Camper Stories

Unterwegs mit Birdy – wie Camping mit Mini-Wohnwagen geht

Sandra Ilona Komoss steht nicht auf Schnick-Schnack. Einfach soll es sein. Und praktisch. Mit Birdy, ihrem Mini-Wohnwagen, hat sich die 47-Jährige aus Holtsee in Schleswig-Holstein einen Traum erfüllt. Ruck, zuck koppelt sie den schnuckeligen Birdy an ihren schnuckeligen Smart – und der nächste Campingtrip kann starten. Unserer Autorin hat die passionierte Camperin von ihren Abenteuern mit Mini-Wohnwagen erzählt, über Kaffeerezepte sinniert und erklärt, warum in ihrem Smart neuerdings eine Küche drin ist.

Sandra, du besitzt nicht nur einen Smart, sondern bist auch Vorsitzende des Smart-Clubs Schleswig-Holstein e.V. Woher kommt deine Liebe zum kleinen Auto?

Sandra: Also eigentlich wollte ich mir 2005 eine Mercedes A-Klasse kaufen, dann ist es jedoch ein Smart geworden. Der Verkäufer fragte mich sogleich, ob ich nicht Lust hätte, bei einer Smart-Rallye mitzumachen. Warum nicht, dachte ich. Prompt habe ich den zweiten Platz belegt. Dann kam der Smart-Club auf mich zu und ich bin relativ schnell dem Verein beigetreten. Seit 2006 bin ich auch im Vorstand des Vereins.

Und wie bist du zu deinem schnuckeligen Mini-Wohnwagen gekommen?

Sandra: Das Modell, das ich besitze, heißt Birdy. Ich bin erst über eine Freundin drauf gekommen, die auch Smart fährt. Schon länger hatte ich mit dem Gedanken gespielt, mir einen Mini-Wohnwagen anfertigen zu lassen. In der Regel kriegt man die nämlich nur auf Bestellung. Sie werden nach individuellen Bedürfnissen angefertigt. Im vergangenen Sommer habe ich dem Hersteller Nano-Caravan einen Besuch abgestattet. Zufällig wusste er von einer Kundin, die ihren Birdy verkaufen wollte. Da musste ich nicht lange überlegen. Innerhalb von zwei Wochen hatte ich meinen Mini-Wohnwagen samt Anhängerkupplung am Smart bei mir zu Hause stehen.

undefined

Wie war dein erster Camping-Trip mit Smart und Gespann?

Sandra: Anfangs hatte ich Bedenken. Ich meine, so ein Smart hat gerade einmal 45 PS. Und ich war mir nicht sicher, ob er es schafft, den 160 Kilogramm schweren Birdy zu ziehen. Aber das Gewicht, das hinten am Auto hängt, merkt man gar nicht. Auch das Wenden klappt gut – so lange der Wendekreis groß genug ist. Ich habe natürlich auch erst geübt, rückwärts zu fahren. Wenn ich unter Stress stehe, klappt das oft nicht – uns Frauen fehlt da ja so ein Gen, glaub' ich. Aber wenn es hart auf hart kommt, wird er abgekoppelt, von Hand gewendet und dann wieder dran gekoppelt.

War Birdy schon mit einem Bett ausgestattet, als du ihn erworben hast?

Sandra: Ich habe ihn anders übernommen, als er heute ist. Da war ein Bettkasten drin mit einem Aufsatz und Lattenrost, Matratze und Stauraum. Das habe ich erst einmal so gelassen. Der Eingang ist quasi auf der Beifahrerseite. Man muss rein krabbeln, wenn man sich ins Bett legen will. Das war anfangs etwas komisch für mich. Gegen Ende der Campingsaison habe ich gemerkt, dass ich den ganzen Stauraum, der im Gespann ist, gar nicht brauche. Ich mache schließlich einfaches und kein Luxus-Camping. Ich habe da bereits mit dem Gedanken gespielt, Birdy umzubauen. Dann bin ich im Herbst leider gestürzt und musste erst einmal am Knie operiert werden. Dass es einen Umbau geben wird, war dann klar, denn mit meinem Knie wollte ich nicht mehr rein krabbeln müssen.

War der Umbau kompliziert?

Sandra: Eigentlich nicht. Mein Mann und ich haben den Wohnwagen innerhalb von zwei Stunden entkernt. Ich habe nun eine Lichterkette, eine kleinere Matratze, kleine Kommoden und ein paar Kissen drin. Jetzt ist es richtig gemütlich – eben so, wie man es zuhause auch hat.

undefined

Gehen dein Mann und du gemeinsam mit Birdy campen?

Sandra: Mit einer Breite von 1,25 Meter ist es zu zweit eher schwierig beziehungsweise sehr kuschelig. Es gibt dieses Modell auch ein bisschen größer, wodurch es sich für zwei Personen eignet. Das heißt dann Bambi. Campen mit Mini-Wohnwagen ist zudem eher mein Hobby, welches ich mit meiner Freundin teile und ausleben kann. Mein Mann hat andere Interessen, wie etwa seinen Fußball. Das ist ganz gut so. Aber er ist immer sofort da, wenn ich Hilfe mit meinem Mini-Wohnwagen brauche.

Dein Gespann ist innen und außen sehr maritim dekoriert. Du liebst wohl das Meer.

Sandra: Ja, total! Ich komme aus Holzminden in Niedersachsen und habe immer gesagt: "Später ziehe ich ans Meer." 1995 bin ich schließlich nach Kiel gezogen und da geblieben. Ich muss aber nicht immer am Meer campen. Wir fahren am liebsten quer durch Schleswig-Holstein und andere Bundesländer.

Camping in Schleswig-Holstein

Reserviert ihr euch vorab Campingplätze oder seid ihr spontane Camper?

Sandra: Wir suchen uns vorher einen Platz. Entweder über die ADAC Camping- und Stellplatzführer App, das Internet oder über den Reiseführer "Landvergnügen". Darin sind Höfe gelistet, wo man mit seinem Fahrzeug kostenlos übernachten kann. Man sucht sich einen Hof raus, ruft dort an und fragt, ob Platz für den nächsten Tag vorhanden ist. Wir wissen nie, was uns erwartet. Ich mag das. Viele unserer Kurztrip-Ideen entstehen, wenn wir über WhatsApp schreiben oder bei einer Tasse Kaffee. Oftmals entscheiden wir uns aber spontan für eine Tour. Das ist ganz schön, denn das Leben ist ja schon ziemlich durch organisiert.

Was ist so die größte Herausforderung, die du mit deinem Mini-Wohnwagen erlebst?

Sandra: Wenn es geregnet hat und der Boden matschig ist, wird es schwer. Das Fahrzeug wiegt ja fast nichts – da ist stecken bleiben vorprogrammiert. Ich versuche das zu vermeiden, aber das klappt natürlich nicht immer. Ich hatte so eine Situation, als ich auf einem Campingplatz an der Eider war. Wir sind bei Regen losgefahren, sind bei Regen angekommen und haben bei Regen aufgebaut. Es hat im Grunde das ganze Wochenende geregnet. Und irgendwann mussten wir ja wieder losfahren. Durch den Matsch war das eine ziemliche Herausforderung. Da hab' ich ganz schön geschwitzt. Aber sonst gibt es keine Hürden. Man fährt natürlich anders, ich kann zum Beispiel nicht einfach so in eine 30er-Zone rein. Da muss man sich vorher schon mal erkundigen, wie die Straßenlage und die Parksituation sind. Man kann nicht ohne Weiteres einen kleinen Lebensmittelmarkt ansteuern, wenn dort nur kleine oder enge Parkplätze vorhanden sind.

Was kostet eigentlich ein Mini-Wohnwagen?

Sandra: Die gibt es ab etwa 3.500 Euro. Je nach Ausstattung kommen dann noch ein paar Euro mehr obendrauf. Mein Birdy hat im Neupreis rund 4.000 Euro gekostet, der Umbau zirka 150 Euro. Ein Stück Teppich, die maritime Deko, Aufkleber – all das habe ich übers Internet bestellt und im Laden direkt gekauft. Ich wollte was Originelles. Ich mag nicht, wenn jeder Camper gleich aussieht.

Was macht das Campen mit dir?

Sandra: Ich bin entspannter, wenn ich wieder nach Hause komme. Ich habe einen stressigen Job und mit den ganzen Sachen, die ich neben meinem Beruf noch mache, sind manchmal auch die Wochenenden voll mit irgendwelchen anderen Verpflichtungen. Wenn ich campen gehe, mache ich nichts – außer schnacken und entschleunigen.

Wie reagieren denn die Leute, wenn ihr mit Smart und Gespann euren Campingplatz bezieht?

Sandra: Kaum bauen wir auf, sind die ersten Neugierigen da: "Oh, ist der süß! Kann ich da mal rein gucken?" Anfangs fand ich das, ehrlich gesagt, schlimm…

undefined

Klingt ein bisschen so, wie wenn man einer Mutter in den Kinderwagen gucken will, um das süße Baby zu bewundern.

Sandra: Ja, so in etwa (lacht). Mittlerweile finde ich das aber schön. Die meisten Camper sind total nett, offen und auch hilfsbereit, wenn man zum Beispiel Probleme beim Aufbau hat. Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht. Dabei staunen wir auch, wie Andere so unterwegs sind. Teilweise mit High-Tech-Wohnmobilen, die zum Beispiel eine Satelliten-Schüssel haben. Für uns ist das nichts. Wir mögen es minimalistisch. Ich habe den Eindruck, dass in unserer modernen Welt einfache Dinge verloren gehen. Beim Campen macht es mir Spaß, Dinge wieder in ihrer Einfachheit auszuprobieren. Wie zum Beispiel das Kaffeekochen.

Wie trinkst du deinen Kaffee beim Campen?

Sandra: Ich habe einen kleinen Wasserkocher dabei, sodass ich schnell einen Instant-Kaffee zubereiten kann. Ich nehme aber auch einen Filteraufsatz mit. Je nachdem, wie lange ich unterwegs bin, kommt mal das eine, mal das andere Utensil zum Einsatz.

Und wo bewahrst du den Wasserkocher und andere Küchen-Utensilien auf?

Sandra: Ich habe mir hinten im Smart eine kleine Outdoor-Küche eingebaut. Das ist im Grunde ein kleiner Schrank mit einer Klappe. Darin bewahre ich einen Gaskocher, Gewürze, Geschirr und Nahrungsmittel auf. Ist die kleine Arbeitsfläche aufgeklappt, habe ich ausreichend Platz, um mein Essen zuzubereiten. Wenn ich damit fertig bin, mache ich die Klappe wieder zu. Anfangs musste ich alles erst einmal herausholen und mein Essen vor dem Mini-Wohnwagen zubereiten. Alles stand dann herum und ich konnte nicht mal eben kurz weggehen. Man will dann auch nicht alles so offen stehen lassen. Mit der kleinen Outdoor-Küche ist es viel einfacher.

undefined

Woher hattest du die Idee für so eine Outdoor-Küche?

Sandra: Ich habe bei Pinterest nach Ideen für Auto-Ausbauten gesucht. Das erschien mir viel praktischer, als extra einen Camping-Schrank zu kaufen, den man erst aufbauen und einräumen muss, nur um ein paar Tage später alles wieder auszuräumen und abzubauen. So hat man alles gleich griffbereit, was man für einen Camping-Tag braucht. Zudem weiß ich: Ich kann jederzeit losfahren, wenn ich will. Diese Freiheit genieße ich sehr. Beim Bau der Outdoor-Küche hat mir auch wieder mein Mann geholfen – ich habe die Ideen und er setzt sie für mich um.

Und was habt ihr sonst noch an Gepäck dabei?

Sandra: Meine Freundin und ich bauen uns stets noch einen Faltpavillon auf. Zwei der Öffnungen sind mit unseren Mini-Wohnwagen verdeckt. In der dritten Öffnung steht die beiden Smarts, mit dem Po nach hinten, sodass wir aus dem Pavillon heraus direkt an unsere Sachen kommen. Und die letzte Öffnung schließen wir mit einer Ziehwand, wenn das Wetter schlecht ist. Dann sind wir geschützter. Ansonsten habe ich mir angewöhnt, möglichst wenige Klamotten mitzunehmen. Anfangs hatte ich viel zu viel dabei. Ich meine, man geht ja nicht auf einen Campingplatz, um einen Model-Contest zu starten. Aber solche Erfahrungen muss man erst machen, um zu wissen, was für einen geht und was nicht.

Sandra, vielen Dank für das Gespräch!

Interview von Iunia Mihu.

Weitere Artikel in Camper Stories