Eine spätsommerliche Italienreise - Mit dem Wohnwagen zum Gargano

Nach einer kühlen und verregneten Skandinavien-Tour im Frühsommer liegen für den Spätsommer all unsere Hoffnungen auf einem Wetter-Ausgleich südlich der Alpen. Einen richtigen Plan haben wir nicht – nur drei Eckpunkte sind festgezurrt: Besuch der Tochter nahe bei Genf, Treffen mit Freunden im Gargano und zum Abschluss ein Treffen mit der Familie unserer Tochter bei München.

Besonders freuen wir uns darauf, wieder mal die regionale Küche Italiens zu genießen.

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Start in Köln

Wir starten zu Beginn der Nebensaison in der letzten Augustwoche aus der Kölner Ecke. Jeder Camper kennt die ungehemmt strömenden Glückshormone im Augenblick des Anspannens: Reisefertig – tschüss – hurra - es geht wieder los (und außerdem: Große Jungs brauchen auch ein großes Spielzeug und der Rücken dankt es, wenn ihm die Fernbedienung für den Mover so einiges abnimmt).

Erste Etappe: Karlsruhe - Mulhouse - Belfort

Die erste Etappe führt uns über Karlsruhe und Mulhouse nach Belfort. Camping L'Étang des Forges (FC010) ist ein idealer Etappenplatz und wird auch von internationalem Publikum gern so genutzt. Mit etwa 500 km auf der Autobahn bleiben trotz einiger Staus und der vielen Überholbeschränkungen auf der A5 noch ein paar Stunden, um die historischen Befestigungsanlagen zu besichtigen und durch Belfort-Downtown zu bummeln.

Nach einer schweißtreibenden Besichtigungstour bei noch hochsommerlichen Temperaturen lässt sich im Freibad wunderbar entspannen und sicher entschließt sich so mancher, noch einen Tag dran zu hängen.

Durch seine Lage in der Burgundischen Pforte hatte die Stadt lange Zeit eine große strategische Bedeutung. Belfort gilt den Franzosen als Symbol des nationalen Freiheits- und Kampfeswillens. Beim Rundgang durch die Stadt hat man einen Blick auf den von Frédéric Auguste Bartholdi geschaffenen Löwen von Belfort, welcher der heldenhaften Verteidigung der Citadelle Belforts im preußisch-französischen Krieg 1870/71 unter Colonel Denfert-Rochereau, auf dessen Denkmal man auf dem Place de la République stößt, gewidmet ist.

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San Remo: Camping Villaggio dei Fiori

In San Remo haben wir uns den am westlichen Ortsrand gelegenen Camping Villaggio dei Fiori (LG115) ausgesucht. Beim Einchecken verlangt man ein kleines Darlehen in Höhe von 50 EUR in bar, mit dem eine Chipkarte gefüllt wird; zu verwenden bei Einkäufen und zum Öffnen der Pforte zum Strand (natürlich erhält man nicht verbrauchte Beträge zurück).

Wer die Wahl (zwischen Salzwasser-Pool und Strand) hat, hat die Qual: Wir entscheiden uns für die kleine Badebucht. Sie ist zwar nicht übertrieben attraktiv, aber das kristallklare Wasser ist sehr einladend.

Ligurien: Camping Aqua Dolce in Levanto

Wir bleiben noch in Ligurien - Levanto ist unser nächstes Ziel. Hier haben wir uns den Platz Aqua Dolce (LG420) ausgesucht, weil er so günstig zum Strand, zur Schiffsanlegestelle und zu Levanto-Downtown liegt. An den Tresen der Rezeption haben sie einen Zettel mit unheilvoller Botschaft geklebt: „completto“. Damit haben wir in den letzten Tagen des August nicht gerechnet. Eine junge Signora beherrscht das Management des Gewurschtels der Ankommenden, Abfahrenden, nur wenden Müssenden (zum Beispiel wir) und Falschparker im engen Eingangsbereich perfekt und drückt uns noch einen Zettel mit der Wegeskizze zum Alternativplatz in die Hand: „Provate“.

Erkundung der Cinque Terre

Cinque Terre ist natürlich der Grund, weshalb hier noch so viel los ist. Diese fünf Orte - vor sehr langer Zeit einsam gelegen und nur von See her zu erreichen - besucht der Tourist heute auf einem der zahlreichen Wanderweg zu Fuß, mit der Bahn oder per Schiff. Wir entscheiden uns für die traditionelle Form von See her. Alle notwendigen Informationen – vor allem den Fahrplan - finden wir bei der Rezeption; auch den Tipp, eher etwas früher an der Ablegestelle zu sein, weil die Kapazität des Schiffes begrenzt sei. Wie Recht sie hat.

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Erster Landgang in Manarola.

Von der Einsamkeit dieser Cinque Terre wird der Tourist wenig spüren – wir eigentlich gar nichts. Wer nicht weiß, was Massentourismus bedeutet – hier kann er Anschauungsunterricht nehmen (aber uns ist schon klar- wir sind auch ein Teil davon).

Die Strecke bis zum Gargano teilen wir noch in zwei Etappen auf. Camping Le Soline (TO960) in Casciano di Murlo überrascht uns mit einem weiten Panoramablick auf toskanische Landschaft. Hier herrscht – ganz anders als in Levanto - schon echte, ruhige Nachsaison und wir können uns per ADAC CampCard preiswert einbuchen.

Gargano

Nur noch wenige Stunden auf der Adriatica bis zum Camping Manacore Internazionale (PU185), den wir schon oft zum Ziel gemacht haben. Unsere Freunde – die hier seit vielen Jahren wie viele andere Stammgäste ein paar Wochen „Herbsturlaub“ verbringen - haben uns schon angekündigt und einen Standplatz frei gehalten. Schnell ist aufgebaut, Badehose an und ab zum schönen Sandstrand der Bucht, der uns immer so begeisterte.

San Felice: Traumhafte Bucht

So schön das faule Leben auf dem Platz und am Strand des Platzes selbst ist – hin und wieder muss man sich unbedingt losreißen, um die Schönheit des Garganos zu erfahren. Das machen wir auch immer wieder – zum Beispiel einen Ausflug über Vierte hinaus Richtung Manfredonia mit einem traumhaften Küstenabschnitt bei der Bucht San Felice.

Foresta Umbra: Der „schattige“ Wald des Gargano

In der Nachsaison wird es selten so heiß, dass man der Hitze mal entfliehen muss - aber einen Abstecher in den „schattigen“ Wald des Gargano, die Foresta Umbra, wird man trotzdem unternehmen. Die Foresta Umbra gehören zum parco nazionale del Gargano und erinnern mit ihrem alten Buchenbestand an den deutschen Spessart. Es gibt viele Wandermöglichkeiten - teils anstrengende Touren, aber auch eher Spazierwege. Und natürlich finden sich auch Möglichkeiten, einen etwa erlittenen Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen.

Camping Vacanze San Marino

Letzter Stopp im warmen Italien ist Camping Vacanze San Marino (ER995). Auch wenn der deutsche Tourist hier eher eine Etappe einlegen wird, um sich diese kleine Republik anzuschauen, steht das Vacanze im Platznahmen zu Recht: Freibad, Laden, Restaurant - alles da. Hat man in der Nähe der Altstadt der Cittá einen Parkplatz gefunden, wandert man die Straße aufwärts zum Eingang und achtet unbedingt die Autorität der Uniformierten dort, welche entscheiden, ob die Straße gequert werden darf, oder nicht. Ich entscheide selbst, erhalte einen sehr ernsthaften Rüffel in perfektem Englisch und bin dankbar, dass er keine Handschellen zückt. Der Ausblick auf die weite Landschaft ist grandios - bei guter Sicht ist Rimini zu erkennen.

Über den Brenner

Über Nacht wird es empfindlich kühl und als wir den Brenner erklimmen, präsentieren sich die Berge weiß gezuckert. Aber Winterreifen brauchen wir noch nicht.

Campingplatz Seehamer See

Laut Wettervorhersage wollte Petrus uns bei unserer Ankunft in Deutschland eigentlich noch mal sehr deutlich machen, wie richtig es war, ein Ziel südlich der Alpen zu wählen. Hat er aber gar nicht - im Gegenteil. Bei Ankunft auf dem Campingplatz Seehamer See (SBN670) strahlt die Sonne und es ist angenehm warm. Wir sind öfter mal in der Münchner Gegend und haben diesen Platz für uns entdeckt, wenn der Thalkirchener Stadtplatz Winterruhe hat oder uns wegen der Wiesn (wie jetzt) zu stressig ist. Wir haben einen guten Schlaf - die nahe Autobahn hat uns nie gestört. Weil der Regen der vergangenen Tage den Rasen-Standplätzen arg zugesetzt hat, weist uns der um einen launigen Spruch nie verlegene Platzwart professionell im vorderen Bereich des Platzes ein. Unsere Tochter muss noch ein bisschen arbeiten und die Enkel müssen noch das Ende des Unterrichts abwarten - da genießen wir noch eine Weile das schöne Wetter.

Nach 7 Stunden auf der Autobahn steht unser Wohnwagen wieder vor der eigenen Hütte. Der Nachbarjunge, der mit der Hausbetreuung sein Taschengeld aufbessert, berichtet von seinen Problemen beim Rasenmähen. Es habe ja nur geregnet. Das hören wir gern, denn dann haben wir ja alles richtig gemacht.

Fazit: Es hat alles gepasst - wir sind wieder rundum zufrieden.

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