Camper Stories

Mit Wohnmobil nach Skandinavien: Eine Tour durchs Winterwonderland

Vom Wohnmobil direkt mit den Skiern in die nächste Loipe, mit dem Schneemobil vom Campingplatz aus in die unendlich weite Winterlandschaft aufbrechen und am Abend aus dem Bett die Nordlichter tanzen sehen…Wer möchte das nicht auch einmal erleben – einen richtigen Winter im Norden Europas? Hier sind unsere Tipps für den perfekten Trip in das Winterwunderland.

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Es wird offensichtlich immer populärer, im ganzen Jahr nach Skandinavien zu reisen und sich selbst im Winter auf den Weg bis in den hohen Norden zu machen. Wenn du dich gut darauf vorbereitest, einige grundsätzliche Dinge beachtest und die Reise entsprechend umsichtig planst, wirst du mit grandiosen und unvergesslichen Erlebnissen zurückkehren. Auf der anderen Seite solltest du die Gewalt der Natur und die teilweise extremen Bedingungen in der weitläufigen Landschaft Skandinaviens nicht unterschätzen. Daher haben wir für diese Unternehmung nachfolgend einige unserer Erfahrungen sowie einige Empfehlungen zusammengefasst.

Das Klima und die Straßenverhältnisse

Um es vorwegzunehmen: Wir können hier natürlich keine verlässliche Wetterprognose für die einzelnen Wintermonate abgeben. Zudem ist in Skandinavien jederzeit und in allen Regionen immer wieder mit extremen Wettersituationen zu rechnen. Dennoch gibt es einige grundsätzliche klimatische Bedingungen, die du bei der Planung deiner Tour berücksichtigen kannst. So ist es an der Küste in der Regel grundsätzlich milder als im Inland, da das Klima am Meer stark vom dort aktiven Golfstrom beeinflusst wird. Im Landesinneren, im Osten des Landes, herrscht hingegen generell ein kontinentales Klima mit teilweise extremen Minusgraden.

Von November bis in den April hinein ist dort und vor allen Dingen auf den Gebirgspässen mit viel Schnee zu rechnen. Während der massiven Schneefälle mit den oft einhergehenden Verwehungen ist es üblich, einige Straßen kurzzeitig zu sperren. Die Fahrzeuge müssen dann oft einige Stunden warten und sich aufreihen, bevor diese Strecken für eine Passage in Kolonne freigegeben werden. Von einem Leitfahrzeug – dem "Ledebil" – angeführt, wirst du dann sicher über den Pass oder durch die Schneelandschaft geleitet. Um sich auf diese Wartezeiten und Sperrungen vorzubereiten, solltest du immer ausreichend Kraftstoff im Tank, Decken und warme Getränke dabei haben.

Andere Strecken sind im Winterhalbjahr teilweise komplett gesperrt. Daher solltest du dich frühzeitig über mögliche Sperrungen auf der gut und übersichtlich gestalteten Homepage von Norwegens Straßenbehörde Statens Vegvesen informieren.

Generell werden die Straßen nicht so geräumt, wie wir es aus Deutschland kennen. In der Regel wird nur der Schnee geschoben und noch etwas gestreut. Besonders im Norden des Landes, etwa nördlich von Trondheim, ist daher im Winter oft mit eisglatten Straßen zu rechnen, da hier sehr wechselhafte Witterungsbedingungen (Eisregen, Schneefall, Kälte) vorherrschen. In den östlichen Teilen Norwegens muss du dich hingegen meistens auf eine festgefahrene Schneedecke einrichten. Man kommt dadurch generell nur langsam voran und sollte entsprechend viel Zeit für seine Strecke einplanen.

Die Reifen

Es versteht sich von selbst, dass man diese Wintertouren mit guten Winterreifen unternehmen sollte. Diese sind ohnehin vorgeschrieben – alles andere wäre auch leichtsinnig. Für den Notfall haben wir im Winter zusätzlich Hilfsmittel wie Schneeketten, Decken und Spaten an Bord, die wir bisher aber noch nicht einsetzen mussten. Die Schneeketten sind für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen in den meisten skandinavischen Länder ohnehin laut Vorschrift mitzuführen.

Spätestens nördlich des Polarkreises solltest du versuchen, Spike-Reifen einzusetzen. Für die Einheimischen ist es dort gängige Praxis, im Winter mit Spikes zu fahren. Du kannst als Tourist dabei entweder auf spezielle Schneeketten mit Spikes zurückgreifen (in Deutschland erhältlich) oder es wie einige erfahrene "Nordland-Fahrer" machen: Du kaufst dir entsprechende Reifen in Norwegen oder Schweden, lagerst diese dort bei einem Reifenservice deiner Wahl ein und lässt sie dir bei jeder Tour in den Norden Skandinaviens aufziehen. Auf der Rückfahrt nach Deutschland wird dann "zurückgetauscht". Diese Variante ist aber nur bei regelmäßigen und längeren Wintertouren durch Skandinavien sinnvoll.

Campingplätze im Winter

Wir versuchen im Winter generell Campingplätze zu nutzen. Damit sind wir von den Systemen im Fahrzeug weitestgehend unabhängig und im Fall extremer Wettersituationen auch nicht auf uns gestellt. Es gibt erstaunlich viele Campingplätze in Skandinavien, die im Winter geöffnet sind. Viele einheimische Dauercamper sind auch zu dieser Zeit in ihren Wohnwagen und Wohnzelten. Von dort aus geht es dann oft mit Skiern oder dem Schneemobil in die Loipe.

Camping finden

Generell solltest du dich auf dem Campingplatz anmelden, damit der Betreiber den Weg und den Stellplatz räumen kann. Eine kurze Mail an den Betreiber reicht in der Regel aus. Auch wenn du dir nicht sicher bist, ob der Campingplatz geöffnet ist, kannst du das über eine Mail an den Campingplatz schnell klären.

Die Isolation im Fahrzeug

Die Isolation des Fahrzeuges ist bei Temperaturen von minus zwanzig Grad und mehr fast existentiell. Gerade Kastenwagen sind in der Regel nur bedingt für diese extremen Bedingungen ausgelegt. Dennoch kann man mit wenigen Handgriffen viel erreichen. Grundsätzlich solltest du die Fenster im und am Fahrerhaus mit Thermomatten von innen oder außen dämmen.

Die Fenster im Wohnbereich kannst du bei extremen Kältegraden mit eingeklemmten Styropor-Platten zwischen den Kunststoffscheiben und dem Rollo dämmen. Zusätzlich haben wir uns Vorhänge aus dämmenden Mikrofaser-Stoff anfertigen lassen, die sich im Winter problemlos anstatt der Fliegenschutz-Vorhänge an der Schiebetür anbringen lassen. Nach den Erfahrungen unserer ersten Wintertour haben wir uns zudem im Sitzbereich einen gut isolierten Teppich anfertigen lassen, da es dort oftmals sehr fußkalt war. Weiterhin sollte man zwischen dem Lattenrost und die Matratze eine warme Decke legen, um sich vor der kalten Luft aus der Heckgarage zu schützen.

Wasser und Heizung im Wohnmobil

Kurz und gut: Auf unseren Wintertouren nutzen wir nur die Toilettenspülung. Dort fügen wir dem Spülwasser im Tank ein handelsübliches Frostschutz-Konzentrat zu, wie es auch für die Scheibenwaschanlage genutzt wird. Damit kann dort nichts einfrieren.

Alle anderen wasserführenden Systeme sollten bei einer Wintertouren entleert sein, als wäre das Fahrzeug ganz regulär winterfest gemacht. Stattdessen solltest du die Küchen und Bäder auf den Campingplätzen nutzen. Es ist einfach zu riskant, am Tag das Fahrzeug zu verlassen und nicht zu wissen, ob die Heizung in jedem Fall anspringt, wenn die Innentemperaturen unter null Grad sinken. Die Folgeschäden wären extrem, wenn die Wasserleitungen einfrieren. Um auf einen kleinen Wasservorrat zurückgreifen zu können, kann man einen Kanister mit Trinkwasser an Bord mitführen.

Wir nutzen regulär die Dieselheizung Truma Combo D 6 an Bord, die bisher zuverlässig ihren Dienst gemacht hat. Dennoch haben wir auf den Wintertouren einen zusätzlichen elektrischen Keramiklüfter mit an Bord. Auf der einen Seite ist man damit doppelt abgesichert, falls ein Heizsystem ausfallen sollte. Andererseits schafft die Kombination aus beiden Heizungen eine gemütliche Atmosphäre, da sich die Wärme auf diese Weise anders und besser verteilt. Außerdem ist es in Skandinavien auch eine durchaus preiswerte Variante so zu heizen, da der Strom auf den Campingplätzen meist pauschal abgerechnet wird.

Unter Berücksichtigung dieser Punkte, mit der entsprechenden Weitsicht und einer guten Vorbereitung wird die Winterwunderland-Tour ziemlich sicher eine tolle Erfahrung. Und wenn dann die Nordlichter am Himmel tanzen, vergisst du die Temperaturen um dich herum ohnehin.

Artikel von Conny und Sirko. Die beiden betreiben den Nordlandblog, auf dem sie von ihren Reiseerfahrungen im Norden berichten._

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