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Zugwagen im ADAC Test: VW Tiguan, BMW X3, Hyundai Tucson

Allrad-SUVs sind bei Gespannfahrern gefragt. Im ADAC Zugwagentest wurden jetzt drei besonders beliebte verglichen. Und sie mussten sich dem neuen EcoTest stellen – mit erstaunlichen Ergebnissen!

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SUVs sind der Traum vieler Camper

Sport Utility Vehicles (SUVs) sind des Deutschen liebstes Kind und des Campers bester Freund. Das hat erstens etwas mit Psychologie zu tun und zweitens mit Physik. Die wuchtige Karosse dominiert im Verkehrsgeschehen, ermöglicht massebedingt ordentliche Anhängelasten und sorgt dank erhöhter Sitzposition für mehr Weitblick auf der Straße. Camper schätzen vor allem SUVs mit einem drehmomentstarken Turbodiesel und Allradantrieb. Schwere Wohnwagen laufen damit auch über längere Strecken souverän am Haken und es gibt keine Probleme auf sandigen oder unebenen Campingplätzen. Im ADAC Zugwagenvergleich 2017 tritt der erst im Vorjahr Jahr neu aufgelegte VW Tiguan an, der 2016 das SUV mit den meisten Neuzulassungen war. Konkurrenten sind die ebenfalls beliebten BMW X3 und Hyundai Tucson, die das Testfeld preislich nach oben und unten abrunden.

Allrad-SUVs im EcoTest

Alle Kandidaten verfügen über zwei Liter große Vierzylinder- Turbodiesel mit etwa 190 PS und Allradantrieb. Als Referenzwohnwagen im Test diente ein Hymer Nova SL 495 mit einer Masse von 1700 kg. Erstmals wurden auch die Emissionen der Fahrzeuge im Anhängerbetrieb ermittelt. Dafür erfolgten im Rahmen des EcoTests auf dem Rollenprüfstand des ADAC Technikzentrums in Landsberg genormte Fahrten. Die durch den Wohnwagen erhöhte Last wurde auf dem Prüfstand simuliert. Dort absolvierten die Kandidaten bereits den ab September geltenden verschärften WLTC (Worldwide harmonized Light vehicles Test Cycle). Anders als beim WLTC im normalen EcoTest verzichteten die ADAC Techniker auf den Kaltstart, zudem sind die Tester im simulierten Gespannbetrieb nicht schneller als 100 km/h gefahren.

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Überraschende Testergebnisse

Das Ergebnis verblüffte: Im Solobetrieb schneidet der VW Tiguan bei den NOx-Werten (Stickoxide) noch am besten ab, überschreitet den Grenzwert nur knapp. Auch im sehr anspruchsvollen ADAC-eigenen Autobahnzyklus, bei dem schneller gefahren und stärker beschleunigt wurde als im WLTC, liegt der VW vor BMW und Hyundai. Anders aber im Anhängerbetrieb: Der BMW stößt am wenigsten Stickoxide aus, der VW etwa doppelt so viel, und der Hyundai verdoppelt wiederum die Werte des Volkswagens. Insgesamt befinden sich alle drei aber weit jenseits des Grenzwerts von 80 mg/km – keine Überraschung, da die Abgasreinigung nicht für den im automobilen Alltag meist seltenen Anhängerbetrieb ausgelegt ist. Hier herrschen ungewöhnlich hohe Lastanforderungen an die Motoren.

Bemerkenswert bleibt, dass der SCR-Katalysator des VW Tiguan zwar unter normalen Bedingungen am besten, im Anhängerbetrieb aber nicht mehr so gut funktioniert wie der Speicherkatalysator des BMW. ADAC Projektleiter Christoph Pauly vermutet: „Bei den hohen Lasten im Anhängertest und dem großen Abgasstrom reicht einfach die Kapazität des SCR-Systems nicht aus.“ Bei der „Selective Catalytic Reduction“ wird Harnstoff (AdBlue) in den Abgasstrom des Motors eingespritzt und in Ammoniak umgewandelt, der Stickoxide weitgehend unschädlich macht. Allerdings funktioniert das nur in einem bestimmten Größen- und Mengenverhältnis. BMW und Hyundai dagegen verwenden beide einen Speicherkat, der NOX sammelt und sich zyklisch „reinigt“.

Durch die Bank super Antrieb

Die Resultate sind eindeutig: Der BMW X3 fängt Stickoxide besser ab als der Hyundai Tucson, ob mit oder ohne Hänger am Haken. Die Ergebnisse des ersten EcoTests bei Zugfahrzeugen gehen aber nicht in die Gesamtnote ein, da die Kandidaten ohnehin die NOx-Grenzwerte deutlich überschritten haben. Trotz aller Unterschiede im Emissionsverhalten sind die drei Testkandidaten durchwegs gute Zugesel. Die Wandlerautomatik im BMW absolvierte souverän die Königsdisziplin „Anfahren am Berg“. Die 17- prozentige Steigung meistert der X3 verschleiß- und geruchsarm, anders als das Direktschaltgetriebe im Tiguan und vor allem als der Handschalter des Tucson. Das Anfahren selbst klappt bei allen problemlos. Beim Schlingermanöver agiert der BMW am stabilsten – sicherlich auch dank der sehr breiten Reifen –, ohne merkliche Eingriffe des Stabilitätsprogramms ESP. Die Auslegung des ESP ist beim VW defensiver. Das Gespann wird beim Schlingern deutlich eingebremst. Das ESP des Hyundai hat zwar ebenfalls eine Anhängererkennung, greift aber nicht so früh ein wie das des VW.

Der meiste Komfort auf der Autobahn: VW Tiguan

Der Tiguan bietet auf Autobahn und Landstraße den meisten Komfort. Vor allem schwingt er bei Bodenwellen nicht lange nach, sondern beruhigt sich mit adaptiven Dämpfern schnell wieder. Der BMW hat ebenfalls ein derartiges Dämpfersystem verbaut, schluckt Unebenheiten aber nicht ganz so geschmeidig wie der VW. Die ausgeklügelten elektronischen Fahrwerke der beiden kosten allerdings einen Aufpreis. Für den Hyundai ist die Technik nicht erhältlich. Trotzdem vermittelt sein Fahrwerk einen zufriedenstellenden Eindruck. Das Ankuppeln wird bei allen drei Kandidaten durch eine Rückfahrkamera wesentlich erleichtert (serienmäßig bei Hyundai). Ungeübte Gespannfahrer dürften sich über den Trailer Assist von VW freuen: Fürs Rückwärtsrangieren kann man über den Spiegeleinsteller die gewünschte Fahrtrichtung vorwählen.

Großzügiger Stauraum in allen SUVs

Die Lenkarbeit übernimmt dann das Auto. Für Zugwagen vor allem wichtig ist das Thema Beladung. Der Tiguan bot im Test den größten Kofferraum. Die Zuladung liegt bei allen dreien bei knapp 500 kg, was für eine typische vierköpfige Camperfamilie wirklich ausreichend ist. Dass im Gespannbetrieb alle drei die NOx-Grenzwerte weit überschritten, relativiert sich im Alltagsgebrauch, der ja meist ohne Anhänger stattfindet. Aber auch dann liegen die Kandidaten über dem Limit. Die Entscheidung für den richtigen Zugwagen fällt letztlich über den Preis – da unterscheidet sich das Trio wirklich.

Fazit

Die Eignung als Zugfahrzeug haben alle drei Kandidaten. 190 PS, Allrad, Bergabfahr- und Hill-Hold-Systeme ermöglichen problemlose Gespannfahrten, auch im Gebirge oder auf unwegsamem Terrain. Die Zuladung reicht bei allen aus. Ob die enormen Preisunterschiede durch den Komfortzuwachs gerechtfertigt sind, muss jeder Camper nach seinen Bedürfnissen selbst entscheiden.

Text: Thomas Nitsch Fotos: Uwe Rattay

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