Camping in Holland am Meer: Von A wie Amsterdam bis Z wie Zandvoort

Windmühlen, Grachten, Käselaibe: Wir befinden uns im Camperparadies Holland! Hier gibt es beste Voraussetzungen für Camping direkt am Meer mit Hund oder Familie. Lange Sandstrände, ideale Wellen für Surfer und liebevoll eingerichtete Campinplätze laden ein zum Verweilen.

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"Wir müssen unbedingt wiederkommen“, sagt Vinzenz, 7, der vor Begeisterung vergessen hat, in seinen Toast zu beißen. Immerhin kann er sich so nicht verschlucken, wenn er gleich wieder loslacht. Denn im Ferienpark Ter Spegelt wird geblobbt. Das heißt: Einer springt aus fünf Metern Höhe auf die eine Seite eines prall gefüllten Luftkissens und schleudert beim Aufprall einen zweiten am anderen Ende des Luftkissens katapultartig durch die Luft in den Badesee. Leute kreischen, Wasser spritzt, und unsere beiden Buben sind mächtig beeindruckt. Dumm nur, dass man zum neuen Trendsport Blobben 14 Jahre alt sein muss. Also wird die Zukunft geplant. Dabei sind wir erst knapp eine Stunde auf der Anlage.

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Auf dem langen Weg von Süddeutschland an Hollands Küste machen wir einen Zwischenhalt in Eersel südlich von Eindhoven. Es ist schön hier. Nicht nur die Lodge mit Moskitonetz am Himmelbett, kompletter Küchenzeile, Loungemöbeln auf der Terrasse und Volleyballfeld direkt davor. Es gibt jede Menge zu tun. Für Xaver, 10, und Vinzenz werden Badeseen und Crossbike-Strecke zum magischen Dreieck und die coolen BMX-Räder aus dem Fahrradverleih zum blitzschnellen Fortbewegungsmittel zwischen spiralförmigen Wasserrutschen, dem hügeligen Parcours für Radfahrer und einer Challenge-Strecke, bei der es gilt, mit verschiedenen kippeligen Hilfsmitteln eine Teichanlage möglichst trocken zu überwinden. Viel zu rasch endet die Zeit auf Ter Spegelt. Aber jetzt freuen wir uns aufs Meer.

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Urlaubsglück zwischen Dünen und Meer

Auf dem Weg an die Westküste sehen wir immer mehr von dem, was man sich unter den Niederlanden vorstellt: Schwarz-weiße Kühe auf brettebenen Wiesen. Wollige Schafe, die auf Deichen grasen. Natürlich auch Windmühlen. Und viele Radfahrer, sobald die Autobahn hinter uns liegt und breite Radwege die Straßen säumen. Amsterdam passieren wir nur am Rande. Haarlem erreichen wir in der sanften Spätnachmittagssonne. Die Straßenzüge aus dunklem Stein, mit strahlend weißen Fensterrahmen und Türen und akkurat gepflegten Vorgärten erinnern an Spielzeug. Hinter den letzten Häusern beginnen die ersten sanften Dünenhügel des Nationalparks Zuid-Kennemerland. Zuerst noch dicht bewaldet, aber schon bald wird die Vegetation flacher und spärlicher. Kurz bevor die Straße nach Zandvoort mit der permanenten Motorsport-Rennstrecke einbiegt, sind wir da: Im Kennemer Duincamping de Lakens wird ein De Waard-Zelt unser Ferien-Domizil. Zelt-Abenteuer für die Kinder, bei dem wir Großen den kleinen Luxus eines bequemen Betts und den Strom aus der Steckdose schätzen. Bei Licht betrachtet machen wir dort nicht viel mehr als schlafen, frühstücken und Abend essen, auch wenn der abseits gelegene Platz in den Dünen idyllisch und die Hängematte vor dem Zelt gemütlich ist. Aber die Umgebung lockt uns vom Platz. Mal radeln wir auf breiten Wegen durch den Nationalpark und halten Ausschau nach Wildpferden. Mal bestaunen wir auf dem Waagplein in Alkmaar den weltgrößten Käsemarkt. Von April bis September werden hier jeden Freitag etwa 2.400 goldgelbe Gouda Laibe geprüft, gehandelt und von Käseträgern im Laufschritt zur Waage transportiert.

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Mit dem Motorboot durch Haarlems Grachten

Mal klettern wir auf eine Mühle, mal steuern wir ein Motorboot durch Haarlems Grachten und genießen diese typisch holländische Art der Fortbewegung auf einsamen Seitenarmen der Spaarne. Weil hier alles ein paar Nummern kleiner und gemütlicher ist als im nahen Amsterdam, dürfen auch die Kinder mal ans Ruder. Einer lenkt, der andere sagt, wo’s langgeht, und Papa greift ein, wenn es eng wird. Das allerbeste aber ist das Surfen. Am 15 Kilometer langen Strand von Zandvoort, der nur einen kleinen Spaziergang oder eine noch kürzere Rad-Etappe vom Zelt entfernt ist, rollen die Wellen gemäßigt aber regelmäßig. Ideale Lernbedingungen. Während der große Bruder in den Neoprenanzug schlüpft, betont Vinzenz immer wieder mit breitem Grinsen, dass er schon sieben und damit auch alt genug für den Kurs ist. Mit seinem Eifer wickelt er Emile sofort um den Finger. Im Schnelldurchlauf erklärt uns unser Familien-Surflehrer, wo und wie die Wellen brechen, wann man zu paddeln beginnt und wie man aufs Brett springt, um im Idealfall stehend auf dem Wasser zu gleiten. Zwei Stunden üben wir – und es geht immer besser. Als wir mit Emile die Boards aufräumen ist längst klar: Wir müssen wieder kommen. Für den Blobb, für's Surfen und weil es einfach schön ist.

Text: Heidi Siefert

Fotos: Miquel Gonzales

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