Camper Stories

Camping mit Baby – Tanja von Takly on tour im Exklusiv-Interview

Die 2-jährige Milana war schon öfters mit dem Wohnmobil unterwegs als so mancher Erwachsener. “Schuld” daran sind ihre Eltern, denn Tanja und Christian sind dem Camping-Fieber erlegen. Als ihre Tochter im Dezember 2016 zur Welt kam, sollte das Reisen nicht enden. Ganz im Gegenteil. Für das 35-jährige Elternpaar stand relativ schnell fest: Der Nachwuchs kommt mit! Und so fingen sie an, ein neues Kapitel in ihrem Leben als Familie zu schreiben. Mama Tanja hält die zahlreichen Erfahrungen auf ihrem Reiseblog Takly on tour fest. Andere Camping-Fans mit Nachwuchs finden dort Tipps rund um Reiserouten, den Reisealltag und vieles mehr. Mit unserer Autorin hat die äußerst entspannte Mutti über ihr Mama-Dasein gesprochen und warum es so wichtig ist – gerade als Eltern – weniger auf andere zu hören und dafür mehr auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen.

Tanja, du und dein Partner Christian…wart ihr schon immer Camping-Fans?

Nee, eigentlich gar nicht. Wir sind mehr oder weniger zufällig drauf gekommen. Als wir uns kennengelernt haben, hatten wir einen gemeinsamen Traum: Wir wollten unabhängig voneinander beide mal nach Kanada. Also fingen wir an uns über Kanada zu informieren und fanden heraus, dass es dort am einfachsten und schönsten ist, wenn man in einem Wohnmobil übernachtet. Das war 2012. Meine einzige Camping-Erfahrung bis dahin war ein Wochenende mit meinen Eltern zu Jugendzeiten – das zähle ich jetzt mal nicht dazu. Und gerade weil Christian und ich keine Erfahrung hatten, haben wir uns zunächst einmal sehr intensiv informiert.

Zelten kam für euch nicht infrage?

Auf keinen Fall! Zumindest nicht für mich. Auf dem Boden zu schlafen, mit all den Spinnen und Schlangen – das konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Das Wohnmobil schien die perfekte Alternative. Wir sind dann ins kalte Wasser gesprungen und haben es einfach gemacht. Heute können wir uns nichts anderes mehr vorstellen.

Habt ihr euch das Wohnmobil in Kanada vor Ort gemietet?

Ja. Und so sind wir auch bisher auf allen anderen Reisen verfahren. Ein Kauf im Ausland lohnt sich meiner Meinung nach nur bei einer Langzeitreise. Sechs Wochen zähle ich noch nicht dazu. Innerhalb Europas nutzen wir das Wohnmobil meiner Eltern – unser Glück, dass auch meine Eltern Camping-Fans geworden sind und sich daraufhin ein Wohnmobil zugelegt haben. Wir konnten ihnen sowie meinem Bruder und seiner Frau das Campen schmackhaft machen.

Als eure Tochter Milana geboren wurde, hattet ihr schon etwas Camping-Erfahrung. Wie war es, das erste Mal mit Baby zu campen?

Tatsächlich haben wir erst durch unsere Tochter die vielen Vorzüge des Wohnmobils kennengelernt. Uns hat das vorher schon Spaß gemacht und wir hatten bereits ein Gefühl dafür. Aber mit Milana an Bord haben wir plötzlich gemerkt, wie praktisch ein Wohnmobil sein kann. Man hat alles dabei, was man braucht. Das Baby schläft immer in ein und demselben Bett und bekommt dadurch die gewohnte Umgebung, die es anfangs braucht. Dass die äußere Umgebung ständig wechselt, stört das Kind nicht.

Manche Babys und Kleinkinder finden Auto fahren ja gar nicht gut.

Das ist bei Milana zum Glück nicht der Fall. Das ist tatsächlich eine wichtige Voraussetzung, damit Campen mit Baby auch klappt. Wenn der Nachwuchs nicht gerne Auto fährt oder im Kindersitz Theater macht, geht das eben nicht. Bei uns war nur das Anhalten anfangs schwierig. Sobald das Wohnmobil zum Stehen kam, hat sie die Augen aufgemacht. Solange sich das Fahrzeug bewegte, war alles gut. So kam es auch schon vor, dass wir an schönen Ecken vorbeifahren mussten, damit sie nicht aufwacht.

Wie hat sich das Reisen auf eure Tochter ausgewirkt?

Sie ist schon sehr ausgeglichen. Sie war nie ein Schreikind und war im Grunde stets pflegeleicht. Jetzt fangen so langsam die Trotzphasen an, aber die hat ja jedes Kind. Als wir mit ihr in Norwegen waren, hat sie noch nicht so viel mitbekommen. Wir sind zwar nicht für Milana gereist, aber haben alles drum herum so arrangiert, dass es für sie sehr bequem ist und wir keine ewig langen Fahrstrecken hatten. Gleich sechs Wochen nach der Geburt haben wir einen Städtetrip nach Freiburg im Breisgau gemacht. Sie kennt es also gar nicht anders. Nun kann man nicht pauschal sagen: Nach sechs Wochen kannst du mit Baby verreisen. Bei uns war das eben so.

Und wie waren die Reaktionen aus eurem Umfeld?

Selbst aus dem Freundes- und Familienkreis fielen während der Schwangerschaft Sätze wie: ”Na, dann wird das Reisen erst einmal ausfallen.“ Ich musste als Antwort immer schmunzeln. Und zum Glück konnten wir zeigen, dass es doch anders geht. Gerade wenn man, wie wir, viel mit anderen Reisebloggern zu tun hat, wird man ordentlich inspiriert, weil es da draußen so viele Menschen gibt, die ähnliche Dinge wagen oder gewagt haben und ihre Erfahrungen teilen.

Hast du Gegenwind bekommen, als ihr die erste Reise mit Milana geplant habt?

Nein, nicht so richtig. Ich habe das zuvor aber auch gar nicht groß kommuniziert. Ich meine, es ist das erste Kind. Man weiß im Vorfeld nie, wie es wird. Daher habe ich nie viel dazu gesagt, wenn mir jemand gesagt hat, dass das Reisen mit Kind endet, sondern mir nur meinen Teil gedacht. Wir waren mit ihr aber auch in relativ sicheren Ländern unterwegs. Ihre erste große Reise war durch Norwegen, ihre zweite durch die USA. Hätten wir uns vielleicht für Indien entschieden, wären die Reaktionen vermutlich heftiger ausgefallen. Da sind wir aber auch nicht die Typen für. Ich bin auf Sicherheit aus. Zudem sind wir absolute Nord-Fans.

Und mit dem Stillen hat es auf Reisen geklappt?

Ja, das hat sehr gut geklappt. Als wir in Norwegen waren, haben wir dann nach und nach umgestellt. Tagsüber hat sie Beikost bekommen und nachts habe ich gestillt. Das war praktisch, denn im Wohnmobil haben wir ein recht großes Tiefkühlfach. Ich habe viel vorgekocht und wir haben das Fach bis oben hin befüllt. Das hat gut gereicht. Nur die letzte Woche mussten wir Gläschen nachkaufen.

Welche Dinge von deiner Packliste haben sich im Reisealltag mit Nachwuchs bewährt?

Als Milana noch ein Baby war, war es definitiv der Wasserkessel. Da wir eher selten den Strom auf Campingplätzen nutzen, erwies sich der Kessel als sehr praktisch, um Wasser heiß zu machen. Als zweites die Lanyards. An den Schlüsselbändern mit Anker kann man Dinge wie Schnuller oder Lieblings-Teddy dran hängen. Milana hat diese Dinge gerne heruntergeworfen – die Not macht eben erfinderisch. Inzwischen befestigen wir auch ihre Trinkflasche an einem Schlüsselband. Als Baby hat sich Milana gerne herumtragen lassen. Da hat sich eine Baby-Trage bewährt. Heute nehmen wir stattdessen eine Kraxe mit, wenn wir wandern gehen. Das ist eine spezielle Trage, die ein bisschen wie ein Rucksack aussieht. Was Kleidung angeht, muss man eigentlich nicht so viele Dinge mitnehmen, denn die meisten Campingplätze sind von der Infrastruktur her so gut, dass man alles einmal durchwaschen kann.

Für welchen Zeitraum packt ihr, wenn ihr verreist?

Für zirka zwei Wochen. Und zwar so, dass es gut kombinierbar ist. In Norwegen war sie gerade in einer Wachstumsphase. Da mussten wir alles in zwei Größen mitnehmen. Zudem noch Kleidung für warme und kalte Tage. Letztlich war der Platz in unserem Wohnwagen zu Dreiviertel mit Milanas Sachen gefüllt (lacht).

Wie hat Milana euren Reisealltag verändert?

Wir sind strukturierter – wobei ich schon immer strukturiert war. Aber seit sie da ist noch viel mehr. Lange Fahrten sind nicht mehr ohne Weiteres möglich. Zudem mussten wir uns darauf einstellen, mehr kindgerechte Stopps einzulegen – an der Westküste der USA kennen wir daher so ziemlich jeden Spielplatz. Unsere Tochter ist generell sehr genügsam. Kurze Stopps mit einmal Schaukeln und ein paar Mal Rutschen haben ihr dort gereicht und wir konnten ohne Theater weiterfahren. Wenn wir den Spaß wieder unterbrechen, meckert sie kaum. Wo wir früher noch lange Fahrttage gemacht haben, sehen wir heute zu, dass wir spätestens am späten Nachmittag einen Campingplatz ansteuern. Wanderungen machen wir aber weiterhin so wie bisher.

Wie sehen eure Camping-Abende aus?

Vor Milana saßen wir abends lange im oder vor dem Wohnmobil, haben den Tag Revue passieren lassen und Spiele gespielt. Heute geht das eigentlich kaum noch. Denn einer von uns muss die Kleine ins Bett bringen. Mittlerweile bleibt sie zwar alleine liegen, aber in den bisherigen Reisezeiten war es so, dass einer von uns sich zu ihr legen musste. Und teilweise hat das sehr lange gedauert, bis sie eingeschlafen ist. Jetzt ist es entspannter, weil sie alleine einschläft und nach uns ruft, wenn sie aufwacht. In der Zwischenzeit können wir wieder draußen sitzen. Und wenn wir Spiele spielen, müssen wir leise sein – und es sollte nicht gerade Kniffel sein. Leise Kommunikation ist jetzt eben angesagt.

Und wie sieht euer Leben aus, wenn ihr nicht auf Reisen seid?

Die Elternzeit hat ja inzwischen leider ein Ende. Ich arbeite in einer Apotheke und mein Partner Christian ist im IT-Bereich tätig.

Vermisst du das Reisen?

Ja, es fällt mir schon echt schwer. Gerade jetzt, wo es darum geht, Urlaub zu planen und man sieht, wie die freien Tage für das Jahr immer weniger werden. Nach zwei Jahren Elternzeit ist das eine krasse Umstellung. Durch meinen Blog, den ich seit fünf Jahren betreibe, kenne ich viele Leute, die sehr oft reisen und von unterwegs aus arbeiten. Das kann ich mit meinem Job in der Apotheke natürlich nicht machen. Und komplett von meinem Blog leben, kann und möchte ich eher nicht, dafür mache ich meinen Job viel zu gerne.

Ich höre bei dir Wehmut raus.

Einerseits ist es schön einen Beruf zu haben, mit lieben Kollegen und einem Arbeitsplatz, der offline stattfindet. Nur in der Online-Welt tätig zu sein, kann ich mir derzeit nur schwer vorstellen. Andererseits habe ich während der Elternzeit die Vorzüge der Online-Welt genossen.

Welche sind das für dich?

Während anderen Müttern schier die Decke auf den Kopf fällt, weil sie den ganzen Tag nur Kontakt zu ihrem Kind haben und über nichts als Kinderthemen reden, hatte ich, während Milana geschlafen hat, meinen Austausch mit anderen Menschen in der Online-Welt und meine Blog-Arbeit. Was mich heute primär stört, sind diese festen Urlaubstage. Aber in einer kleinen Apotheke kann man das nicht anders regeln. Deswegen bin ich noch auf der Suche nach der optimalen Lösung für mich.

Tanja, hast du abschließend noch ein paar Tipps für Eltern, die mit dem Gedanken spielen, samt Nachwuchs zu reisen?

Möchte man etwas ausprobieren, dann sollte man sich nicht von anderen beeinflussen lassen – das war für uns die wichtigste Lehre. Wenn man nicht hinter seiner Entscheidung steht, wird man wankelmütig und lässt sich von außen schnell umstimmen. Für das Kind selbst ist es einfach nur wichtig, dass es Zeit mit den Eltern verbringt. An welchem Ort es sich letztlich befindet, ist dem Kind völlig egal. Dementsprechend sollte man auf sein Bauchgefühl hören und sein eigenes Ding machen. Man muss sich natürlich wohlfühlen. Aber haben sich Eltern und Kind erst einmal ein bisschen beschnuppert, kann man doch ruhig das gemeinsame Reisen und Campen testen. Wenn man nichts ausprobiert, wird es ja langweilig.

Dinge auszuprobieren, das erfordert auch Durchsetzungsvermögen.

Absolut! Man braucht eine gehörige Portion Durchsetzungsvermögen – auch, um unabhängig zu bleiben und sich von anderen nichts einreden zu lassen. Als frisch gebackene Eltern muss man gegen sehr viele gut gemeinte Ratschläge von außen immun werden. Und das gilt nicht nur im Reisealltag. Alles kommt zu seiner Zeit, denn jedes Kind ist anders. Und das ist auch gut so.

Tanja, vielen Dank für das Gespräch!

Interview von Iunia Mihu

Weitere Artikel in Camper Stories