Wohnwagen

Sicher ans Ziel: Wie du deinen Wohnwagen richtig belädst

Bevor es auf die Piste in den nächsten Campingurlaub geht, musst du erst den Wohnwagen richtig beladen. Dabei kann einiges schiefgehen – wir zeigen dir, worauf du beim Einräumen achten musst, wie du Gewicht sparst und wo du deine Campingausrüstung sicher im Wohnwagen verstaust.

Kennst du diese Situation? Der Campingurlaub ist geplant, die gesamte Ausrüstung beisammen, die Vorfreude steigt. Jetzt müsste man nur noch Vorzelt, Campingmöbel, Fahrräder, Kleidung, Essen und all die anderen Sachen, die du mitnehmen möchtest, in den Wohnwagen bekommen …

Genau an dieser Stelle verzweifeln etliche Camper. Irgendwie hat jeder ja schon mal gehört, dass es wichtig ist, die Ladung richtig im Caravan zu verteilen. Aber was heißt das genau? Was passiert, wenn man den Wagen falsch belädt? Und was bedeuten eigentlich Begriffe wie „Leergewicht“, „zulässiges Gesamtgewicht“ oder „Achslast“.

Wenn du dich auch gerade fragst, wo denn jetzt welcher Teil der Ausrüstung im Wohnwagen hinkommt – lies weiter. In diesem Artikel zeigen wir dir genau, wie du am besten vorgehst und worauf du achten musst. Zunächst aber eine kurze Erklärung, warum es überhaupt so wichtig ist, den Caravan richtig zu beladen.

Was passiert, wenn ich den Wohnwagen falsch belade?

Ein schlecht beladener oder überladener Wohnwagen stellt ein großes Risiko für dich und andere Verkehrsteilnehmer dar. Stichwort: Schlingern. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Unfall durch Schlingern und Aufschaukeln kommen. Ist der Wohnwagen hingegen richtig beladen, fährst du viel komfortabler und verbrauchst in der Regel auch deutlich weniger Sprit.

Falsch beladen: Wohnwagen schlingert

Das häufigste Problem bei falsch beladenen Wohnwagen ist, dass der Anhänger während der Fahrt zu Schlingern beginnt. Der Fahrer verliert die Kontrolle über den Caravan, weil dieser wie wild hin- und herschaukelt und über die Fahrbahn schlingert. Besonders kritisch wird es, wenn der Anhänger umkippt. Schwere Unfälle mit verheerenden Folgen für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer können die Folge sein.

Richtig beladen: Du fährst komfortabler

Ein richtig beladener Wohnwagen steigert die Stabilität des Fahrzeugs – und das wirkt sich direkt auf das Fahrverhalten aus. Je stabiler das Gespann ist, desto besser lässt es sich lenken. Du kannst entspannter fahren und dich ganz auf den Verkehr konzentrieren. Netter Nebeneffekt: Auf lange Sicht verbrauchst du dadurch auch viel weniger Sprit. Wenn du den Wohnwagen richtig belädst, sparst du im Endeffekt also auch bares Geld.

Wie vermeide ich Schlingern?

Schlingern vermeidest du zum einen durch richtiges Beladen, zum anderen durch eine vorsichtige, nicht zu schnelle Fahrweise. Hilfreich ist außerdem eine Antischlingerkupplung – mit dieser praktischen Stabilisierungshilfe verbessert du das Fahrverhalten deutlich.

Wenn der Ernstfall eintritt und das Fahrzeug trotzdem beginnt zu schlingern, solltest du umgehend die Geschwindigkeit verringern. Lege dabei keine Vollbremsung ein, aber gehe sofort vom Gas herunter und stoppe das Fahrzeug. Auf keinen Fall solltest du Gas geben und darauf hoffen, dass sich der Anhänger schon wieder „einschaukelt“.

Hier bekommst du weitere wichtige Sicherheitstipps für den Wohnwagen.

Vor dem Einladen: Gewicht des Wohnwagens und Zugfahrzeugs ermitteln

Bevor du den Wohnwagen belädst, solltest du zunächst die Fahrzeugdaten überprüfen und schauen, wie viel Gewicht überhaupt in den Anhänger hereindarf. Du findest diese Informationen in den Fahrzeugpapieren – besonders relevant sind dabei:

  • Leergewicht des Wohnwagens

  • Zulässiges Gesamtgewicht des Wohnwagens

  • Zulässiges Gesamtgewicht des Gespanns

  • Achslast

Leergewicht des Wohnwagens

Das Leergewicht (Leermasse) des Anhängers ist das Gewicht des Wohnwagens ab Werk, einschließlich gefülltem Wasser- und Toilettentank, gefüllter Gasflasche und etwaiger bereits eingebauter Zusatzausstattung. Das Fahrzeug ist also fahrbereit, hat aber noch keine Zuladung geladen. Du findest das Leergewicht des Caravans im Fahrzeugschein unter der Ziffer G. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kannst du den Wohnwagen im Leerzustand auch noch einmal selbst nachwiegen (mehr Infos dazu weiter unten im Artikel)

Zulässiges Gesamtgewicht des Wohnwagens

Das zulässige Gesamtgewicht (zGG) ist das Gewicht des Wohnwagens einschließlich der Zuladung, also aller Gegenstände, die du selber belädst. Dazu zählen Campingausrüstung, Möbel, Geschirr etc. aber auch Gegenstände, die du außen am Fahrzeug befestigst, z.B. Fahrräder. Das zulässige Gesamtgewicht findest du im Fahrzeugschein unter der Ziffer F.1.

Zulässiges Gesamtgewicht des Gespanns

Das zulässige Gesamtgewicht des Gespanns ist das maximal erlaubte Gewicht, das Wohnwagen und Zugfahrzeug zusammen haben dürfen. Du addierst also die maximal zulässige Gesamtmasse des PKWs und das maximal erlaubte Gesamtgewicht des Wohnwagens.

Mit einem aktuellen Führerschein der Klasse B liegt das zulässige Gesamtgewicht der Kombination aus Wohnwagen und Zugfahrzeug bei 3500 kg. Wiegt dein Zugfahrzeug beispielsweise 2,2 Tonnen und der beladene Caravan 1,2 Tonnen beträgt das Gesamtgewicht des Gespanns 3,4 Tonnen. Damit liegst du unter der Grenze von 3,5 Tonnen und darfst mit dem Gespann fahren.

Achtung: Liegt das Gewicht über 3,5 Tonnen, benötigst du entweder eine B96-Zulassung oder den BE-Führerschein für Fahrzeuge bis 7 Tonnen. Versuche also, wenn möglich, unter der Marke von 3,5 Tonnen zu bleiben.

Hier weiterlesen: Die wichtigsten Verkehrsregeln für Wohnwagengespanne

Stützlast des Zugfahrzeugs

Die Stützlast ist das Gewicht mit dem ein Anhänger in angekuppeltem Zustand auf der Anhängerkupplung des Zugfahrzeugs lastet. Bei den meisten PKW liegt die maximal zulässige Stützlast zwischen 50 und 100 Kilogramm. Du findest sie im Fahrzeugschein unter Ziffer 13.

Dieser Wert darf nicht überschritten werden. Ist die Stützlast zu groß kann es nämlich passieren, dass das Gewicht des Anhängers das Heck des Zugfahrzeugs nach unten drückt und die Vorderräder des PKWs nicht mehr richtig greifen. Allerdings darf die Stützlast auch nicht weniger als 4% des tatsächlichen Anhängergewichts bzw. 25 Kilogramm betragen. Bei zu geringer Stützlast kann nämlich das Gegenteil passieren: Das Heck des Anhängers kann sich nach unten senken und berührt eventuell die Straße.

In der Praxis solltest du die möglichst nahe an das maximal erlaubte Gewicht kommen, um eine stabile und sichere Fahrweise des Gespanns zu erzielen.

Achslast des Wohnwagens

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Achslast. Die erlaubte Achslast des Wohnwagens gibt an, wieviel Gewicht auf den einzelnen Achsen des Wohnwagens liegen darf. Bei einer zu hohen Achslast werden die Achsen des Anhängers zu stark belastet – im schlimmsten Fall droht ein Achsenbruch. Außerdem kann eine zu hohe Achslast mache Straßen beschädigen. Angeben zur erlaubten Achslast findest du im Fahrzeugschein unter der Ziffer 8. Die tatsächliche Achslast lässt sich auf die folgende Weise ermitteln:

Leergewicht des Wohnwagens + Zuladung – Stützlast / Zahl der Achsen

Addiere Leermasse und Zuladung des Fahrzeugs und ziehe die Stützlast davon ab. Diesen Wert teilst du dann durch die Anzahl der Achsen am Wohnwagen. Damit erhältst du das tatsächliche Gewicht, das auf jeder einzelnen Achse lastet.

Tipp: Besitzt du ein Wohnmobil, schau in unseren Ratgeber zum Thema Wohnmobil-Gewicht.

Beladen leicht gemacht: So vermeidest du Schlingern und kommst sicher ans Ziel

Nachdem du das zulässige Gewicht ermittelt hast, kann es ans Beladen des Wohnwagens gehen. Dabei kannst du dich an die folgende Faustregel halten: Schwere Gegenstände kommen nach unten, leichte nach oben. Um wirklich sicher und stabil zu fahren, solltest du dabei wie folgt vorgehen.

Schweres Gepäck nach unten

Schweres Gepäck verstaust du im Wohnwagen am besten unten in der Nähe der Achse und vor der Achse, keinesfalls im hinteren Bereich des Caravans. Damit liegt der Schwerpunkt besonders tief, was eine gute Bodenhaftung garantiert. Achte dabei auf die zulässige Achslast und Stützlast. Mittelschwere Ladung kommt am besten in Stauräume oder Lücken zwischen den schweren Gepäckstücken. Achte darauf, dass du die Ladung gleichmäßig im Fahrzeug verteilst.

Leichtes Gepäck nach oben

Leichtes Gepäck packst du in die oberen Staufächer oder Schränke. Kleidung verstaust du im Schlafbereich, Geschirr in den Dachschränken der Küchenzeile. Aber Achtung: Teller und Gläser sind schwer und gehen leicht kaputt, die gehören erst in die Schränke, wenn du am Zielort angelangt bist. Vorher am besten gut verpackt in stabile Kisten packen und auf dem Boden des Wohnwagens transportieren, natürlich gesichert gegen Rutschen. Im Heck des Wohnwagens solltest du ausschließlich leichte Gegenstände verstauen, um ganz sicher zu gehen ebenfalls erst nach der Ankunft.

Du solltest vor der Fahrt unbedingt darauf achten, die Ladung zu sichern. Alle Gegenstände müssen im Zugfahrzeug und im Wohnwagen so festgezurrt sein (z.B. mit Gurten oder einem Seil), dass sie dir beim Bremsen oder einem Unfall nicht um die Ohren fliegen. Außerdem solltest du offene Fächer vermeiden bzw. leerräumen, da die Sachen bei der Fahrt sonst rausrutschen.

So sparst du Gewicht

Hier einige Tipps, wenn es mit dem Gewicht doch nicht ganz hinkommt:

  • Gasflaschen aus Aluminium statt aus Stahl mitnehmen

  • Leichtgewichtiges Campinggeschirr aus Edelstahl, Bambus oder Titanium verwenden

  • Nur so viele Konserven und Glasbehälter mitnehmen wie wirklich nötig

  • Nicht zu viel Kleidung mitschleppen, da man auch unterwegs waschen kann

  • Auf gefüllte Toiletten- und Wassertanks verzichten und nur eine Ladung für Notfälle mitnehmen

  • Fahrräder auf dem Dach oder dem Heck des Zugfahrzeug befestigen und nicht am Anhänger

Wo kann ich den Wohnwagen wiegen?

Wenn du alles fertig geladen hast, empfiehlt es sich, das gesamte Gespann vor Fahrtantritt noch einmal zu wiegen und nicht einfach zu hoffen, dass das Gewicht schon stimmen wird. Dazu fährst du am besten zu einer offiziellen LKW-Stützwaage. Du findest diese beispielsweise hier:

  • TÜV, ADAC oder DEKRA

  • Recycling- und Wertstoffhöfe

  • Abfalldeponie

  • Autobahnpolizei

Artikel von Selim Baykara

Titelbild: © markobe – stock.adobe.com

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