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Mit dem Wohnmobil ins Baltikum – Rundreise durch Litauen

Die Länder des Baltikums gehören noch zu den exotischen Reisezielen Europas, was zum einen an der peripheren Lage und zum anderen an der langen Zugehörigkeit zur Sowjetunion liegen könnte. Das südliche der drei Länder ist Litauen und kann den Pioniergeist der Camper schnell wecken. Zwischen der idyllischen Ostseeküste mit der berühmten Kurischen Nehrung und der Seenlandschaft im Osten gibt es jede Menge zu entdecken. Bei der abwechslungsreichen Tour gehört der Besuch der Hauptstadt Vilnius zu den Highlights.

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Vorweggesagt: In Litauen ist man stressfrei unterwegs, denn das Land gehört zur EU und es wird auch mit dem Euro bezahlt. Dank geringem Verkehrsaufkommen und vielen neuen Asphaltstraßen kommt der Reisende bequem voran. Das Netz an Campingplätzen ist ausreichend, Stellplätze sind (noch) eine Rarität. Je nach Herkunftsort in Deutschland wählt man die Anreise über den Landweg durch Polen oder die Fahrt mit der Fähre. Hierbei bietet sich die Fährverbindung von Travemünde nach Liepaja (Lettland) mit Stena Line oder von Kiel nach Klaipeda mit DFDS an. Gut zu erreichen ist bei den beiden Varianten der nette Küstenort Palanga. Hier fällt der Startschuss für die Rundreise durch das rund drei Millionen Einwohner zählende Litauen.

Relaxen am feinen Sandstrand

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Nach der Anreise kann man sich in dem Kurort Palanga bestens erholen. Der Strand hat hier eine Länge von immerhin 24 Kilometern und so findet man selbst in der Hochsaison immer ein ruhiges Plätzchen. Der größte Kurort des Landes kann auch mit einer 470 Meter langen Seebrücke, einem Botanischen Garten und einem informativen Bernsteinmuseum auftrumpfen. Nach dem erholsamen Reisebeginn setzt der Camper seine Reise in südliche Richtung fort und schenkt zunächst der Hafenstadt Klaipeda seine Aufmerksamkeit. Hier stechen die vielen schönen und für Litauen untypischen Fachwerkhäuser ins Auge. Mit der Fähre setzt man hier in wenigen Minuten auf die Landzunge der kurischen Nehrung über.

Nationalpark Kurische Nehrung

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Für die schmale Landzunge, die zwischen 380 Metern und rund 2,8 Kilometern breit ist, sollte man sich ausreichend Zeit lassen. Die herrliche Landschaft mit den langen Stränden und den riesigen Dünen wurde sogar in die UNESCO-Weltnaturerbeliste aufgenommen und als Nationalpark eingerichtet. Zwischen dem Fähranleger und dem Städtchen Nida gibt es jede Menge zu entdecken. So besucht man das informative Schifffahrtsmuseum oder das Meeresmuseum. In dem Ort Juodkrante kann man noch schicke Holzvillen und Fischerhäuser bewundern oder auf dem Hexenpfad wandern. In Nida lädt der Camping Nida als einzige Möglichkeit für Camping auf der Kurischen Nehrung zum Verweilen ein und man kann Bootsausflüge auf dem Haff unternehmen. Die Hauptattraktion von Nida ist jedoch das einstige Ferienhaus von Thomas Mann.

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Über Kaunas und Trakai nach Vilnius

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In Richtung Norden fährt man über die Landzunge wieder zum kleinen Fähranleger und erreicht dann die Hafenstadt Klaipeda. Hier fährt man auf die Autobahn A1 (E85) und steuert die Stadt Kaunas an. Mehr als 300.000 Menschen beheimatet Kaunas, ein wichtiger Industrie- und Wissenschaftsstandort des Landes. Das Herz der vielseitigen Stadt schlägt in der Altstadt, die sich zwischen den Flüssen Neris und Nemunas erstreckt. Hier bestimmt der 53 Meter hohe Rathausturm die Silhouette der Stadt. Neben dem prächtigen Rathaus kann Kaunas mit stolzen Kirchen und interessanten Museen aufwarten, darunter befindet sich auch ein Teufelsmuseum. Nicht versäumen sollte man die Fahrt mit der historischen Standseilbahn hinauf auf den Aleksotas-Hügel, von dem man einen herrlichen Blick über die Altstadt hat. Wer die Nacht in Kaunas verbringen möchte, findet am westlichen Stadtrand den Campingplatz Kaunas Campinn.

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Sicherlich sehr zufrieden setzt der Camper die Reise fort und wird vielleicht an dem Kaunas-Stausee eine Pause einlegen. Hierbei handelt es sich um den größten Stausee des Landes. In dem Dorf Rumsiskes lohnt sich der Besuch des Freilichtmuseums. Hier erlebt man hautnah wie die Landbevölkerung im 18. Jahrhundert lebte. Durch eine Wald-, Seen- und Agrarlandschaft geht es nun zum bekannten Dorf Trakai. Ein Besuch der Inselburg Trakai ist ein Muss auf der stressfreien Rundtour. Inmitten des herrlichen Galvé-Sees thront die Wasserburg aus dem 14.Jahrhundert. Rund um die Burg sind die Wassersportler mit ihren Booten unterwegs. Wer Lust hat, kann sich hier ein Boot ausleihen oder heuert auf einem Segelboot an. Rund eine halbe Stunde ist die Hauptstadt Vilnius entfernt. Am besten fährt man direkt zum Campingplatz Vilnius City Camping und stellt sein treues Campinggefährt dort ab. Mit dem Rad oder dem Bus geht es dann in die grandiose Altstadt.

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Vielseitige Metropole Vilnius

Immerhin rund 540.000 Menschen leben in der litauischen Hauptstadt, die im Osten des Landes an dem Fluss Neris liegt. Die Stadt ist voller Gegensätze und bietet mittelalterliche Bauwerke im Zentrum und moderne Bauten in den Vorstädten. Für jeden hat die Metropole etwas zu bieten und so ist die Universitätsstadt u.a. reich an Kneipen, Galerien, Museen und Modegeschäften. Eine Besonderheit ist das einstige Armenviertel Uzupis, das sich zu einer „Republik für Künstler“ entwickelt hat. Die meisten Besucher strömen erst einmal in die Altstadt, über der sich auf dem Burgberg der achteckige Gediminas Turm erhebt. Er bietet einen guten Überblick und unter Zuhilfenahme der Stadtkarte kann man die vielen Prachtbauten ausmachen. Unterhalb des Burgberges befinden sich der in hellem weiß erstrahlende Palast der Großfürsten von Litauen, die klassizistische Kathedrale mit ihren wuchtigen Säulen und der freistehende Glockenturm. Sie stehen ganz oben auf der langen Liste der prachtvollen Bauwerke.

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Zahlreich sind die sehenswerten Kirchen wie das sogenannte Gotische Ensemble mit ihren schmucken Backsteinkirchen, die orthodoxe Heiliggeistkirche sowie die Johanniskirche aus dem 14. Jahrhundert. Im Zentrum der Altstadt befindet sich auch die Universität, die bereits im Jahre 1597 gegründet wurde und an der rund 20.000 Studenten eingeschrieben sind. Wer sich nach dem lehrreichen Rundgang ein wenig Ruhe gönnen möchte, sollte sich in dem Bernadine-Garten (in der Landessprache Bernardinų sodas genannt) ein lauschiges Plätzchen suchen. Das i-Tüpfelchen des Reisetages ist dann sicherlich der Besuch eines Restaurants oder einer urigen Kneipe. Bezahlt wird glücklicherweise mit dem Euro.

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Auf zur Ostsee

Nach den abwechslungsreichen Tagen in Vilnius verlässt man die Metropole über die Autobahn A2 und fährt durch eine flache Agrarlandschaft zunächst nach Panevezys. Die Großstadt kann mit dem großen Freiheitsplatz, stattlichen Bauwerken aus dem 19. und 20. Jahrhundert und der reizvollen Uferpromenade aufwarten. Danach benötigt man noch eine Autostunde bis zur Stadt Siauliai. Immer wieder sieht man Störche, die in den Feldern nach Nahrung suchen, am Himmel kreisen oder auf Strommasten in ihren Nestern stehen. Nördlich von Siauliai lohnt sich der Besuch einer einzigartigen Attraktion; dem Berg der Kreuze. Auf einem flachen Hügel stellten zunächst nach den Aufständen von 1831 und 1863 die Litauer zahlreiche Kreuze für die Gefangenen auf. In den 1950er Jahren wurden auch Kreuze für die Opfer in den Gulags, den sowjetischen Straflagern, aufgestellt. Heute hat sich der Berg der Kreuze zu einer wahren Pilgerstätte nicht nur für Touristen entwickelt und auch die Besucher stellen hier ihre Kreuze auf. So steht der sprachlose Gast in einem Meer von Kreuzen. Tief beeindruckt verlässt man diesen unvergleichlichen Ort mit den hunderttausenden Kreuzen und fährt wieder zum Ostseebad Palanga, dem Ausgangspunkt der Reise. Wer noch ein wenig Zeit hat, wird sicherlich die Reise an dem schönen Strand ausklingen lassen.

Text und Bilder von Thomas Kliem

Litauens Campingplätze

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