ADAC Vergleichstest: Campingbusse

Die Allrounder-Klasse: VW California Coast, Ford Nugget, Mercedes Marco Polo, Opel Womondo Wave & Citroën Pössl Campster

Vor genau 30 Jahren präsentierte Volkswagen auf dem Caravan Salon Düsseldorf den ersten California. Die Idee war so einfach wie genial: In Kooperation mit dem Ausbauspezialisten Westfalia nutzten die Wolfsburger die kompakten Maße des legendären, aber schon in die Jahre gekommenen VW-Transporters T3 und machten daraus ein alltagstaugliches Freizeitmobil für die ganze Familie. Die clevere Raumnutzung mit perfekt durchdachten Detaillösungen, wie zum Beispiel das serienmäßige Aufstelldach, wurde bald zur Blaupause einer neuen Klasse: Vans. Im ADAC Vergleichstest musste sich das heutige VW-California-Modell Coast behaupten gegen Ford Nugget Westfalia, Mercedes Marco Polo, Opel Womondo Wave und den Pössl Campster auf Citroën.

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VW California Coast – Der Dauerbrenner

Beginnen wir mit dem „Urgestein“, dem California. Selbst nach 30 Jahren lässt er seine konstruktive DNA noch deutlich erkennen. Die Innenraumaufteilung und die Dachkonstruktion haben sich in ähnlicher Weise bis in den aktuellen T6 fortgesetzt. Vorn drehbare Einzelsitze, dahinter eine Sitzbank, die umgelegt eine Liegefläche von 1,20 x 1,88 Meter ergibt, auf der Fahrerseite längs ab B-Säule die Küchenzeile mit Spüle, 2-Flammen-Kocher und Kompressorkühlbox, 30-Liter-Wassertank, Schrank – ein Grundriss, der seit den Anfangszeiten bekannt ist. Zur Laufkultur: Der 2-Liter-TDI leistet mit 150 PS solide Arbeit, kein transporterähnliches Brummen und Vibrieren, wie es die Tester eher beim Ford und vor allem beim Opel empfinden. In Verbindung mit dem 7-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe (DSG) kommt richtig Fahrspaß auf: die Gangwechsel sehr schnell, allerdings nicht immer ruckfrei, vor allem beim Rangieren im Kriechgang.

Die Fahrstabilität im Vergleich

Ohne Ruckeln, dafür aber langsamer, schaltet das 7-Gang-Wandler-Getriebe im Mercedes. Auch die Handschalter der drei anderen Kandidaten agieren problemlos. Beim schwammigen Kupplungsdruckpunkt des Citroën sind sich die Tester jedoch einig: „Das geht auch besser.“ Die ESP-Systeme aller Fahrzeuge reagieren vergleichbar feinfühlig. Trotzdem war die Fahrstabilität im Test erstaunlich unterschiedlich. Am dynamischsten zeigte sich der California, denn mit 18-Zoll-255er-Schlappen bestand er den Ausweichtest als Bester, knapp gefolgt vom Campster mit konventionellen Pkw-Reifen und optimalem Lastindex auf Leichtmetallfelgen. Der Marco Polo ohne Transporterreifen wäre sicher fahrstabiler gewesen und hätte weniger übersteuert. Die Schlusslichter: Nugget Westfalia (wenig Seitenhalt bei den Transporterreifen) und Womondo, der für den Test im Mai mit Winterreifen bestückt war. Schade!

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VW & Citroën sind beste Bremser

Ähnlich das Ranking im Bremstest. VW und Pössl sind dank guter Reifen beinahe gleichauf, fast zehn Meter mehr Bremsweg brauchten die anderen. Testleiter Christoph Pauly fordert, stärker auf die optimalen Reifen zu achten. Mit einer Länge von circa fünf Metern und etwas über zwei Metern Breite sind die Busse alltagstauglich. Für alle gibt es akustische Parksensoren am hinteren Stoßfänger als Extra, nur bei Ford piepst es serienmäßig vorn und hinten. Die tun was!

Unterschiede nach oben – Die Dächer

Kennzeichnend für die Klasse California: das Aufstelldach. Als einziger im Test öffnet der Nugget wegen der Stehhöhe über der Heckküche nach hinten. Eingearbeitete Gummibänder verhindern beim Marco Polo, dass der Zeltstoff beim Schließen versehentlich nach außen klappt. Zudem ist dessen Material relativ fest und damit winddicht. Gut gelöst ist der Falt- und Verriegelungsmechanismus im California. Schön gemacht: das Dämmrollo, das Stoffzelt und Verriegelung abschirmt. Etwas pfriemeliger, wenn auch gut gesichert, ist die Dachverriegelung mit Haken und Konterflügelmutter im Campster. Testbilanz: zwei abgebrochene Fingernägel. Wenig überzeugend ist der sehr kraftaufwendige Faltmechanismus beim Womondo. Die eigentliche Dachsicherung bestand nur aus zwei Spanngurten. Das geht auch professioneller.

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Der Wohnkomfort im Vergleich

Beim Thema Wohnen kann der California am meisten punkten. Hier ist alles auf optimale Raumnutzung ausgerichtet. Der Möbelbau wirkt gefällig, die Fächer in den Schränken sind gut zugänglich und vor allem sinnvoll nutzbar. Clever gelöst: der Heckkleiderschrank mit Regaleinbau, der mit einem Klappen-und Rollverschluss über Eck gut genutzt werden kann. Oder der abklappbare Staukasten oberhalb der hinteren Sitzbank. Intelligent konstruiert: Beim Campster lässt sich der Küchenblock herausnehmen, um draußen zu kochen oder eine größere Ladefläche für den Transport sperriger Güter zu haben. Apropos Küche: Die Heckküche im Nugget ist einzigartig, bietet gute Platzverhältnisse und nebenbei auch noch die Aufstiegshilfe für das Dachbett. Im Heck schafft der Nugget als einziger die Möglichkeit, eine Portapotti-Toilette zu verstauen. Im Womondo ist vor der Küche (nur mobiler Gaskartuschenkocher) die Stehhöhe teilweise eingeschränkt, zudem sind die Fächer im Block nur schlecht zu bedienen.

Das Fazit zum Campingbus-Vergleich

Der VW California bietet sowohl Fahrspaß als auch funktionellen Innenraum. Doch er ist nicht der Einzige. Wer es stilvoll mag, hat mit dem Marco Polo eine echte Alternative. Der Pössl ist ein innovatives, variables Allroundmobil mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Nugget hat die gelungenste Küche, aber durch den Grundriss wenig Staumöglichkeiten. Schlusslicht Womondo: Der Newcomer kann beim Fahren und Wohnen gar nicht überzeugen und ist zudem kein Billigheimer.

Text: Thomas Nitsch

Fotos: Uwe Rattay