhält.

Außerdem empfiehlt es sich, die Reifen durch Kurbelstützen oder Böcke zu entlasten. Auch ein Abstellen auf Keilen mit runden Standflächen oder Luftkissen hilft dabei, das Gewicht des Wohnwagens gleichmäßig auf die Reifen zu verteilen. Vor der ersten Fahrt solltest du den Luftdruck im Reifen dann wieder ein wenig senken.

Wir haben alle wichtigen Tipps, wie du deinen Wohnwagen winterfest machst.

Artikel von Selim Baykara

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