Wohnmobil

Wohnmobil richtig beladen – Einfacher Check für dein Wohnmobil

Die Überladung des Wohnmobils – auch nur einzelner Achsen – darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Speziell bei frontangetriebenen Fahrzeugen leiden Traktion und Fahrverhalten, die Lenkansprache verschlechtert sich. Im schlimmsten Fall kann selbst die Tragfähigkeit der Reifen überlastet werden. Die Folgen aufgrund von Falschbeladung können fatal sein! Kommt es zum Unfall, stehen Probleme mit der Versicherung ins Haus, bei Verkehrskontrollen drohen unterschiedlich gestaffelte Bußgelder. Wohnmobilüberladung kann sich sogar auf dem Punktekonto im Verkehrssünderregister niederschlagen.

Nicht nur Gewicht, sondern auch Verteilung ist wichtig

Die Staumöglichkeiten im Wohnmobil sind vom Grundriss vorgegeben. Heckgaragen etwa laden zur Mitnahme eines Motorrollers oder zum Einpacken anderer schwerer Urlaubsutensilien ein. Das geht zu Lasten der zulässigen Hinterachslast. Entscheidend ist nicht allein das tatsächliche Ladungsgewicht, sondern auch in welchem Abstand von den Achsen es verstaut wird. Der Fachmann spricht hier von der Momentenwirkung.

So berechnest du die Momentenwirkung

Ausschlaggebend ist der jeweilige Abstand „A“ (in cm) von der Vorderachse zu jedem einzelnen Zuladungsgewicht „G“ (in kg). Ferner geht der Radstand des Fahrzeugs „R“ (in cm) mit in die Rechnung ein: (A x G) / R = Last, die das Gewicht auf die Hinterachse drückt Die Differenz aus dem tatsächlichen Gewicht des geladenen Gegenstands und der eben errechneten Hinterachsbelastung geht dann aufs Konto der Vorderachse. Das kann – bei Beladung hinter der Hinterachse – durchaus auch einen negativen Wert ergeben; sprich, die Vorderachse wird entlastet.

Die Zuladung des Wohnmobils ganz einfach berechnen

Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist bekanntlich besser. Dass das auch für Sicherheit im Straßenverkehr (und Schutz vor Bußgeldern) gilt, ist logisch. Um es dir möglichst einfach zu machen, die Zuladung deines Wohnmobils zu überprüfen, kannst du diese zwei Hilfen nutzen:

Wohnmobil Beladungsrechner - Beispiel am Hymer Camp C 524

Stufe 1: Die Daten

Notiere dir aus den Fahrzeugpapieren in den ersten Datenkasten die Höchstgrenzen für das zulässige Gesamtgewicht (Hymer: 3.850 kg), für das Leergewicht (3.070 kg) und für die erlaubten Achslasten (im Beispiel vorn 1.850 kg, hinten 2.120 kg).

Stufe 2: Die Gewichte

Wiege das leere, aber vollgetankte Wohnmobil (ohne Fahrer) auf einer öffentlichen Waage, um die Vorderachslast (Hymer: 1.460 kg) und das gesamte Leergewicht (wenn alle vier Räder auf der Wiegeplatte stehen) zu ermitteln. Im Beispiel: 2.994 kg; die Differenz aus beiden Angaben entspricht der Hinterachslast (1.534 kg). Alle Werte in den zweiten Kasten eintragen.

Stufe 3: Der Radstand

Abstand von der Mitte der Vorder- zur Mitte der Hinterachse. Im Beispiel: 320 cm. Ebenfalls eintragen, denn dieser Wert wird für die folgenden Berechnungen immer wieder benötigt.

Stufe 4: Die Passagiere

Notiere das Gewicht aller Reisenden und miss den Abstand von den bevorzugten Sitzplätzen zur Vorderachse. Miss aber nicht ganz bis zur Lehne, denn der Körperschwerpunkt liegt etwa 10 cm davor. Im Beispiel gehen Fahrer (95 kg) und Beifahrerin (70 kg) im Sitzabstand von 85 cm sowie zwei Kinder mit 30 und 40 kg auf der Sitzgruppe mit 285 cm Abstand in die Rechnung ein. Insgesamt 235 kg verteilen sich so nach der Momentenmethode mit 106 kg auf die Hinterachse und mit 129 kg auf die Vorderachse. Die Summen der Einzelrechnungen in Zeile 9 eintragen.

Stufe 5: Die Ladung

Stauräume ausmessen, Ladung auswiegen. Das klappt recht gut mit der Personenwaage aus dem Badezimmer und für die jeweiligen Abstände sind Hilfskanten wie Türrahmen oder Fensterausschnitte praktisch. Dazu wird außen beispielsweise die Distanz von der Vorderachse zur Türkante gemessen, und innen geht es weiter mit dem Abstand just von dieser Kante etwa zur Kühlschrankmitte. Analysiere so die Schwerpunktlage vom Frischwassertank, von Stauräumen unter den Sitzen, vom Fernsehschrank. In welchem Abstand von der Vorderachse werden die Küchenvorräte, die Gasflaschen, diverse Campingutensilien verstaut? Gleichmäßig mit Kleidung bestückte Hängeschränke dürfen auch zusammengefasst werden, ermittel jeweils den mittleren Abstand zur Schwerpunktlage. Unbedingt berücksichtigen: Heckgarage und montierte Fahrradträger Ein 80 kg Roller und weitere 20 kg Campingausrüstung in der Garage – Abstand 446 cm – drücken mit satten 140 kg auf die Hinterachse und entlasten gleichzeitig die Vorderachse um 40 kg. Gleiches gilt für die Fahrräder am Heck; zusammen 38 kg schwer, steigern sie die HA-Bilanz um satte 66 kg und entlasten vorne um 28 kg!

Stufe 6: Die Auswertung

Insgesamt sind mit Gas und Frischwasser 528 kg eingepackt, wovon der Großteil mit 519 kg auf die Hinterachse schlägt – die mit 40 kg überladen wäre. Das lässt sich aus den Kästen "Praxis-Auswertung" ablesen; hier werden die ermittelten Werte analysiert. Im Beispiel zeigte sich, dass der Hymer C 524 in Sachen Gesamtgewicht insgesamt noch über eine Zuladungsreserve von 93 kg verfügt. Vorne hatte er sogar noch mit 253 kg genug Spielraum, hinten jedoch war das Limit bereits knapp überschritten. Konsequenz: umpacken oder Ladung abspecken.

Tipps bei Überladung des Wohnmobils

Du hast bei der Berechnung der Zuladung deines Wohnmobils festgestellt, dass einzelne oder auch mehrere Maximallasten überschritten wurden? Normalerweise müsste das Wohnmobil nun solange wieder von Ballast befreit werden, bis alles wieder im "grünen Bereich" ist. Für viele Wohnmobile gibt es jedoch die Möglichkeit, durch eine Auflastung die Achslasten und somit auch das zulässige Gesamtgewicht zu erhöhen.

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