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Wohnmobil-Batterien: Die Vor- und Nachteile von AGM-, Gel- und Lithium-Ionen-Batterien

Der wirkliche Wert einer Batterie tritt erst dann richtig zu Tage, wenn die Nutzung des Wohnmobils eingeschränkt ist. Die wichtigen Stromspeicher werden gerne einmal vernachlässigt und zu selten auf ihren Zustand überprüft. Doch mit welcher Wohnmobilbatterie solltest du die künftigen Reisen antreten? Bei der Anschaffung und Nutzung gilt es gleich mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Die Nassbatterie sowie AGM-, Gel- und Lithium-Ionen-Batterien haben alle ihre Vor- und Nachteile, die du bei der Entscheidungsfindung mit einfließen lassen solltest.

Batterien im Wohnmobil existenziell

Die meisten Wohnmobile (Ausnahmen gibt es bekanntlich immer) haben zwei unterschiedliche Batterie verbaut: Die Starterbatterie, die sich im Motorraum befindet, ist für den Anlasser oder das Radio verantwortlich. Sie dient zum Anlassen des Motors mit einem kurzen, aber starken Impuls. Ist dies vollbracht, übernimmt die Lichtmaschine die klassische Stromversorgung im Fahrzeug. Dies ist auch bei jedem Auto der Fall. Die Stromversorgung in einem Wohnmobil ist jedoch deutlich komplexer. Ohne eine weitere Batterie würden die Wasserpumpe, der Fernseher, das elektrische Kochfeld oder das Licht nicht funktionieren. Die klassische Starterbatterie kann diese Funktionalität nicht übernehmen. Hier sind Versorgungsbatterien im Einsatz, die über mehrere Stunden hinweg wenige Ampere liefern und vor allem häufig aufladbar sind. Wohnmobilbesitzer haben dabei die Wahl zwischen Nassbatterien, AGM-, Gel- und Lithium-Ionen-Batterien.

Ladezyklen als wichtiges Kaufkriterium

Vollkommen unabhängig vom Typus sind die Ladezyklen beim Kauf einer Wohnmobilbatterie ein wichtiges Kaufkriterium. Bei den Herstellern wird dies oft als Zyklenzahl gekennzeichnet. Liegt die Zyklenzahl beispielsweise bei 750, kann die Batterie ohne großen Speicherverlust 750 Mal aufgeladen werden. Im Anschluss ist das erneute Aufladen weiterhin möglich, aber du musst damit rechnen, dass die Kapazität immer weiter abnehmen wird.

Nassbatterien sind günstig, aber wartungsintensiv

Nassbatterien sind häufig noch in älteren Wohnmobilmodellen zu finden. Vom Aufbau ähneln sie den klassischen Starterbatterien, allerdings ist ihre Zyklenfestigkeit deutlich erhöht. Aufgrund der etwas veralteten Technik sind Nassbatterien in der Anschaffung recht günstig, jedoch mit einem hohen Wartungsaufwand verbunden. Die Nachteile liegen somit deutlich auf der Hand:

  • Regelmäßige Überprüfung des Säurestandes ist notwendig.

  • Wasser muss je nach Bedarf nachgefüllt werden.

  • Entstehende Gase müssen über ein Ventil nach außen geleitet werden.

  • Es besteht die Gefahr des Auslaufens. Die Batterie selbst muss daher innerhalb eines säurefesten Behälters aufbewahrt werden.

  • Nassbatterien sollten möglichst nie weniger als bis zur Hälfte entladen werden.

  • Die Lebensdauer ist im Vergleich zur Konkurrenz eher bescheiden.


Zwar gibt es mit VRLA-Akkumulatoren sogenannte „wartungsfreie“ Nassbatterien, aber auch bei ihnen sind austretende Gase und die Entladetiefe entscheidende Nachteile.

Gelbatterien: Wartungsfrei vs. Preis & Ladezeit

Der größte Nachteil einer Nassbatterie wird durch eine Gelbatterie nahezu problemlos behoben. Der Elektrolyt ist hier nicht flüssig, sondern wird in einem Gel gebunden. Sie sind wartungsfrei und gelten als sehr langlebig, selbst bei einer hohen Beanspruchung. Eine hohe Entladetiefe ohne Folgeschäden ist ein großes Plus bei Gelbatterien. Dennoch gibt es Nachteile, auf die verwiesen werden muss:

  • Der hohe Innenwiderstand bei Gelbatterien führt oftmals dazu, dass die Aufladung durch Solarstrom nur unzureichend möglich ist.
  • Die Konsistenz des Elektrolyts in einer Gelbatterie ist wie geschaffen für hohe Temperaturen, allerdings sehr anfällig bei Kälte. Beim Wintercamping kann die Leistungsfähigkeit rapide abnehmen.
  • Die Ladezeiten einer Gelbatterie sind relativ hoch im Vergleich zu anderen Typen.
  • Der Anschaffungspreis ist hoch, kann sich aber aufgrund der langen Lebensdauer amortisieren.

AGM-Batterien mit schneller Ladezeit

Ein vollkommen anderer Typus von Batterien sind AGM-Batterien. Die Bezeichnung steht dabei für Absorbent Glass Mat. Hierbei wird der Elektrolyt in hochporösem Mikroglasfasergewebe eingelagert. Sie sind wartungsfrei und der Innenwiderstand fällt deutlich geringer aus. Die Vorteile gegenüber Gelbatterien sind die schnelle Ladezeit und die deutlich höhere Beständigkeit bei niedrigen Temperaturen. Hervorzuheben ist außerdem die hohe Kapazität der Batterie. Zwei Nachteile könnten jedoch bei der Anschaffung einen Anlass zur Kritik geben:

  • AGM-Batterien reagieren empfindlicher auf hohe Temperaturen. Dementsprechend kann es hier zu Leistungsabfällen kommen.
  • Im Gegensatz zur Gelbatterie ist eine häufige Tiefenentladung nicht ratsam.

Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePo4) für die häufige Nutzung

Die modernste Technik ist in Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePo4) verankert, die gleich mehrere Vorteile auf sich vereinen: Lithium-Ionen-Batterien stellen fast ihre gesamte Kapazität zur Verfügung. Eine häufige, fast vollständige Tiefenentladung ist somit überhaupt kein Problem. Sie sind sehr schnell zu laden, zudem ein kleines Raumwunder. Mit fast 3.000 Zyklen kann sogar der hohe Anschaffungspreis gerechtfertigt werden. Selbstverständlich sind Lithium-Eisenphosphat-Batterien wartungsfrei. Als Nachteile können nur die hohen Anschaffungskosten und die moderne Ladetechnik, die erforderlich ist, aufgeführt werden.

Wie finde ich die richtige Wohnmobil-Batterie für mich?

Für den Kauf einer Batterie ist die eigene Energiebilanz entscheidend. Der hohe Kaufpreis einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie kann sicherlich in Betracht gezogen werden, wenn du häufiger mit deinem Wohnmobil unterwegs bist und einen dementsprechend hohen Verbrauch hast. Für einen Jahresurlaub oder Wochenendreisen dürften AGM-Batterien oder Gelbatterien allen Ansprüchen gerecht werden. Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang auch die Stromfresser im eigenen Wohnmobil zu identifizieren. Ähnlich wie im Haushalt gibt es jede Menge Einsparpotenzial, das sich letztendlich auch auf die Häufigkeit des Ladens auswirkt.

Das richtige Laden erhöht die Lebensdauer

Im Grunde ist es egal, woher die Batterie neue Energie erhält. Ladegerät, Solaranlage, Lichtmaschine oder Brennstoffzelle sind bestens geeignet, um die Bordbatterie aufzuladen. Dennoch sollte jede Batterie circa alle vier Wochen für zwölf Stunden ans 230-Volt-Netz angeschlossen werden, um eine vollständige Aufladung zu gewährleisten. Die meisten Ladegeräte verfügen über eine IUoU-Kennlinie, die eine optimale Ladezeit garantiert. Zudem sind sie individuell anpassbar für jeden Batterietypen.

Text von Riko Wetendorf

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